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2.Oktober 1967: Internationaler Rundflugtag in Nürnberg

Die Luftfahrt zog wie ein Magnet - 02.10.2017 07:59 Uhr

Wie an einer Schnur aufgereiht fliegt die Burda-Staffel über den Platz, auf dem eine Super-Constellation (vorne) der Lufthansa startbereit für die Rundflüge steht. © Kammler


Viele tausend Nürnberger und Auswärtige – unter ihnen zahlreiche Eltern, die ihren Buben eine große Freude bereiteten – haben sich am Samstag auf dem Nürnberger Flughafen umgesehen. Beim Internationalen Rundflugtag wollten die einen selbst in eine der mächtigen Verkehrsmaschinen der Deutschen Lufthansa oder der Pan American World Airways klettern, die zu Rundflügen über Nordbayern und Oberbayern starteten oder die Franken nach Berlin brachten.

Andere blieben lieber auf heimischem Boden und verfolgten das Programm, zu dem die tollen Kapriolen des mehrfachen Deutschen Kunstflugmeisters Gerd Pawolka aus München oder die exakten Vorführungen der Burda-Staffel gehörten. Für eine Schönheitsfehler kann jedoch kein irdischer Organisator verantwortlich gemacht werden: für das Gewitter, das sich kurz nach 15 Uhr über Nürnberg entlud und dazu zwang, einige "Schmankerln" zu streichen.

Am Vormittag schon stiegen die ersten Maschinen zu den 50 Minuten langen Rundflügen und zum kaum längeren Luftsprung nach Berlin auf. An Bord befanden sich auch die 45 Gewinner des Preisausschreibens unserer Zeitung, die durch ihr Wissen kostenlos zu einer Reise gekommen waren. Gerd Pawolka zeigte seine Meisterschaft am Knüppel seiner tschechischen Kunstflugmaschine. Scheinbar schwerelos zauberte er die Loopings, Rollen und Turns an den Himmel, so daß den Zuschauern vor Staunen der Mund offenblieb.

Als die Musiker der amerikanischen Kapelle – sie gehört zur 24. Infanterie-Division in Augsburg und hatte auf dem Weg nach Nürnberg erst eine Panne an ihrem Omnibus beheben lassen müssen – am Nachmittag ins Horn stießen und auf die Pauke hauten, war auf der Gaststätten-Terrasse nicht ein Stuhl mehr zu bekommen, standen die Neugierigen schon in dichten Reihen am Rand des Vorfeldes. Sie brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen, denn Herbert Lehnert vom Bayerischen Rundfunk – er thronte hoch über dem verehrten Publikum auf einer Gangway – kündigte in reinstem Fränkisch schon einen der Höhepunkte an: geführt von Gerd Maier startete die Burda-Staffel.

Die Piloten in den blau-weißen Sportmaschinen nahmen Banner auf, machten Jagd auf bunte Luftballons und vollführten mit roten Rauchschweifen einen tollen Zirkusreigen. Trotz des heftigen Windes zogen sie beim Verbandsflug ihre Bahnen wie am Schnürchen, nur zwei, drei Meter voneinander entfernt.

Herbert Lehnert hatte eben Flughafendirektor und Sportflieger Helmut Müller-Gutermann über die Entwicklung des Flughafens ausgefragt und eine Stewardess interviewt, da zog allmählich vom Westen her drohend die Gewitterfront auf. Gerd Pawolka setze sich zwar ein zweites Mal ins Cockpit seiner Maschine, aber er mußte wegen der Böen sein Kürprogramm verkürzen.

Menschen und Maschinen beim Internationalen Rundflugtag: während sich die Daheimgebliebenen auf der Gaststätten-Terrasse zusammendrängen und die Vorführungen beobachten (links), gehen die anderen "in die Luft" nach Berlin. © Kammler


Als schließlich "Pilot" Hamberger seine Geräusch-Imitation zu besten gab und am Mikrophon gerade die Boeing 727 der PANAM nach Berlin starten ließ, fielen die ersten dicken Tropfen. Binnen weniger Sekunden waren Zuschauerplatz und Terrasse leergefegt. In halbleere Biergläser und Kaffeetassen platschte der unerwünschte Segen von oben. Herbert Lehnert, der vorher noch die beruhigende Vorhersage der Meteorologen verbreitet hatte, das Gewitter werde vorbeiziehen, hatte leider nicht recht behalten.

Den Berlinreisenden ging es dagegen besser. An der Spree begann es erst gegen 17 Uhr zu regnen, zu einer Zeit, als der Abflug gerade bevorstand. Sie hatten – geführt vom Verkehrsamt – alle markanten Punkte der Stadt angesteuert: die Mauer, das Brandenburger Tor und das Schloß Bellevue, um einige Beispiele zu nennen. Besonders angetan aber waren die Gäste vom Reiseleiter, der ihnen mit Berliner Witz die Bauwerke und Denkmäler erläuterte. "Berlin ist nicht nur eine Reise, sondern immer eine Reise wert", lautete der einstimmige Tenor der Franken. 

K.E.

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