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Eiskrem-Aus hat Auswirkungen auf Nürnbergs Norden

Nur noch wenige Hundert Jobs bei Nachfolgefirmen von Schöller übrig geblieben - 19.11.2017 05:45 Uhr

Das ehemalige Schöller-Gelände wird vom Nordwestring geteilt und gehört heute zwei Unternehmen. Die Kühlhäuser im Norden besitzt Froneri-Schöller und die Produktionshallen im Süden DMK. © Foto: Oliver Acker/www.digitale-luftbilder.de


Die Schließung des Werkes trifft auch die Kühlhäuser, die zur Nachfolgegesellschaft von Schöller Eis gehören, und nördlich des Nordwestrings angesiedelt sind: Froneri-Schöller wird, weil die Kühlhäuser von DMK nicht mehr benötigt werden, 58 Stellen abbauen.

Dieser Arbeitsplatzabbau ist seit dem Frühjahr bekannt. Seit September wissen die Beschäftigten, dass noch einmal 155 Stellen bei Froneri-Schöller Ende des Jahres gestrichen werden. 77 davon in der Verwaltung in Nürnberg, 78 im Außendienst. Da es sich um etliche Teilzeitbeschäftigte handelt, werden wohl am Ende 200 Beschäftigte keinen Job mehr haben. Bei DMK fallen alle 250 Arbeitsplätze in Nürnberg Ende 2017 weg. Die Eisprodukte werden nicht mehr nur in Deutschland, sondern in ganz Europa hergestellt.

DMK bedient das Billigeissegment

Laut Matthias Casanova, Vorsitzender der Geschäftsführung von Froneri-Schöller, schreibt sein Betrieb seit 2014 rote Zahlen: "Für die Kühlhäuser haben wir keine Interessenten gefunden, deshalb werden sie geschlossen." Derzeit laufen die Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan. Casanova will auch raus aus dem Flächentarifvertrag, um wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Vorerst werden etwas über 400 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz in Nürnberg sicher haben.

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Schöller: Eine Nürnberger Firmengeschichte in Bildern

In einer kleinen Halle in Nürnberg begann Theo Schöller 1937 mit der Herstellung des ersten Stieleises in Serienproduktion. Mit nur vier Geschmacksvarianten ging sein junges Unternehmen damals an den Start. Doch schon bald prägte Schöller Nürnbergs Wirtschaft und Kulturlandschaft. Anlässlich des 100. Geburtstages des Unternehmers - Theo Schöller wurde am 18. Juni 1917 geboren und starb am 23. Juni 2004 - eine Zeitreise durch ein wichtiges Kapitel fränkischer Wirtschaftsgeschichte.


Vom Betriebsrat war zu hören, dass die Situation sehr schwierig ist. "Mit reduzierter Mannschaft soll 2018 das gleiche Ergebnis wie 2017 erzielt werden. Das ist ambitioniert." Insgesamt hat Froneri-Schöller an verschiedenen Standorten derzeit noch 1100 Beschäftigte. DMK und Froneri-Schöller gehören nach mehreren Eigentümerwechseln Teile des ehemaligen Schöller-Nestlé-Eisimperiums.

DMK bedient mit seiner Produktion in Nürnberg zuletzt das Billigeissegment. Froneri-Schöller ist eine eigene Gesellschaft, die dem Nestlé-Konzern und dem französischen Unternehmen R & R gehört. Zu R & R gehört auch Landliebe. Hinter den Franzosen steckt wiederum die Investorengruppe PAI. Von Froneri-Schöller werden in Nürnberg Marketing, Vertrieb und Außendienst der Gruppe gesteuert. Die Kühlhäuser bald nicht mehr.

Wie es mit den Grundstücken weitergeht, bleibt offen

Bei Schöller Eiskrem waren in den neunziger Jahren bis zu 10.000 Menschen beschäftigt. Für die Stadtentwicklung sind die beiden Areale interessant. DMK gehört das Gelände südlich des Nordwestrings, an der Bucher Straße. Es ist 12.700 Quadratmeter groß. "Als Stadt wollen wir dort weiter eine gewerbliche Nachnutzung und keine Wohnbaufläche haben", sagt Wirtschaftsreferent Michael Fraas.

Er begründet es damit, dass das Gelände nicht für den Wohnbau geeignet ist: "Wir wollen aber auch nicht den Abbau von Arbeitsplätzen durch die Umwidmung der Gewerbefläche in Wohnbauland vergolden."

Wie es mit dem Grundstück weitergeht, ist derzeit offen. "Die DMK/Rosen Eiskrem hat jüngst eine nicht-öffentliche Ausschreibung gestartet, um mögliche Kaufinteressenten für die Übernahme des Betriebsareals zu gewinnen", formulierte Oliver Bartelt, Pressesprecher der DMK Group in Bremen, auf Anfrage der Nürnberger Zeitung. Eine Einigung mit einem Käufer über den Erwerb des Grundstücks an der Bucher Straße werde für das erste Quartal 2018 erwartet. Auf dem DMK-Gelände hat Froneri-Schöller noch bis 2020 Büroräume angemietet.

Das Gelände mit den nicht mehr benötigten Kühlhäusern an der Erlanger Straße, Ecke Nordwestring, ist üppige 51.000 Quadratmeter groß. Auch diese Fläche soll Gewerbegebiet bleiben, heißt es aus der Stadtverwaltung. "Wir haben noch keine konkreten Pläne für das Gelände", sagt Casanova. 

André Fischer

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