Dienstag, 13.11.2018

|

Auf den Spuren der Ludwigsbahn

Deutschlands erster Bahnhof stand am Plärrer - Plädoyer für ein Denkmal - 02.01.2010

Die Panoramaaufnahme aus dem Jahr 1905 zeigt den Plärrer mit (von links nach rechts) der Gostenhofer Hauptstraße, der Rothenburger Straße, dem 1871 errichteten Bahnhof der Ludwigseisenbahn (mit Vordächern) und dem Adler-Denkmal davor. Im Hintergrund das Gaswerk, nach rechts der Beginn der Fürther Straße. © Stadtarchiv Nürnberg


Mancherorts wird heute gerätselt: Wo stand er eigentlich genau, der erste Bahnhof der Ludwigsbahn um 1835 und damit der erste deutsche Bahnhof überhaupt? Zwar existieren Zeichnungen der Grundrisse und Ansichten der Remisen, also der beiden Gleishallen, sowie des Verwaltungsgebäudes. Will man aber den exakten Standort bestimmen, muss man Stadtpläne aus verschiedenen Zeiten vergleichen.

Straßenführung seit 1952 unverändert

Aus dem Stadtplan von 1913 wird die Lage ersichtlich, doch erst wenn man den Stadtplan von 1952 darüber legt, kann man genau bestimmen, wo er einst stand. Denn im 1952er Plan ist die Straßenführung am Plärrer bereits so angelegt, wie sie noch heute existiert. Wir ersehen aus diesem Vergleich: der erste Adler-Bahnhof war genau auf der Fürther Straße gebaut, auf Höhe des Plärrer-Hochhauses und des Verwaltungsgebäudes der VAG beziehungsweise der N-Ergie.

Auf der heutigen Fürther Straße lag einst das Gleis der Ludwigsbahn, die nördliche Fürther Straße war damals die «Chaussee» nach Fürth. Etwa auf Höhe der heutigen Datev - der früheren «Schuco-Fabrik» - liefen die Chaussee und das Adlergleis zusammen, beide führten dann nahezu parallel nach Fürth.

Zwei Remisen und vier Drehscheiben

Auf dem ersten Plan von 1836 (Beyer) erkennt man folgende Gebäudeteile: zwei Remisen - heute würde man von Gleis- oder Bahnhofshallen sprechen - in denen jeweils zwei Gleise lagen, dazwischen ein Verlängerungsgleis. Dazu vier Drehscheiben, um die Lokomotiven und Wagen zu drehen und zu verschieben. Die nördliche Remise war die Abfahrts- und Ankunftshalle des «Adlers».

Zwischen den Remisen lag das Verwaltungsgebäude mit Räumen für Büro (wahrscheinlich mit der Kasse), Küche, ein Raum für Knechte sowie zwei Räume für «Fremde», also für Reisende. Diese konnten hier auf die Abfahrt des Zuges warten.

Drei Fahrten mit Dampf

Dazu gab es auf dem Gelände noch einen Pferdestall mit sechs Boxen sowie zwei Magazinräumen. Wir wissen, dass der Adlerzug anfangs nur dreimal täglich mit Dampflokomotive fuhr (um 13, 14 und 15 Uhr), ansonsten fuhr die Pferdebahn täglich neunmal.

In der Nähe der Ausfahrgleise stand ein Wasserbehälter, der so angelegt war, dass die Lokomotive mit Tender Wasser fassen konnte. Dies war der Vorgänger der späteren Wasserkräne, wie sie in allen Bahnhöfen vielfach zu finden waren. Nach Osten, zur Stadt hin, war ein Hof angelegt, auf dem ein kleines Monument stand, das an die erste Fahrt des Adlers erinnerte - leider ist dies heute verschollen.

«Bahnhof» erst ab 1850 gebräuchlich

Das gesamte Gelände war umzäumt, nur von der Hofseite her gab es einen Zugang für Reisende. Die Bezeichnung «Bahnhof» gab es damals übrigens noch nicht, sie entwickelte sich aus diesem «Hof», der an oder bei der Bahn lag und wurde erst um 1850 gebräuchlich.

1871 wurde ein neuer Bahnhof für die Ludwigsbahn gebaut - die Original-«Adler» war längst ausrangiert. Er lag östlich des ersten Verwaltungsgebäudes, also näher zum Plärrer hin. Mittlerweile gab es auch ein Doppelgleis, der Bahnverkehr hatte stark zugenommen - obwohl es zu dieser Zeit bereits den Nürnberger und Fürther Hauptbahnhof und die Staatsbahnverbindung gab. Die Straßenbahn, die ab 1878 neben der Ludwigsbahn (!) auf der Fürther Straße fuhr, wurde dann zur ernsthaften Konkurrenz - so dass sie 1921 schließlich ihren Betrieb endgültig einstellte.

Keine Zeichen mehr für den ehemaligen Bahnhof

Wo stand nun dieser zweite Adler-Bahnhof von 1871 genau? Dabei hilft wieder der Vergleich der Stadtpläne sowie einiger Fotos, die im Stadtarchiv Nürnberg vorhanden sind und kürzlich auch im Fotoarchiv des DB Museums entdeckt wurden.

1931/32 war bereits der als «Plärrer-Automat» bekannte Kiosk gebaut worden. Nur etwa 30 Meter westlich davon, stand der zweite Ludwigsbahnhof.

Legt man die Stadtpläne von 1913 und 1952 aufeinander, erkennt man, dass der Bahnhof genau auf der heutigen Kreuzung zwischen Fürther Straße und Rothenburger Straße stand. Die Fotos von 1950 zeigen den Bahnhof kurz vor seinem Abriss, der 1951 erfolgte, im Zuge der Neuplanung der Verkehrswege am Plärrer.

Heute erinnert nichts mehr an diesen Standort, der erste deutsche Bahnhof, der Bahnhof der Ludwigsbahn, ist vollkommen in Vergessenheit geraten. Wie wäre es, im Eisenbahnjahr, mit einem Zeichen der Erinnerung? Indem man zum Beispiel auf dem Plärrer einen Gedenkstein errichtet, wie er einst im Hof des ersten Ludwigs-bahnhofs gestanden hatte. Oder noch eindrucksvoller: Man baut die erste Remise des Adlerzuges dort auf und erinnert mit Bildern und Fotos dauerhaft an dieses für Nürnberg (und Fürth) so bedeutende, stadtgeschichtliche Ereignis: die Fahrt der ersten deutschen Eisenbahn. 

Jürgen Franzke

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Nürnberg