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16. Januar 1962: Schutt mit frischer Luft

Aus dem „Monte Klamott“ wird in wenigen Monaten ein Paradies für Spaziergänger - 16.01.2012 07:00 Uhr

Die Anwohner des berüchtigten „Monte Klamott“ können aufatmen: die Planierraupe ist bereits am Werk, damit die Spaziergänger hier in wenigen Monaten einen grünen Hügel vorfinden. © Slevogt/Ulrich


Der neue Aussichtsberg von Nürnberg ist nichts anderes als der Westkegel des großen Schutthügelgeländes an der Bauernfeindstraße, auf dem jetzt eine Planierraupe mit der Arbeit begonnen hat.

Unter dem Namen „Westkegel“ segelt die höchste Kuppe des Schuttgeländes, das in den letzten Jahren so oft Anlaß zu Beschwerdebriefen der Anwohner gegeben hat. Entweder verbreiteten die Schutthügel einen wenig erfreulichen Geruch, oder ein unverhofft ausgebrochener Brand trieb Rauchschwaden über die angrenzenden Wohngebiete. Jetzt ist Schluß mit den Belästigungen. In wenigen Monaten wird sich hier ein grünes Idyll auftun.

Noch wird kräftig Bauschutt (aber kein Müll mehr) angefahren. Die Lastwagen kommen unaufhörlich auf den Berg gerattert und laden ihre Last, sauberen Sand mit Steinen vermischt, an einer ganz bestimmten Stelle des Bergabhanges ab. Wenige Meter davon entfernt aber rattert schon die Planierraupe auf dem 345 m hohen Westkegel, um diesen jetzt noch etwas zerrissen aussehenden Zackenberg zu einem sauberen Tafelberg abzuhobeln, auf dem sich einmal die Aussichtsbänke für die Ruhesuchenden und Spaziergänger erheben sollen.

Die Bepflanzung und der Wegebau sind bereits ausgeschrieben, und werden in diesen Tagen – wenn die milde Witterung es zuläßt – beginnen. Das Wegenetz des „Westkegels“ wird selbstverständlich so angelegt, daß es mit dem bereits bestehenden entlang dem Silbersee und auch nach Westen zu mit den Wegen entlang der Münchner Straße gute Verbindung hat. Sowohl von der „Südwestwand“ als auch von der „Nordwand“ des grünen Kegels wird die Besteigung der Kuppe leicht und sanft gemacht werden. Starke Steigungen wird es nicht geben.

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Die vorgesehene Begrünung und Bepflanzung des Hügels schlägt alles, was bisher in Nürnberg auf diesem Gebiet geleistet worden ist. Nicht weniger als 30.000 junge kräftige Forstgehölze werden angepflanzt. Rund 12 000 von ihnen bestehen aus sogenannten Vor- und Pioniergehölzarten, die durch ihr schnelles Wurzelwachstum bekannt sind. Sie sollen den relativ lockeren Schüttboden des Westkegels fest zusammenhalten, außerdem in Bodennähe etwas Sonnenschutz und ein angenehmens Kleinklima schaffen, das nun wieder den zwischen ihnen stehenden 18 000 „endgültigen“ Gehölzen des Berges zugute kommt. Besonders den Zitterpappeln und den vielen Weiden und Erlen, Hainbuchen, Heckenkirschen und Heckenrosen, Eichen, Schlehen, Kreuzdorn, Weißdorn, Wilder Schneeball und Pfaffenhütchen werden schon im Sommer 1962 für eine kleine Baumblüte auf dem ehemaligen Schuttberg sorgen.

Bei der Begrünung des Westkegels handelt es sich übrigens um eine sogenannte Rohbodenbegrünung, wie man sie zum Beispiel bei den Abraumhalden der Bergbaubetriebe anwendet. Hier wird keine Muttererde angefahren, die Halde begrünt sich von selbst, wobei nur stellenweise ein wenig nachgeholfen wird. Mit der Anpflanzung von Bitter-Lupinen und bestimmten Gräsern. Die haben die Eigenschaft, dem Boden Stickstoff zuzuführen.

Am neuen Aussichtsberg sind auch offene „Schneisen“ vorgesehen, die sich sehr wohl als Ski- oder Rodelabfahrten verwenden lassen. Wobei die Gartenbauer allerdings zum Silbersee hin so etwas wie Schutzwälle und Schutzpflanzungen anlegen, damit niemand in glatter Fahrt in die kühlen Seefluten rodelt. Nach dem Westkegel soll übrigens sofort der kleine Bruderberg, vorläufig noch „Ostkegel“ genannt, an die Reihe kommen. Sobald das Geld vorhanden ist, und Nürnbergs Stadtväter wieder so bewilligungsfreudig sind wie sie beim Westkegel waren.

Aus den Nürnberger Nachrichten vom 16. Januar 1962

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Kalenderblatt: Nürnberg im Januar 1962 - die Bilder

Die Fotos des NN-Kalenderblatts vom Januar 1962.


 

B. K.

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