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15 Euro im Jahr: Stadtbibliothek verlangt wieder Gebühren

Kulturausschuss stimmt für Wiedereinführung - 08.10.2017 05:39 Uhr

Nur Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre (wie hier im Bild) sind von der Gebühr befreit. © Philipp Rothenbacher


Im Stadtrat zieht es sich durch alle Reihen: Den Politikern bereitet diese Abstimmung Bauchschmerzen. "Das ist ein formaler Akt, der keinem von uns die Freudentränen in die Augen treibt", beschreibt Kulturreferentin Julia Lehner (CSU) den Zustand im Rat. Mehrheitlich wird die Wiedereinführung der Jahresgebühr beschlossen, Britta Walthelm (Grüne) und Stephan Grosse-Grollmann (Gute) stimmten dagegen.

Die Wiedereinführung ist eines von vielen Opfern, die gebracht werden, um den Haushalt genehmigungsfähig zu machen. Die Stadt will dafür ein Gesamtsparpaket in Höhe von 20 Millionen Euro schnüren. Der Bildungscampus Nürnberg, zu dem die Stadtbibliothek gehört, rechnet durch die Wiedereinführung Anfang nächsten Jahres mit einem "moderaten" Rückgang von zehn Prozent aktiver Bücherei-Kunden. Dennoch geht man durch diesen Schritt von jährlichen Mehreinnahmen in Höhe von geschätzt 436.185 Euro aus.

Die Jahresgebühr wird 15 Euro betragen und fällt an, sobald Nutzerinnen und Nutzer ab dem 1. Januar 2018 ihr erstes Buch oder ein anderes Medium ausleihen. Sie kann dann per EC-Karte oder bar an der Ausleihe bezahlt werden. Unter dem Aspekt der Leseförderung bleiben Kinder- und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre von der Gebühr befreit. "Lesen ist eine wichtige Schlüsselkompetenz und Voraussetzung für Bildung. Erfahrungsgemäß lesen Menschen, die bereits als Kind gelesen haben, auch im Erwachsenenalter", sagt André Knabel, Leiter des Bildungscampus Nürnberg. Bestimmte Benutzergruppen, etwa Schüler, Studenten und Inhaber des Nürnberg-Passes, erhalten eine Ermäßigung von 50 Prozent auf die Jahresgebühr.

Rückblick: Zum 1. Januar 2013 hatte der Stadtrat die Jahresgebühr abgeschafft. Im Gegenzug dazu wurden Gebühren für die Leihfristverlängerung eingeführt. Außerdem beschlossen die Räte damals eine Erhöhung der Versäumis- und weiterer Servicegebühren.

Das Modell fand deutschlandweit Beachtung und trieb deutlich mehr Nutzerinnen und Nutzer in die Zentralbibliothek oder in eine der Stadtteilbibliotheken. Die Zahl der aktiven Entleiher steigerte sich von 49 330 im Jahr 2011 auf rund 70 000 im Jahr 2016. Die Zahl der Neuanmeldungen hat sich indes bei rund 20.000 jährlich eingependelt. Knabel: "Die Wiedereinführung der Jahresgebühr passt nicht zur allgemein wachsenden Digitalisierung. Ziel damals war es ja, möglichst keine Hindernisse zu den Medien aufzubauen, sondern diese aus dem Weg zu räumen." 

Alexander Brock

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