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Flüchtiger Ex-Manager von GFE festgenommen

Gerichtsverfahren um Betrügereien mit Blockheizkraftwerken wurde neu gestartet - 26.09.2012 17:34 Uhr

Am Mittwochmorgen ist der Polizei in Ulm ein Ex-Manager des mutmaßlichen Millionenbetrügers GFE ins Netz gegangen. Jetzt wurde der Prozess neu gestartet.

Am Mittwochmorgen ist der Polizei in Ulm ein Ex-Manager des mutmaßlichen Millionenbetrügers GFE ins Netz gegangen. Jetzt wurde der Prozess neu gestartet. © dapd


Nicht etwa weil es den Staat Germanitien gar nicht gibt. Die Staatsanwaltschaft wirft K. vor, an einem viel größeren Schwindel beteiligt gewesen zu sein.

K. war Vertriebsleiter bei der Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien (GFE). Das Unternehmen hatte seinen Kunden mit Wasser und Rapsöl betriebene Blockheizkraftwerke versprochen, die so viel Strom erzeugen sollten, um den Stromverbrauch eines ganzen Wohnhauses abdecken zu können. Bis Anfang 2013 will die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Nürnberg-Fürth in 28 Verhandlungstagen herausfinden, ob den 1.417 Kunden, die dafür 62 Millionen Euro an die GFE überwiesen, nur ein Märchen aufgetischt wurde.

Beim Prozessauftakt gegen die 14-köpfige GFE-Führungsriege am vergangenen Montag war der Stuhl von Guido K. leer geblieben. Seit Mittwoch steht auch fest weshalb: „Er war der Ansicht, dass ihn der Prozess als Germanite nichts angeht, weil die deutschen Gesetze in Germanitien nicht gelten“, unternimmt Pflichtverteidiger Nils Junge den Versuch einer Erklärung, ohne dabei schmunzeln zu müssen.

Fantasie-Staat Germanitien liegt mitten in Deutschland

Auch Junge kannte Germanitien bislang nicht. Dabei liegt der von ein paar Dutzend Menschen ausgerufene Fantasie-Staat mitten in Deutschland, im schwäbischen Westerheim. Dort weht vor einem Einfamilienhaus die Flagge Germanitiens: schwarzer Seeadler auf blau-weiß-blauem Hintergrund. Ansonsten existiert Germanitien lediglich im Internet auf einer Homepage. Dort kann beispielsweise die Staatsangehörigkeit beantragt oder die Verfassung heruntergeladen werden. Guido K. wird auf der Internetseite als Außenminister aufgeführt, das Westerheimer Einfamilienhaus als die offizielle Botschaft.

Ganz in deren Nähe hat die Polizei den Mann nach einem anonymen Hinweis am Mittwoch verhaftet. Seit 14 Tagen galt er als untergetaucht, wurde per Haftbefehl gesucht.

Als Guido K. vom Vorsitzenden Richter am Mittwoch im GFE-Prozess nach seiner Staatsangehörigkeit gefragt wird, antwortet der Ex-Vertriebsleiter: „Ich bin Staatsbürger von Germanitien.“ Als Beruf gibt K. jedoch nicht Außenminister an. Er sei selbstständig, sagt er. Anwalt Junge hat sich informiert: „Außenminister scheint in Germanitien nur ein Ehrenamt zu sein, Herr K. hat nach der Insolvenz von GFE bereits wieder als Vertriebler gearbeitet, um Geld zu verdienen.“ Auch ein anderer angeklagter GFE-Verantwortlicher scheint an Germanitien Gefallen gefunden zu haben: Nachdem er im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Betrug um die Blockheizkraftwerke verhaftet worden war, zeigte er den Polizeibeamten einen Diplomatenausweis von Germanitien – und forderte vergebens diplomatische Immunität.

In der Anklage gegen GFE ist auch von einer Gaststätte in Schwanstetten die Rede, wo die Geschäftsidee mit den Blockheizkraftwerken geboren worden sein soll. Pikanterweise wird das zwischenzeitlich abgerissene Lokal im Internet als frühere Botschaft Germanitiens genannt.

Eine schillernde Figur in dem Betrugsprozess ist ebenso Horst K., ehemaliger Chef der GFE-Gruppe. „Ich werde beweisen, dass es sich bei unseren Blockheizkraftwerken um keinen Betrug gehandelt hat und alle Angeklagten unschuldig sind“, sagte er am Mittwoch vor Gericht und kündigte zugleich eine umfassende Erklärung an. Sie umfasst 358 Seiten, die der 40-Jährige vorlesen will. Sein Verteidiger Hans-Jochen Schrepfer geht davon aus, dass sich dies bis Freitag oder sogar Montag hinziehen könnte.

Der „Außenminister“ von Germanitien wird also noch einige Zeit warten müssen, bis auch er sich zu den Betrugsvorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern kann. 

dapd

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