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Aggressive Bettler werden systematisch aus Nürnberg vertrieben

Zahl der Strafanzeigen gegen Besucher aus Osteuropa hat sich versiebenfacht - 14.05.2014 16:35 Uhr

Das „stille Betteln“ ist in zahlreichen Städten geduldet. Bettlerbanden, die Einkäufern nachstellen, rufen dagegen die Polizei auf den Plan.

Das „stille Betteln“ ist in zahlreichen Städten geduldet. Bettlerbanden, die Einkäufern nachstellen, rufen dagegen die Polizei auf den Plan. © colourbox.de


Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2011 und 2012 notierte die Polizei 33 bzw. 37 Anzeigen gegen osteuropäische Bettler. 2013 waren es plötzlich siebenmal so viele, nämlich 262 Anzeigen. Die Gründe dafür sind vielfältig, sagt Polizeisprecherin Elke Schönwald.

Zum einen kommen „definitiv mehr Bettler“ in die Stadt – eine Erfahrung, von der auch die Nachbarkommunen Erlangen und Schwabach berichten. Nach massiven Beschwerden von Passanten und Geschäftsleuten nimmt die Polizei die Bettler zum zweiten inzwischen stärker unter Beobachtung und Kontrolle. Schließlich hat sich die Sanktionen-Strategie geändert. Früher wurden Bettler von den Streifenbeamten zunächst belehrt und erst beim zweiten Aufeinandertreffen angezeigt. Seit Mitte 2013 ist dies – nach Abstimmungsgesprächen zwischen Stadt und Polizei – anders: Jetzt werden aggressive Bettler sofort mit einer Anzeige und einem Platzverbot belegt.

Möglich macht dies ein juristischer Trick. Die Stadt Nürnberg hat Betteln als Sondernutzung des öffentlichen Raums eingestuft und diese Nutzung per Städtischer Satzung untersagt. Für Verstöße wird ein Bußgeld zwischen 50 und 1000 Euro angedroht.

Im Fokus hat die Polizei hier vor allem aggressive Bettler, die Vorübergehenden nachlaufen, sie ansprechen und nachdrücklich Geld fordern, die zum Teil sogar an der Kleidung von Passanten zupfen, sagt Polizeisprecherin Schönwald. Denn die Opfer solcher Bettelei fühlen sich in der Regel bedrängt – und werden mitunter sogar beschimpft, wenn sie eine milde Gabe verweigern.

Sogenannte Demutsbettler, die still und passiv in der Fußgängerzone sitzen, will die Polizei hingegen nicht vertreiben. Im Gegenteil: Wenn sich jemand in einer Notlage befindet, geben die Streifenbeamten Informationen und weisen auf Hilfen für die Betreffenden hin, sagt Elke Schönwald.

Polizei beobachtet Betteltourismus

Allerdings beobachtet die Polizei inzwischen einen regelrechten Betteltourismus. Gerade osteuropäische Bettler kämen mit Fahrzeugen nach Nürnberg, blieben einige Tage in der Stadt, um dann zum nächsten Ort zu fahren, heißt es. Zeugen beobachteten teilweise Geldübergaben, bei Kontrollen hätten die Bettler dann sehr wenig Geld bei sich. Die Polizei zieht daraus den Schluss, dass es sich hier um Bettler-Organisationen handelt, die gezielt Menschen anwerben und dann einen Großteil von deren „Tageseinnahmen“ abschöpfen.

Bei den osteuropäischen Gruppen handele es sich überwiegend um Slowaken und Rumänen, berichtete kürzlich der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf Nürnberger Polizeikreise. Ein Gutteil der slowakischen Menschen stamme aus Rimavska Sobota, einem Ort mit rund 24.000 Einwohnern in der Mitte des Landes. Die rumänischen Bettler kämen überwiegend aus dem kleinen Karpaten-Tal Argis.

Wie es weiter geht? Bis Ende April 2014 stellte die Nürnberger Polizei 81 Anzeigen gegen europäische Bettler aus. Wenn eine Hochrechnung auf das Jahr zulässig ist, dann würde dies einen leichten Rückgang gegenüber 2013 bedeuten. In dieselbe Richtung weist der gleichzeitige Rückgang der amtlich erfassten Belehrungen. Doch ob dieser Trend zu einer Entwicklung wird, dürfte sich frühestens im Herbst dieses Jahres erweisen. 

Tilmann Grewe (Nürnberger Zeitung)

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