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Entgegen Gerüchten: Delfine aus EEP noch nie ausgewildert

NZ hat korrekt berichtet - heftige Angriffe durch Kommentare und Leserbriefe - 15.12.2016 17:07 Uhr

Cheftrainer Armin Fritz hat Noah und Kai auf dem Flug in ihre neue Heimat begleitet und blieb während der Eingewöhnung noch eine Zeitlang bei ihnen.


Unser Artikel über den Protest der Tierrechtler-Organisation PETA gegen Delfin-Umsiedlungen nach Lanzarote ist auf großes Interesse gestoßen. PETA-Sympathisanten und Tierschutzaktivisten aus dem ganzen Bundesgebiet haben mit Mails reagiert. Darin wurde der Beitrag zum Teil mit fast identischen Sätzen kritisiert. Derartige, offensichtlich gesteuerte, "Leserbriefe" druckt die NZ grundsätzlich nicht ab. Verschiedene Absender unterstellen der Autorin auch eine falsche Berichterstattung: Delfine aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP seien – anders, als in der NZ zu lesen war – "immer wieder" ausgewildert worden. Dies kann aber eindeutig widerlegt werden. 


Noah und Kai, die beiden Großen Tümmler aus dem Tiergarten, leben seit Ende November im Rancho Texas Park auf der Ferieninsel Lanzarote. Ebenso wie ihre Artgenossen Darwin und Diego aus dem Duisburger Zoo. Die vier Delfine, deren Haltung im Rahmen des EEP koordiniert wird, schwimmen und springen in den Freiluftbecken des Parks – unbeschwert von der Diskussion, die sich um sie dreht.

Für PETA war der Umzug der Tiere von Deutschland nach Spanien ein Transport "von einem Gefängnis ins nächste". Die Aktivisten treten für eine Umsiedlung in ein betreutes Meeresgehege an der Küste der griechischen Insel Lipsi ein. Der Haken an der Sache ist nur: Bisher existiert dort keine solche Schutzzone. Wer eine solche Einrichtung finanzieren soll, darauf geht PETA nicht ein.

"Das wäre sogar kontraproduktiv"

Der im Nürnberger Tiergarten tätige Meeresbiologe Lorenzo von Fersen, für den Verein Yaqu Pacha auch international zuständig für den Schutz von Säugetieren, die im Wasser leben, wendet gegen ein solches, sogenanntes Sanctuary ein: "Auch dort würden die Großen Tümmler irgendwo gegen eine Absperrung stoßen." Die Länge einer solchen Bucht entspreche bei weitem nicht den "bis zu 150 Kilometern im Ozean", die Tierrechtler stets für ein artgerechtes Leben von Delfinen einfordern.

Bliebe letztlich nur das Auswildern als Lösung. "Delfine aus dem EEP wurden noch nie ausgewildert", betont von Fersen. "Das wäre sogar kontraproduktiv." Die IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources), die Naturschutzorganisation, die als "Papst" unter den einschlägigen Gremien gelte, ist weltweit zuständig für die Richtlinien bei der Auswilderung von Tieren. Sie lehne darin diese Maßnahme bei Großen Tümmlern ab. "Da sollte man sich als Vertragsstaat auch dran halten", findet von Fersen.

Ähnlich wie in der Lagune des Nürnberger Tiergartens gibt es auch in der Delfinanlage des Rancho Texas Parks auf Lanzarote Flachwasserzonen. Dort schwimmen die Tiere nahe an die Betreuer heran. © Fotos: Rancho Texas Park


Für eine Auswilderung von Großen Tümmlern gibt es auch gar keinen Anlass. Sie gehören erstens nicht zu den bedrohten Arten. Zweitens stammen einige wenige EEP-Tümmler noch aus Wildfängen vor Florida oder Kuba – zum Beispiel der etwa 55 Jahre alte Moby im Tiergarten. "Diese Tiere haben im Mittelmeer nichts zu suchen", erklärt der Fachmann. Bei den anderen Delfinen im EEP handelt es sich fast ausschließlich um Nachkommen dieser früheren Wildfänge.

Dass eine Auswilderung gründlich danebengehen kann, hat beispielsweise der Fall des Schwertwals aus dem Film "Free Willy" gezeigt. Die Aktion kostete Millionen – am Ende war er tot. Auch Auswilderungen, die der jetzige Tierbefreiungsaktivist und einstige "Flipper"-Trainer Richard O’ Barry anregte, haben laut von Fersen nicht funktioniert, "weil die Tiere nicht in einem auswilderungsfähigen Zustand waren". Bisher gibt es seines Wissens keine einzige Auswilderung von Delfinen, deren Erfolg dokumentiert ist.

Kehren wir zu Noah, Kai und den zwei Delfinbullen aus dem Duisburger Zoo zurück. Sie haben sich offenbar in ihrer neuen Umgebung eingewöhnt. Armin Fritz, Cheftrainer in der Lagune des Tiergartens, hat sie mit einem Duisburger Kollegen nicht nur auf dem Flug nach Lanzarote begleitet, sondern sie dort über eine Woche lang weiter betreut. Jetzt kommt die "Junggesellengruppe" auch ohne ihn aus. 

Ute Wolf E-Mail

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