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Christian Schmidt feiert 25 Jahre Bundestagsmandat

Mit erster gesamtdeutscher Wahl erhielt der 58-Jährige Sitz im Parlament - 02.12.2015 10:32 Uhr

Seit 17. Februar 2014 ist Christian Schmidt Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft. © Harald Munzinger


Am 26. August 1957 in Obernzenn geboren, absolvierte Schmidt nach dem Abitur am Bad Windsheimer Steller-Gymnasium und Wehrdienst das Studium der Rechtswissenschaft in Erlangen und Lausanne, das er 1985 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen beendete. Seit der Übernahme des Amtes als Parlamentarischer Staatssekretär 2005 ruht seine Zulassung als Rechtsanwalt.

Dessen ausgeprägtes Verantwortungsgefühl macht man in seinem engsten Freundeskreis bereits bei dem achtjährigen Christian Schmidt aus, der eine Protestdemonstration zum Obernzenner Bürgermeister anführte und bewirkte, dass ein bei den Kindern beliebter Schausteller die Kirchweih nicht verließ. Kommunalpolitische Verantwortung übernahm er von 1984 bis 1990 im Obernzenner Marktgemeinderat sowie im Kreistag. Doch der Blick sollte schon damals auf die Deutschland- und Europapolitik gerichtet sein, Schmidt als blutjunger JU’ler 1979 bei der ersten Wahl zum Europäischen Parlament bayernweit im Einsatz sein.

Der Jungen Union und CDU war er 1974 beigetreten, war von 1980 bis 1982 Vorsitzender des JU-Kreis- und von 1982 bis 1991 des Bezirksverbandes. Den CSU-Landesvorstand gehörte er von 1989 bis 1993 an, dann wieder seit 1999. Erst vor wenigen Tagen wurde er im Amt des stellvertretenden Landesvorsitzenden bestätigt.

1990 folgte der Unionspolitiker Christian Schmidt Dr. Werner Dollinger in den Bundestag, dessen bescheidener Platz heute in der Wahlkreisgeschäftsstelle steht. © Harald Munzinger


In dieses Amt, in dem er den Parteivorsitzenden insbesondere in Fragen der Außen-, Sicherheits- und Europapolitik vertritt und Kontakt zu den befreundeten Parteien innerhalb der Europäischen Volkspartei (EVP) hält, war er am 8. Oktober 2011 berufen worden.  Seit Mai 2010 ist Schmidt Landesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CSU, seit Mai 2011 stellvertretender Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU. Von 2004 bis 2014 war der 1990 als Nachfolger von Dr. Werner Dollinger in den Bundestag gewählte Christian Schmidt Landesvorsitzender des Arbeitskreises Außen-, Sicherheits- und Europapolitik (ASP) der CSU.

Aufstrebender Außenpolitiker 

Schon 1991 hatte Kanzler Kohl den jungen Außenpolitiker Schmidt zu internationalen Missionen mitgenommen und 1992 hatte dieser sich mit dem in Fürth geborenen früheren DU-Außenminister Henry Kissinger laut damaligen Medienberichten „die Köpfe über eine friedlichere Welt zerbrochen“. In der fränkischen Heimat genoss und genießt  Christian Schmidt persönliche Wertschätzung und öffentliche Anerkennung für sein Wirken über Parteigrenzen hinweg, die sich in stets ausgezeichneten Ergebnissen des direkt gewählten Abgeordneten ausdrücken sollte. So konnte er schließlich als zweiter „Fürther Bundesminister“ nach Ludwig Erhardt in „große Fußstapfen“ treten und im Wahlkreis Dr. Werner Dollinger ins Kabinett folgen.

