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Ein Trainer für Hunde genauso wie für Menschen

Norbert Reppert ist ausgebildeter Vierbeiner-Therapeut — Der 43-Jährige gibt auch wichtige Tipps an ängstliche Passanten weiter - 18.05.2015 20:32 Uhr

„Und los!“ Norbert Reppert feuert den jungen Cody vor dem Parcours an. © Stefan Hippel


Am ersten Hütchen „Sitz“, dann geht es weiter mit einem kleinen Kunststück. Schnell über die Hindernisse, zum Abschluss kurz „Platz“ und dann ab ins Ziel. Und das, bitte, so schnell wie möglich.

Im Gruppentraining der „Dogs Training“-Hundeschule wird auch den Herrchen und Frauchen Tempo abverlangt. Vier Hunde treten im Parcours mit ihren Besitzern an. Angefeuert werden sie von Trainer Norbert Reppert. Am schnellsten ist die kleine Mischlingshündin Nana. Als Belohnung gibt’s ein neues Spielzeug. Mit Freude beißt sie in das quietschende Gummitier und versteckt es im Gebüsch.

Kleine Schritte

Viel Zeit zum Spielen bleibt leider nicht. Als es mit einer Gehorsamkeitsübung weitergeht, muss Nana aus ihrem Spielzeugversteck hervorkommen. Reppert macht die Übung mit seiner Labrador-Hündin Lady vor: Er dirigiert sie in den Sitz und entfernt sich ein paar Schritte. Mit Handzeichen macht er ihr deutlich, dass sie liegen bleiben soll. Dann geht er langsam wieder auf sie zu und belohnt Lady mit einem Leckerli.

Nicht bei allen der vier anderen Hunde klappt das so reibungslos. Dem jungen und noch sehr verspielten Cody fällt es schwer, lange liegen zu bleiben. Er nutzt den Moment ohne Leine und springt freudig zu den anderen Hunden. „Jeder entfernt sich nur so weit, wie er es sich und seinem Hund zutraut“, sagt der Hundelehrer. „Auch wenn es nur ein halber Schritt ist.“

Bei der Gehorsamkeitsübung muss die siebenjährige Lady sitzen bleiben. © Stefan Hippel


Mit kleinen Schritten Großes erreichen, ist seine Devise. Aus diesem Grund hat sich der Hunde-Trainer und -Verhaltenstherapeut vor vier Jahren im Stadtteil Röthenbach bei Schweinau im Nebenberuf selbstständig gemacht. Jetzt gehört ihm eine von einem halben Dutzend Hundeschulen in Nürnberg.

Jeder Vierbeiner bekommt bei ihm die Aufmerksamkeit, die er braucht, so sagt er, egal ob im Einzel- oder Gruppentraining. Merkt der 43-Jährige, dass ein Hund nicht in eine Gruppe passt, wird gewechselt oder erst einmal einzeln trainiert. Keiner soll überfordert werden.

Auch für die dreijährige Nana gilt das Motto der kleinen Schritte. Noch am Anfang des Jahres war es für die Besitzerin unvorstellbar, dass ihr Hund einmal am Gruppentraining teilnehmen könnte. Nana hatte große Probleme mit ihren Artgenossen. Schon drei Hundeschulen hatte sie mit ihrem Frauchen besucht, bevor sie bei „Dogs Training“ den richtigen Ansprechpartner fanden.

Für Nana ging es erst einmal ins Einzeltraining. Am Anfang untersucht der Verhaltenstherapeut den Tagesablauf der Vierbeiner. Darf der Hund im Bett schlafen? Wie verhält er sich bei Besuch? Wie oft und wie lange wird mit ihm Gassi gegangen? Er möchte alles wissen. Dafür besucht er die Familien und ihre Vierbeiner ab und zu auch zu Hause. „Oft ist die Vermenschlichung des Vierbeiners das Problem“, sagt er. „Der Hund sollte nicht Mittelpunkt der Familie werden. Es gibt Zeiten, da muss er sich auch mal unterwerfen.“ Im Einzelcoaching wird also nicht nur der Hund, sondern auch Frauchen und Herrchen trainiert. Der Besitzer soll lernen, wie er sich durchsetzen und gleichzeitig das Vertrauen zu seinem Hund verstärken kann.

Für ein Leckerli macht der ein oder andere auch mal Freudensprünge. © Stefan Hippel


Reppert weiß, wie das Leben mit Hund abläuft. Schon von klein auf hatte er Hunde. Die Liebe zu den Vierbeinern begleitet ihn seit seiner frühen Kindheit. „Er ist ein super Trainer und vermittelt alles mit Ruhe und Geduld“, lobt Nanas Besitzerin. Bevor sie mit Nana zu ihm kam, hat sie es immer vermieden, anderen Hunden zu begegnen. Gassi wurde nur noch spätabends gegangen. Am besten noch, wenn es geregnet hat und niemand unterwegs war.

Doch Reppert wollte das ändern. Möglichst vielen anderen Hunden begegnen, dies war das Ziel der gemeinsamen Spaziergänge. Nana und ihr Frauchen lernten dabei, wie sie sich beim Aufeinandertreffen mit anderen Hunden verhalten sollen. Nur vier Einzelstunden waren nötig, bis die schwarze Hündin das Training in der Gruppe antreten konnte.

Im Wald unterwegs

Gemeinsame Spaziergänge mit dem Trainer sind für Reppert wichtiger Bestandteil der Einzel- oder Gruppentrainings. Verkehrssicherheit in der Stadt muss genauso geübt werden wie die Begegnungen mit anderen Tieren und Menschen. Dafür geht’s ab und zu auch mal in den Wald oder Wildpark.

Doch auch Theorie lässt der Familienvater in seine Stunden einfließen. Medizinisches Wissen über Zahnpflege oder richtige Ernährung des Hundes hat er sich auf zahlreichen Lehrgängen angeeignet.

Als ausgebildeter und anerkannter Hunde-Verhaltenstherapeut weiß er die Körpersprache der Vierbeiner richtig zu deuten. Dieses Wissen nutzt der 43-Jährige auch dafür, den Menschen zu helfen. Kinder oder Erwachsene, die Angst vor Hunden haben, können zu ihm kommen. Mit seiner lieben und ruhigen Hündin Lady versucht er, den Leuten die Angst zu nehmen.

Die Arbeit als Hundetrainer ist für Reppert mehr Berufung als Beruf. Der Job mit den Vierbeinern spielt sich vor allem am Wochenende oder nach Feierabend ab. Hauptberuflich ist er nämlich Chef einer PersonalDienstleistungsfirma. Und doch hat er sich professionell zum Hundetrainer ausbilden lassen. Die Arbeit mit Tier und Mensch ist sein Hobby und ein Ausgleich zum oft stressigen Büroalltag.

„Es ist toll, dass einem die Leute so viel Vertrauen entgegenbringen“, sagt er. Das Nonplusultra sei es für ihn, den Fortschritt der Hunde zu sehen. Ob Welpe oder ausgewachsener Hund, ob Chihuahua oder Deutsche Dogge, ob Familien- oder vermeintlicher Kampfhund: Norbert Reppert möchte allen helfen.


http://www.dogs-training.eu 

LEA KESTEL

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