Sonntag, 18.11.2018

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Der etwas andere Autor - Auf einen Espresso mit Dominik Forster

Raus aus dem Drogensumpf: Nürnberger schrieb Buch — Bewerbung für TV-Show - 20.11.2013

Auf die schiefe Bahn geraten, jetzt aber auf dem richtigen Weg: Dominik Forster beginnt nach Drogensucht und Haft einen neuen Lebensabschnitt. © Matejka


Herr Forster, Sie sind gut behütet aufgewachsen, aber auf die schiefe Bahn geraten. Sie bekamen eine Haftstrafe von über zwei Jahren. Was haben Sie angestellt?

Dominik Forster: Ich wurde verurteilt wegen eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Ich hatte eineinhalb Kilo Amphetamine und habe damit gehandelt. Und so behütet war meine Kindheit nicht. Meine Eltern waren zwar immer sehr liebevoll zu mir und meinem Bruder, aber meine Mutter leidet an einer Nervenerkrankung und mein Vater hat auch seine Probleme. Da gab es viel Krach. Mit 17 habe ich dann angefangen zu kiffen. An den Wochenenden habe ich Speed oder Ecstasy genommen.

In Ihrem Bewerbungsvideo für die „Millionärswahl“ bei Pro Sieben beschreiben Sie die Haft als eine schlimme Zeit. Was ging Ihnen Tag für Tag durch den Kopf, als Sie in der Zelle saßen?

Forster: Ich habe mir jeden Tag die Frage gestellt, was ich hier eigentlich mache. Jahre zuvor habe ich mit meinem Papa noch in Jugendhäusern gearbeitet und war so etwas wie ein Vorbild für die Jugendlichen. Und drei Jahre später sitze ich im Gefängnis. Ich habe geklaut, Drogen verkauft, war in Schlägereien verwickelt und bin so geworden, wie ich nie sein wollte. Als Kind hätte ich vor solchen Leuten Angst gehabt. Ich hab gewusst: Die Freundin ist weg, die Freunde sind weg, ich habe kein Geld und schwere Depressionen wegen dem Entzug. Ich hatte Gedanken, die meinen Kopf fast zum Explodieren gebracht haben.

Sie sprechen in Ihrem Video von Angst, Gewalt und Vergewaltigung. Haben Sie während Ihrer Haftstrafe selber Gewalt erfahren?

Forster: Ich war zwar in Schlägereien verwickelt, aber die psychische Gewalt war viel schlimmer. Ich hätte gerne geweint, konnte aber nicht, weil ich durch den Drogenkonsum keinerlei Gefühle mehr zeigen konnte. Ich war wie eine leere Hülle.

Hat Sie die Haft verändert?

Forster: Ja. In der Therapie hatte ich zwar einen Rückfall, denn ich wurde überredet, Liquid Ecstasy zu nehmen. In einem abgefuckten Hochhaus habe ich alle getroffen, die aus der Therapie geflogen sind und mittlerweile wieder auf Drogen waren. Die Böden waren voller Erbrochenem, die Tapeten abgerissen. Wir waren sechs Leute, vier davon lagen am Boden und hatten weißen Schaum vorm Mund. Der Einzige, der noch bei Bewusstsein war, hat mit seinem Handy ein Video gemacht. Da habe ich gesehen, was mit mir passiert, wenn ich weiter Drogen nehme.

Hatten Sie den Tod vor Augen?

Forster: Ja. Ein anderer kam an diesem Tag auf die Intensivstation. Er wäre fast in meinen Armen gestorben. Da habe ich gecheckt, dass ich das wirklich sein lassen muss.

Das Erlebte haben Sie in einem Buch festgehalten und suchen momentan nach einem Verlag. Auch die Autorin von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, Christiane F., unterstützt Sie dabei. Sie sagen, jeder könne sich mit dem Inhalt identifizieren. Warum?

Forster: Nicht jeder kann sich damit identifizieren, aber alle, die Probleme mit sich selber oder der Familie haben. Es geht auch um Vorurteile und die Rolle des Außenseiters. Es ist sehr persönlich und auch hart dargestellt. Ich nehme kein Blatt vor den Mund. Ich möchte auf Missstände in der Haft und nach der Haft aufmerksam machen. Als Häftling hilft dir keiner. Du kommst aus dem Gefängnis und willst ein anderes Leben führen, aber triffst genau die Leute, die dich wieder in Versuchung bringen. Auch wenn du weißt, dass schwierige Monate auf dich zukommen, musst du Nein sagen. Das ist die richtige Entscheidung.

Wenn Sie die Show gewinnen, also zum Millionär gewählt werden, was würden Sie mit dem Geld machen?

Forster: Ich würde versuchen, den Traum meines Papas zu verwirklichen. Er wollte ein Jugendhaus der Technik aufbauen.

Was ist das?

Forster: Ein Jugendhaus mit angeschlossener Elektro-Kartbahn. Es soll von Jugendlichen selbst betrieben werden und ihnen helfen, nicht so zu enden wie ich. Wir haben schon OB Maly als Schirmherrn im Boot und auch der Stadtrat Michael Ziegler unterstützt die Idee.

Bereuen Sie etwas in Ihrem Leben?

Forster: (zögerlich) Ich bereue nichts. Ich musste viele Hürden überwinden, aber es war wichtig, dass ich jede einzelne genommen habe. Hätte ich das alles nicht erlebt, dann würde ich heute nicht hier sitzen. Wenn ich mein Leben noch einmal leben könnte, würde ich alles noch einmal genauso machen.

Sie beginnen eine Umschulung zum Möbelverkäufer. Was erhoffen Sie sich für die Zukunft?

Forster: Dass ich den Weg, den ich gerade gehe, weitergehen kann und mit meiner Freundin eines Tages eine Familie gründen kann. Vielleicht finde ich einen Verlag, kann Autor werden und mein Buch veröffentlichen oder das Jugendhaus eröffnen. Ich habe viele soziale Ideen, die ich gerne umsetzen will. 

Interview: LISA VOGEL

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