18°

Samstag, 18.08.2018

|

Da gaben sich Künstler die Klinke in die Hand

25 Jahre Südstadtladen in Steinbühl - Mit Bürgergesprächen viel im Stadtteil bewegt - Umzug in den «Südpunkt» Ende 2008 geplant - 19.09.2007

Mit attraktiven Kulturveranstaltungen lockte der Südstadtladen die Stadtteilbewohner in den 80er Jahren in Scharen an. © oh


Die U-Bahn sei schuld, dass die Leute an der Südstadt vorbeirauschen, so klagten die Einzelhändler Anfang der 80er Jahre. Es müsse dringend etwas zur Belebung des Stadtteils getan werden. Die Stadt handelte und beschloss ein Kulturpaket. In der Gustav-Adolf-Kirche fanden die ersten Südstadtgespräche statt, ein Orga-Kreis Südstadt wurde gebildet, das Südstadtfest und der Südstadtladen aus der Taufe gehoben - damals noch unter der Leitung von Ilona Porsch (heute im Seniorenamt) und Monika Engel (inzwischen im Ruhestand).

Senioren- und Frauenarbeit wurde von Anfang an groß geschrieben. In der Seniorengruppe entstanden drei überaus informative Hefte über den Stadtteil Steinbühl, die heute noch im Südstadtladen erhältlich sind. Bis heute existiert ein sehr aktiver Internationaler Frauengesprächskreis. Auch Mieterberatung und Eltern-Kind-Gruppen gibt es schon seit 25 Jahren.

Auf dem Abstellgleis?

Viel im Stadtteil bewegt haben auch die Bürger- bzw. Südstadtgespräche. Mit der Frage «Hinterm Bahnhof - Abstellgleis?» wurde schon 1993 auf die Neugestaltung des Nelson-Mandela-Platzes gedrängt. Der aktuell so umstrittene Frauenbadetag wurde erst vor wenigen Monaten im Südstadtladen diskutiert und mit auf den Weg gebracht.

Heute konzentriert sich das Team um den Leiter Gottfried Rimmele (58) und die zweite Hauptamtliche Maria Wilhelm (51), beide seit 1988 dabei, auf zwei Schwerpunkte: Kurse für Migranten und Projektarbeit wie jünst die «Haltestelle Kunst», den Steinbühler Trödelmarkt, den Kinderzirkus Gekko oder bis 2005 das Südstadtfest, das seit zwei Jahren vom Bleiweiß-Kulturtreff organisiert wird.

Mit Stolz erinnert sich Rimmele, selbst passionierter Musiker, an die vielen Politiker und Künstler, die einst im Südstadtladen zu Gast waren. «Bei uns ist die halbe deutsche und die ganze Nürnberger Kleinkunstszene durchgegangen.» Doch der Lärm störte irgendwann die Nachbarn, das Geld und die Räumlichkeiten in der Steinheilstraße 7 reichten nicht mehr aus für attraktive Kulturveranstaltungen. «Wir sind hier ständig am Rumräumen und Improvisieren», beschreibt Maria Wilhelm die Situation. Das wird sich ändern: Ende 2008 ziehen der Südstadtladen und der Bleiweißtreff um in das neue, große und moderne Stadtteilzentrum «Südpunkt» an der Ecke Pillenreuther-/Sperberstraße. Auch das Bildungszentrum und die Stadtteilbibliothek kommen dort unter. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Kulturarbeit in der Südstadt.

Rimmele und Wilhelm hoffen, dass der «Kuschelfaktor» des sehr persönlich und hautnah im Stadtteil verankerten Südstadtladens nicht ganz verlorengeht. «Wir müssen uns im neuen Quartier erst wieder eine Identität erarbeiten», nehmen sich beide vor.

Zur Jubiläumsfeier des Südstadtladens am Freitag, 21. September, ab 19 Uhr in der Steinheilstraße7 hält Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer eine kabarettistische Laudatio. Für Unterhaltung sorgen auch die Improtheatergruppe «Rollenrausch» und die Musiker Jasmin Dazert & Friends. 

Christine Anneser

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Nürnberg