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Ensemble soll verschwinden

Protest gegen Abriss in der Schillingstraße bleibt wohl erfolglos: - 30.03.2015 20:52 Uhr

Viele Bürger finden sich nur schwer damit ab, dass an der Schillingstraße in der Südstadt Häuser aus den 20er Jahren abgerissen werden sollen. Dies scheint nun aber tatsächlich so zu kommen. © Foto: Eduard Weigert


„Nach vielen Wochen und Monaten des Bemühens müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass der Abriss des Ensembles Schillingstraße offensichtlich nicht zu verhindern ist“, so Hönekopp von der Initiative, der zahlreiche Träger angehören, darunter auch die Altstadtfreunde. Der Beschluss der wbg stehe fest, auf dem Gelände neu zu bauen, „und die wbg wird durch Stadtrat und Stadtverwaltung dabei unterstützt“.

Die Stadtbild Initiative Nürnberg bedauere diese Entwicklung sehr. Das Ensemble ist laut Hönekopp ein bedeutendes Denkmal der Nürnberger Vergangenheit. Die Siedlung sei von hoher architektonischer, historischer und städtebaulicher Bedeutung. Sie sei auch ein frühes Zeugnis für den Erfolg der wbg bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Und die Siedlung besitze trotz vernachlässigten Zustands hohen Wohnwert. Hönekopp gibt zu bedenken, dass das Ensemble Schillingstraße auch ohne Abriss und Neubau Entwicklungspotenzial hätte. Es biete zudem eine heute einzigartige Grün- und Nutzgartenanlage.

In vielen Gesprächen, mit der wbg, mit fast allen Stadtratsfraktionen und -gruppierungen, mit der Stadtverwaltung, und durch Pressetermine habe die Stadtbild Initiative mit ihren Argumenten für den Erhalt geworben, „leider alles ohne Erfolg“. Hönekopp kritisiert die inhaltliche Seite dieser Entscheidung. Es habe hierzu keine Beschlüsse im Stadtrat gegeben. „Die Absprachen sind ganz offensichtlich zwischen fast allen Stadtratsfraktionen außerhalb des offiziellen Entscheidungsweges gelaufen“, so Hönekopp. Nur einmal sei dem Stadtplanungsausschuss über den Europan-Wettbewerb berichtet worden.

Eine Auseinandersetzung mit den Planungen und mit den Möglichkeiten eines Erhalts des qualitativ hochwertigen und historisch wichtigen Bestands hat es Hönekopp zufolge nicht gegeben. Nach seiner Meinung hätte dieses Thema aber wegen seiner großen Bedeutung im Stadtrat behandelt werden müssen, „auch wenn formal wegen des Vorliegens eines alten Bebauungsplanes keine Beschlussfassung über einen Abriss und eine Neubebauung erforderlich war“. Elmar Hönekopp: „Spricht dies für Souveränität der Gewählten im Umgang mit dem Souverän und den vom Abbruch Betroffenen?“

Bei ihrem letzten Gespräch mit der wbg habe man angeregt, dass die wbg die Historie und die Architektur des Ensembles, einschließlich der Bemühungen um den Erhalt, qualifiziert dokumentiere und die Ergebnisse daraus an geeigneter Stelle zugänglich gemacht würden. „Dies wurde uns von der wbg zugesagt.“

Die NZ berichtete auch im September 2014 zum Thema „wbg setzt auf Mix aus Sanierung und Neubau“. wbg-Chef Ralf Schekira beschrieb damals das Dilemma, in dem sich das Unternehmen befinde: „Einerseits soll die wbg möglichst viele Wohnungen schaffen. Dazu muss sie aber, weil der Platz fehlt, oft Lücken schließen, die wiederum Bürger und Umweltschützer gerne als grüne Oasen behalten würden.“ In einer Stadt wie Nürnberg, wo die Fläche begrenzt ist, muss nach den Worten des wbg-Sprechers Dieter Barth nachverdichtet, abgerissen und neu gebaut werden. Es werde immer Menschen geben, die davon betroffen und von den Veränderungen wenig begeistert seien. 

Dieter Wegener

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