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Autor André Huter erhält den Ehrenwert-Preis

21-Jähriger betreut Kinder und Jugendliche - 17.09.2013 12:00 Uhr

Damit fing alles an: André Huter in seiner Awo-Schreibwerkstatt. © Michael Matejka


Kann das sein? Kann einer, der so einfühlsam erzählt und der vorliest, als sei er Schauspieler, vor kurzem noch sprachlos gewesen sein? Fast stumm? Wenn André Huter über seine Kindheit erzählt - also über die Zeit, als ihm die Worte fehlten und er sich durch die Förderschule kämpfte -, hört sich das so weit weg an. So lange her.

Dabei ist Huter gerade einmal 21 Jahre alt. Ein junger Mann, der bei der Suche nach seiner Position im Leben, also nach seiner ganz speziellen Aufgabe, urplötzlich fündig geworden ist. Zufällig und äußerst überraschend. „Irgendetwas mit Literatur“ sollte es sein, damals, als er - nach Qualifizierendem Hauptschulabschluss, abgebrochener Lehre als technischer Zeichner und freiwilligem sozialen Jahr in einem Krankenhaus - nicht wusste, wie es mit ihm weitergehen sollte. „Es war eine schwierige Suche nach dem richtigen Beruf und nach einer Berufung“, erinnert er sich.

Kurz vorher hatte er, der als in sich gekehrtes Kind ohnehin viel gelesen hatte, zu schreiben begonnen. Damit verarbeitete er den Tod seiner Oma, die sich nach der Trennung seiner Eltern hauptsächlich um ihn gekümmert hatte. Beim Schreiben, so stellte er fest, flossen die Worte nur so aus ihm heraus. Seine Fantasie trug ihn in eine andere Welt. Eine Welt, in der er selbst Geschichten erschuf.

So spannende Geschichten, dass er sie mit anderen teilen wollte. Im „Papierfresserchen MTM-Verlag“ fand er einen Partner, der Anfängern eine Chance gibt. Aus André Huter wurde ein Kinder- und Jugendbuchautor. „Es geht mir dabei nicht ums Geld“, sagt er. „Ich wollte einfach nur meine Geschichten veröffentlicht haben, damit sie da sind.“

„Ich bin sehr kindlich im Umgang“

Parallel dazu begann er beim Kreisverband Nürnberg der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die kreative Schreibwerkstatt für Jugendliche zu leiten. Das klappte von Beginn an. Huter kommt mit den Zwölf- bis 18-Jährigen prima klar. „Ich bin sehr kindlich im Umgang“, beschreibt er sich selbst. „Und zusammen mit den Kindern kommen mir die besten Ideen für Geschichten.“

Um „eine Basis zu haben“, absolvierte er eine Jugendleiterausbildung. Und suchte sich weitere Ehrenämter. „Ich habe bei der Awo in verschiedene Projekte reingeschnuppert, um zu begreifen, was alles hinter der ehrenamtlichen Betätigung steckt.“ Seine Erkenntnis: Am liebsten kümmert er sich um Kinder, die älter als acht Jahre sind. „Mit ihnen kann ich toll über Bücher reden. Da kommt auch was zurück. Das brauche ich.“

Mittlerweile übernimmt der 21-Jährige bei Jugendfreizeiten, Ferienangeboten und Workshops Verantwortung. Er hat einen Schreib-Crashkurs konzipiert und er organisiert einen Schreibwettbewerb für alle Nürnberger Mittel- und Realschulen. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisjugendwerks der Awo Nürnberg. Und er ist Vorsitzender des Jugendwerks der Awo Fürth-Land. Gerade das empfindet er als ganz besondere Aufgabe. „Dieses Jugendwerk baue ich auf.

Das heißt, ich kann festlegen, was gemacht wird. Das ist toll.“ Etwa 15 Stunden pro Woche investiert André Huter in seine Ehrenämter. „Das liegt auch daran, dass ich so schlecht Nein sagen kann“, gibt er zu. Das Geld, das er zum Leben braucht, verdient er als pädagogische Ergänzungskraft bei der Mittagsbetreuung einer Schule in Zirndorf. Und auch in Zukunft will er ganz auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen setzen.

"Ich kann mir vorstellen, das ein Leben lang zu machen"

Gerade hat er angefangen, per Abendschule die mittlere Reife nachholen, um danach eine Erzieherausbildung anzugehen. „Zusammen mit den Kindern fühle ich mich selbst wieder wie ein Kind“, sagt er. „Ich fühle mich unheimlich wohl damit. Ich kann mir vorstellen, das ein Leben lang zu machen.“

Die nächsten Buchveröffentlichungen stehen ebenfalls an. „Die Rülpsbanditen“ entstand zusammen mit Paula und Lisa, zwei neunjährigen Teilnehmerinnen der Schreibwerkstatt. Außerdem plant André Huter ein Hörbuchprojekt. Den Mut dazu hat er, weil ihm so viele Menschen sagen, dass er so gut vorlesen kann. Ein wunderbares Lob für einen, dem vor nicht allzu langer Zeit noch die Worte fehlten.

Mehr Infos unter: www.andrehuter.de

  

Gudrun Bayer

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