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15 Jahre curt: Bei Tageslicht ist die Welt noch bunter

Das Fachmagazin fürs Nachtleben schaut über den Tellerrand - 12.06.2012 09:41 Uhr

Vor 15 Jahren wurde bei Reinhard Lamprecht (Mitte) im Wohnzimmer das erste curt-Heft zusammengebastelt. Inzwischen ist aus dem reinen Partyblatt ein thematisch breiteres Magazin geworden, seinen schrägen Charme hat es aber eindeutig behalten. © curt


Wenn Popstars nach einer langen Karriere langweilig werden, sagen sie immer, sie seien erwachsen geworden. Auch curt ist einen Hauch seriöser als früher, aber noch schrill genug – und das Heft wird immer spannender. Sogar eine mehrseitige Kunst-Rubrik hat ihren Platz in dem einstigen Partyblatt gefunden. Der jüngste Coup: Eine Kolumne des Kabarettisten Matthias Egersdörfer.

Neues Zuhause für Nestbeschmutzer

Seinen alten Kolumnenjob bei einer Boulevardzeitung wurde Egersdörfer wegen Kritik an seinem Auftraggeber los. Bei curt hingegen sind alle Extreme gefragt, Selbstbeweihräucherung ebenso wie Nestbeschmutzung. Also schreibt der „Egers“ nun für die „Diskodeppenpostille“, die dieses Wort so nonchalant abdruckt wie seine Schimpftiraden auf die „schmierigen Schergen vom curt“.

„Das mit dem Egers hat sich bei einem Bier auf dem Balkon ergeben“, erzählt der Gründer und Chefredakteur Reinhard Lamprecht, besser bekannt als Lampe. Mit dem Balkon ist das gleichnamige Freiluft-Lokal am Königstor gemeint, das übrigens von einem ehemaligen curt-Redakteur betreiben wird. Man merkt schon, die curties sind bestens vernetzt. Gute Kontakte dürften ein wichtiger Bestandteil ihres Erfolgsrezeptes sein: „Wir haben schon fünf bis zehn Konkurrenz-Magazine kommen und gehen sehen“, erzählt der leitende Redakteur Timo Graßer.

Inzwischen gilt curt sogar als Bindeglied zwischen den jungen Gastronomen der Stadt. Kein Wunder, mischen die Heftchenmacher doch überall heftig mit: Das kürzlich begangene Klaragassen-Straßenfest beruht auf einer Idee des Magazins, Veranstaltungen wie der Ende Juni stattfindende Sommerkiosk werden redaktionell unterstützt, ebenso Szenenasen-Ereignisse wie das berüchtigte Trash Wrestling oder das Seifenkistenrennen am Schmausenbuck. Da steigen die Schreiberlinge auch mal selbst in den Ring oder in die Kiste. Schließlich gilt es, einen Ruf zu verteidigen: Seit geraumer Zeit präsentiert sich curt als „Superheldenzüchter“.

Nur mit Humor wird man zum Helden

Auf Plakaten und im Heft werden curt-Mitarbeiter und Persönlichkeiten aus dem Nürnberger Nachtleben in irrwitzigen Heldenkostümen ganz groß rausgebracht. Der trashige Humor und die Liebe zu solchen Projekten sind Markenzeichen des Magazins. Weitere Merkmale: Man ist wählerisch. Junge, kreative Gastronomen werden kräftig unterstützt, während lieblose Kommerzschuppen meist nicht viel Aufmerksamkeit bekommen.

Curtmän im Einsatz. Bei jedem Abenteuer dabei: Redaktionshund Kowalski.


„Es finden sich im Heft nur wenige Veranstalter, die uns weh tun“, sagt Lampe. „Dabei ist die Zahl unserer Ankündigungen stark gewachsen, wir haben doppelt so viele Einträge im Veranstaltungskalender wie früher – aber ohne Qualitätsverlust!“ Tatsächlich, das Nürnberger Nachtleben ist reichhaltiger geworden in den letzten 15 Jahren. Und an so mancher Neuentwicklung war curt direkt oder indirekt beteiligt, als Motor oder Ideengeber. Dicker ist das Heft aber auch aus einem anderen Grund geworden: Das fünf- bis siebenköpfige Kernteam und seine fast 30 Mitarbeiter schauen sich immer öfter bei Tageslicht um. Wie zum Beispiel auf dem Erlanger Comicsalon oder bei Künstlern auf AEG.

Inzwischen füllen auch Theaterstücke und Rezepte von lokalen Kochkünstlern das auf knapp 180 Seiten gewachsene Gratisheft im A6-Format. Von Nürnberg aus hat es Fürth und Erlangen erobert. Die Auflage im Städtedreieck hat 20000 Exemplare erreicht, die meisten Hefe liegen in Clubs und Kneipen aus. Sogar München wird von curt versorgt – allerdings nicht monatlich, sondern nur vierteljährlich.

„Alles wächst: der Umfang, die Auflage, die Zahl der Mitarbeiter. Nur die Beliebtheit nicht“, sagt Lampe trocken und guckt dabei todernst. Nun, ein paar Leutchen werden sich trotzdem auf das Jubiläumsfest verirren. Am Samstag feiert das Magazin in den Clubs Hirsch und Rakete mit einem DJ-Großaufgebot. „Früher haben wir bei solchen Festen auch überregional große Namen gebucht. Aber wegen denen kam kein Mensch, die Leute wollen mit curt und seinen Kumpels feiern“, sagt Lampe. „Es wird ein Klassentreffen“, freut sich Timo Graßer.

Und in dieser Klasse haben es viele weit gebracht: Gebucht sind unter anderem die Macher des am 23. Juni im Marienbergpark stattfindenden , die Wildstyle-DJs, das DJ-Team Karel & Gott sowie die hauseigenen Plattenaufleger Litti und Kaneda.

Jubiläumsfeier am Samstag, 16. Juni, in den Clubs Hirsch und Rakete.

Typische curt-Events:

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WigOut! im Marylin

Das Szenemagazin Curt lädt jedes Jahr zu WigOut!, einer der abgefahrensten Faschingspartys in Nürnberg. Die Gäste müssen sich vorab anmelden und das Curt-Team bestimmt, wer welches Kostüm tragen muss.


 

 
 

Fünf Fragen an Frank Schlosser, Redakteur beim curt:

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Fünf Fragen an... Frank Schlosser, La Boum

Frank Schlosser ist ein Mann mit vielen Talenten. nordbayern.de hat dem 39-jährigen Mitglied der Band "La Boum" fünf Fragen gestellt. Zu jeder Frage gibt's ein Foto.


 

Erik Stecher

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