Vor seiner Berufung zum Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft am 17. Februar 2014 war Christian Schmidt von 2005 bis 2013 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung. Dort überstand er unbeschadet die Stürme, die zwei Minister aus ihren Ämtern „gefegt“ hatten und wurde von den Medien als „Überlebenskünstler in der Chefetage des Ministeriums“ apostrophiert. Von 2002 bis 2005 war Schmidt Vorsitzender der Arbeitsgruppe Verteidigung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und gleichzeitig deren verteidigungspolitischer Sprecher, zuvor von 1991 bis 2002 Vorsitzender des AK Arbeitskreises V (Auswärtiges, Verteidigung, Europa) der CSU-Landesgruppe. Nach der Bundestagswahl 2013 wechselte Christian Schmidt bis zur Ernennung zum Agrarminister als Parlamentarischer Staatssekretär in das  Bundesministerium für  wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

„Aufgeklärter Konservativer“

Schmidt, seit 1989 mit Frau Ria verheiratet und Vater von zwei  Töchtern, sieht sich selbst als „aufgeklärten Konservativen“ und bekennt sich „ein Stück dickköpfig und stur, wenn es um die Sache geht“, als „fränkischer lutherischer Protestant“, mag „kein Talk-Show-Fuzzi“ sein, hält nichts von „Glamoureffekten“ wie er es selbst äußerte.

Der Agrarminister sucht das Gespräch mit Fachleuten aus der Praxis, wie etwa mit dem Geschäftsführer seines Heimatlandkreises, Rudolf Meth (l.). © Harald Munzinger


Die sachbezogene Arbeit ist sein Leitmotiv, wofür er auf großer politischer Bühne ebenso Anerkennung genießt, wie auf regionaler Ebene, auf der geschätzt wird, „wie ernsthaft und zügig er sich den Herausforderungen in seiner Heimat annimmt“. Aus der erfährt er allerdings im Amt des Landwirtschaftsministers aus der Landwirtschaft, speziell von den Milchviehhaltern, auch geharnischte Kritik. Schmidt räumt ein, dass man sich bei den in seinem Ministerium zu bewältigenden Mammutaufgaben und unterschiedlichen Interessenlagen nicht nur Freundschaft schafft, ein ehrliches Bemühen im Interessenausgleiche indes mag er sich nicht absprechen lassen.

1992 „Europäische Polizei“ empfohlen

Nach Einschätzung in seinem engen politischen Umkreis wäre heute „vermutlich manch aktuelle Herausforderung besser handhabbar, wenn man 1992 den Vorschlägen von Christian Schmidt zur Änderung des Grundgesetzes in Sachen Asylrecht gefolgt wäre“. Er hatte nach Abschaffung der Binnengrenzen mit dem Schengener Abkommen empfohlen, eine Europäische Polizei zu schaffen, da sich „kein Land den Luxus leisten könne, zuerst Asylsuchende ins Land zu lassen und dann erst über ihr Verbleiben zu entscheiden“.

Wenn bei der Bundeswahlkreiskonferenz, der Schmidt vorsteht, dessen politischen Aktivitäten reflektiert werden, wird wohl auch die Wiedervereinigung zur Sprache kommen, die ihm von Jugend ein wesentliches Anliegen war. JU-Freunde erinnern sich an eine spektakuläre Demonstration in Berlin 1981 gegen die erzwungene Teilung Deutschlands mit dem Appell „Auf die Dauer keine Mauer“.

Und es werden die zahlreichen Auszeichnungen zur Sprache kommen, die Schmidt auch international erfuhr, wie etwa mit dem „Drei-Sterne-Orden“, dem höchsten lettischen zivilen Orden, dem Verdienstorden der Republik Litauen oder dem Honourable Accolade (of first degree) for National Defence“ in Ungarn. Schmidt ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande sowie des Bayerischen Verdienstordens.

Er ist Präsident der Deutschen Atlantischen Gesellschaft e. V. sowie Mitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und sitzt unter anderem im Aufsichtsrat des Zentrum für Internationale Friedenseinsätze gemeinnützige GmbH (ZIF), im Stiftungsrat der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung Friedensforschung und im Beirat des American Jewish Committees. Seit 2013 ist Christian Schmidt deutscher Beiratsvorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. 

hjm

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