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Attacke gegen Club-Fans: Polizistin muss 8400 Euro zahlen

Einsatz von Pfefferspray gegen Fußballanhänger war völlig überzogen - 18.10.2013 06:57 Uhr

Weil sie viel zu hart vorging, als sie einem Fan des 1. FC Nürnberg Pfefferspray ins Gesicht sprühte, muss eine 32-jährige Polizeibeamtin 8400 Euro Geldstrafe zahlen.

Weil sie viel zu hart vorging, als sie einem Fan des 1. FC Nürnberg Pfefferspray ins Gesicht sprühte, muss eine 32-jährige Polizeibeamtin 8400 Euro Geldstrafe zahlen. © Michael Matejka


Das Schöffengericht unter der Leitung von Amtsrichterin Helga Kastner ist überzeugt, dass die Polizistin am 21. April 2012 ihre Macht missbraucht hat — und verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu 70 Euro.

Weil der Gesetzgeber will, dass Menschen mit unterschiedlichem Einkommen gleichermaßen hart bestraft werden, wird bei verhängten Geldstrafen das durchschnittliche Einkommen pro Tag ermittelt — die verhängten 120 Tagessätze sind also umgerechnet als vier Monatsgehälter zu verstehen.

Die Beamtin der Schutzpolizei stand an jenem Nachmittag, vorangegangen war ein Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen den Hamburger SV, in einer Polizeikette.

Am Max-Morlock-Platz war die Stimmung äußerst aufgeheizt: Als ein Fan des Hamburger SV bei den Polizisten eine angebliche Attacke durch einen Club-Fan behauptete, hielten es weitere Club-Fans für angebracht, üble Beleidigungen zu rufen. Die Sicherheitslage spitzte sich zu, die Polizisten bildeten eine Kette. Als die Stimmung immer aufgeheizter wurde, stellte sich ein Fan-Beauftragter des 1. FCN zwischen Fans und Polizei. Nach eigenen Angaben wollte er auf diese Weise für Ruhe sorgen.

In den Innendienst versetzt

Auch der Fürther Strafverteidiger Jahn-Rüdiger Albert, er engagiert sich als Fan-Anwalt für die rot-schwarze Hilfe, hatte das Fußballspiel gesehen und war an jenem Nachmittag vor Ort. Auch er wollte deeskalierend eingreifen und schritt vor der Polizeikette auf und ab. Doch die Polizistin fühlte sich, so beteuert sie vor dem Amtsgericht, in der äußerst aggressiven Situation von Albert bedroht. Als er knapp einen Meter von ihr entfernt stand, verpasste sie ihm eine Ladung Pfefferspray.

Anwalt Albert schildert brennende Augen, doch bereits am Abend habe der Schmerz nachgelassen. Vor Gericht bedauerte die Beamtin die Folgen der Tat. Sie wurde mittlerweile vorläufig in den Innendienst versetzt.

Der Prozess gegen ihre beiden Kollegen wird fortgesetzt: In ihren Fällen wiegen die Vorwürfe schwerer. Sie sollen Fans, die bereits am Boden lagen, mit unverhältnismäßiger Gewalt mit Schlagstöcken traktiert haben. 

ULRIKE LÖW (Nürnberger Nachrichten)

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