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Falsch behandelt? Zwitter verklagt die Uniklinik Erlangen

Michaela Raab wirft Ärzten vor, "körperliche Merkmale ignoriert" zu haben - 22.10.2015 19:07 Uhr

Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth demonstrierten am Donnerstagvormittag mehrere Menschen für die Rechte von Intersexuellen.

Vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth demonstrierten am Donnerstagvormittag mehrere Menschen für die Rechte von Intersexuellen. © Julia Vogl


Lange Jahre wusste Raab nichts von der genetischen Besonderheit. Aufgewachsen ist Raab als Mädchen – hatte aber neben weiblichen auch männliche Körpermerkmale. Den Ärzten wirft sie vor, dass sie die körperlichen Merkmale ignoriert haben.

Die von ihnen empfohlene Behandlung mit Östrogen und Gestagen und eine Operation (die vergrößerte Klitoris wurde verkleinert) habe dem Körper schwer geschadet und Raab in eine Depression gestürzt, so der Vorwurf. Heute ist Raab arbeitsunfähig. Vom Klinikum fordert Raab nun Schmerzensgeld in Höhe von 250.000 Euro und eine monatliche Rente von 1600 Euro.

Bei Michaela wurde keine Gebärmutter gefunden

Was war passiert? Raab kam im Jahr 1994 als Patientin ins Erlanger Uniklinikum. Dort sollte abgeklärt werden, warum sie mit 20 Jahren immer noch keine Periode bekommen und sich keine weibliche Brust entwickelt hatte. In einer Mitteilung der zuvor behandelnden Ärztin wurden die Ärzte am Uniklinikum darauf hingewiesen, dass Raab einen männlichen Chromosomensatz hat, davon aber nichts weiß. Am Erlanger Klinikum, so der damals behandelnde Arzt, habe man dann weitere Hormonanalysen vorgenommen und eine Bauchspiegelung durchgeführt.

Dabei habe man keine Gebärmutter und auch kein Keimdrüsengewebe gefunden. Raab habe daraufhin Hormonpräparate verabreicht bekommen. Hinweise darauf, dass bei Raab ein Problem hinsichtlich der Geschlechtsidentität gibt, habe es laut dem damals behandelndem Arzt nicht gegeben. Vom XY-Chromosomensatz habe man Raab nichts gesagt. „Das war damals nicht üblich“, so der Mediziner.

Weil Raab die Behandlung der Ärzte für heutige gesundheitliche Probleme verantwortlich macht, will sie vom Erlanger Uniklinikum Schadenersatz. Außerdem fordert sie eine monatliche Rente von 1600 Euro. Mitte Dezember will die Arzthaftungskammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth ein Urteil verkünden. 

Julia Vogl

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