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Caspar von Loeper sorgte für ein "Wintermärchen"

Dietersheim: Nackte Wahrheit ungeliebt - 25.02.2013 14:21 Uhr

Einfühlsam von Marion Josek mit Klangbildern begleitet, erzählte Caspar von Loeper ausdruckstark „Märchen im Winter“. © Harald Munzinger


Wie wahr, war es aus dem Publikum leise zu vernehmen, dem der Märchenerzähler und Betreuer Caspar von Loeper diese jüdische Parabel von zwei wunderschönen Frauen – die Wahrheit und das Märchen - vortrug, die ganz unterschiedliche Lebenserfahrungen machten.

Die Wahrheit erfuhr immer mehr Abweisung, das Märchen wurde immer beliebter, je älter es wurde. Sein Vorschlag, doch in seine Kleider zu schlüpfen „ weil die Menschen Farben mögen“ - sorgte für eine märchenhafte Veränderung: Plötzlich war die Wahrheit im Schein des Märchens überall willkommen.

Caspar von Loeper, seit September letzten Jahres in der Camphilldorfgemeinschaft „Hausenhof“ als Betreuer tätig, beschloss damit eine märchenhafte Stunde im „Novalissaal“ des Kulturzentrums, in dem auch erfreulich viele auswärtige Gäste eine besondere Atmosphäre der „Märchen im Winter“ genossen. Außen ein Wintermärchen mit dicken Schneehauben auf den Häusern, innen anheimelnd flackerndes Kerzenlicht. Einfach märchenhaft.

Von Loeper, gebürtiger Schweizer (Lausanne), hat seine Ausbildung zum Märchenerzähler in England absolviert. Heute vermittelt er einmal im Monat in Berlin – vielleicht ja auch einmal auf Hausenhof - Seminarteilnehmern zwischen Ende 20 und Mitte 60 die faszinierende Welt der Märchen.

Marion Josek begleitete seine Erzählungen mit zarten Klängen, vertiefte musikalisch die Stimmungen feinfühliger Schilderungen etwa der wundersamen Heilung eines kranken Mädchens, an dessen Seite auch eine schwache Füchsin genesen sollte. Wer hatte wen geheilt in der kleinen Hütte im tiefen Winter?

Buntes Gewand für „nackte Wahrheit“

Ein gutes Ende sollte auch das Märchen mit dem wundersamen Wandel eines Geizhalses zum Wohltäter nehmen, nachdem ihn die Stimme seines Herzens seine Hartherzigkeit bewusst gemacht hatte, ein Sonnenstrahl der Milde das Eis der Habsucht schmelzen ließ.

Der Preis für die Gaben an einen bettelarmen Nachbarn sollte dessen Versprechen sein, die nächtliche Totenwache auf dem Grabhügel des reichen Bauern zu halten. So sollte dieser mit Hilfe eines schlitzohrigen alten Soldaten davor bewahrt sein, die Seele dem Teufel überlassen zu müssen, der sie auch mit viel Gold kaufen wollte.

Nachdenklich sollte schließlich auch noch die Geschichte einer kleinen Tanne stimmen, die sich freute, als Weihnachtsbaum erstrahlen zu können, nach zwölf Tagen aber mit dem Schicksal haderte, plötzlich ausrangiert zu sein. Die Prophezeiung eines Mäuschens, dass aus jedem Tod neues Leben entsteht, sollte die kleine Tanne empfinden, als sie als Brennholz ein armes, altes Paar erwärmte, und schließlich auch, als es aus der aufs Feld gestreuten Asche grünte und blühte.

Auf der Suche nach einer Betreuungsstelle war Caspar von Loeper zum Camphilldorf „Hausenhof“ (Dietersheim) gekommen, auf dem er in einem der Hausgemeinschaften von behinderten und nichtbehinderten Menschen mitarbeitet. Nebenbei übt er noch als Seminarleiter seinen Beruf als Märchenerzähler aus. Die Wochenendkurse würden sehr gut angenommen, Märchen als Bereicherung des Alltags und seiner Wirklichkeit empfunden. So kann der „nackten Wahrheit“ ein buntes Gewand umgelegt werden. 

Harald J. Munzinger

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