Donnerstag, 15.11.2018

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50-Millionen-Bau: Das ist Nürnbergs modernste Schule

Helle Atmosphäre trotz grauem Beton - Technik auf dem neuesten Stand - 03.12.2017 05:56 Uhr

Das Schulzentrum ist so gebaut, dass die Sporthalle den Lärm von der Rothenburger Straße abschirmt – in den Unterrichtsräumen ist es somit schön ruhig. Der Eingang befindet sich seitlich zur Herbststraße hin. © Fotos: Edgar Pfrogner


Seit September wird das Schulgebäude bereits genutzt, doch gestern fand die feierliche Einweihung des H-förmigen Gebäudes in der Aula statt - oder sollte es doch besser "auf dem Marktplatz" heißen? Denn so stellt sich der verantwortliche Architekt, Arno Lederer, die ideale Schule vor: Wie eine kleine Stadt. Mit der Aula als Marktplatz mit Theater (der Bühne) und einem Rathaus (das Lehrerzimmer im ersten Stock). "Es ist ganz banal: Wenn die Kinder sich abends freuen, dass sie morgen wieder in so ein schönes Gebäude dürfen, dann haben wir etwas richtig gemacht", sagte der Architekt des Stuttgarter Büros Lederer + Ragnarsdóttir + Oei. Die Schule sei nicht nur ein Ort des Lernens, sondern auch ein Zentrum der Gemeinschaft.

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Für eine luftige Atmosphäre trotz der recht niedrigen Deckenhöhe des Gebäudes sorgen langgezogene ovale Lichtschächte, die außerdem spannende Perspektiven eröffnen. Die überwiegend nackten grauen Betonwände sind für manchen vielleicht gewöhnungsbedürftig, der Architekt wollte damit jedoch die Robustheit des Baus betonen. Einen ganz praktischen Grund gibt es außerdem: Jede Wand, die man streicht, muss regelmäßig nachgestrichen werden. Bei einer so großen Schule wäre das ein erheblicher finanzieller Aufwand. Einzelne Farbkleckse gibt es indes schon: In der Bibliothek etwa liegt ein grüner Teppich, vor den Fenstern hängen dort leuchtend gelbe Gardinen.

Auf dem neuesten Stand der Technik

Die Unterrichtsräume sind technisch auf dem neuesten Stand: Ein interaktiver Beamer, mit dem man virtuell an die Tafel (ein sogenanntes Whiteboard) schreiben kann, ist Standard. Es gibt außerdem Laptops für Gruppenarbeiten. Manche Räume (z. B. für die Fächer Biologie und Chemie) werden von Realschule und FOS genutzt. Auch die Aula ist ein Gemeinschaftsbereich. Ansonsten jedoch haben die Schulen getrennte Unterrichtsräume und Pausenbereiche. Als Schulgemeinschaft sähen sie sich dennoch, betonten beide Schülersprecher.

Die Stadt Nürnberg realisierte das Vorhaben gemeinsam mit der Baufirma Georg Reisch & Co. KG aus Bad Saulgau in einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP). Es war nicht das erste gemeinsame Projekt, das das Bauunternehmen und das Architekturbüro bestritten haben: Für den Bau des Ravensburger Kunstmuseums wurden sie mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2013 ausgezeichnet. Auf dieses Thema legt auch die Stadt Nürnberg großen Wert. Das Schulzentrum ist ein Passivhaus und zudem so gebaut, dass es lange genutzt werden kann.

Ein echtes Leuchtturmprojekt

Am Beginn einer Partnerschaft zwischen Kommune und privatem Bauunternehmen stehen langwierige Vorbereitungen: "Eine ÖPP ist nur so gut wie der Vertrag, deshalb muss der sehr ausführlich und gut durchdacht sein", so Schulbürgermeister Klemens Gsell. Die Zusammenarbeit habe aber sehr gut geklappt. Dass es sich bei ihrem Partner um keinen großen Konzern, sondern ein mittelständisches Familienunternehmen handelt, bereitete Gsell dabei keinerlei Kopfzerbrechen: "Wir haben natürlich vorher geprüft, ob die Leistungsfähigkeit gegeben ist."

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Mit seiner Idee, Real- und Fachoberschule unter einem Dach zu vereinen, will Gsell den Schülern den Übergang erleichtern. Viele Realschüler finden über die FOS noch den Weg an die Fachhochschule oder Universität. "Als wir die Schule vor zehn Jahren anfingen zu planen, war noch nicht klar, ob die FOS sich verfestigt", sagt Gsell im Rückblick. Doch so wie es jetzt aussieht, werde er wohl in diesem Bereich noch erheblich nachrüsten müssen. Und nicht nur dort: Auch Gymnasien sind in Nürnberg Mangelware.

Bis 2026 will die Stadt Nürnberg noch eine Milliarde Euro in die Schulen investieren, versprach Oberbürgermeister Ulrich Maly. Denn das Schulzentrum an der Rothenburger Straße ist ein echtes Leuchtturmprojekt: In vielen anderen Nürnberger Schulen herrscht drangvolle Enge, vom Stand der Technik ganz abgesehen.

 

Stephanie Siebert

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