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Frauenhäuser am Limit: Zu wenig Platz, zu wenig Personal

Immer mehr Opfer von Gewalt müssen abgewiesen werden - 30.05.2017 05:56 Uhr

Die Gewalt an Frauen und Kindern hat zugenommen. (Symbolbild) © Colourbox.de


Die Anzahl der Übergriffe stagnieren nun auf hohem Niveau, wie eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg herausarbeitete. Doch nicht nur die Frauenhäuser sondern auch die Beratungsstellen für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt jeder Art geworden sind, arbeiten am Limit. Sie führen Wartelisten und arbeiten die Fälle ab, die bei ihnen aufkommen.

Sie könnten mehr schaffen, wenn sie mehr Geld für Personal hätten, sagt Verena Osgyan, frauenpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Sie hat vor kurzem einen runden Tisch im Landtag einberufen, um den genauen Bedarf von Frauenberatungsstellen und -notrufen zu eruieren.

Die Beratungsstellen brauchen vor allem finanzielle Unterstützung, denn sie finanzieren sich über einen großen Teil aus Spenden - und diese Spenden zu generieren kostet Zeit. Zeit, die dann wiederum bei den Klientinnen fehlt.

Auch die Frauenhäuser in Bayern benötigen mehr qualifiziertes Personal und finanzielle Unterstützung. Viele von ihnen sind völlig heruntergekommen, wahre Bruchbuden, sagt Simone Strohmayr, frauenpolitische Sprecherin der SPD im Landtag. Denn für Renovierungsarbeiten oder den Kauf neuer Möbel und die Überholung der vorhandenen Ausstattung fehlt das Geld.

Strohmayr und Osgyan kämpfen seit Jahren für eine Verbesserung der Situation für Frauen in Not in Bayern. Bislang ohne großen Erfolg, denn ihre zahlreichen Anträge im Landtag werden in der Regel von der CSU kassiert. 

Fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse

Sozialministerin Emilia Müller machte im vergangenen Jahr den Vorstoß und sagte, sie wolle fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse, die die Situation der Frauenhäuser und Fachberatungsstellen auf den Punkt bringen. Das Ergebnis einer Studie der Sozialwissenschaft der Universität Erlangen-Nürnberg ist ernüchternd. So gibt es in Bayern 40 Frauenhäuser mit 367 Plätzen für Frauen und 456 Plätzen für Kinder.

Im Jahr 2014 konnten die Frauenhäuser rund 1500 Frauen und ebenso viele Kinder aufnehmen. 4250 Frauen und Kinder mussten abgewiesen werden. 2845 Abweisungen erfolgten aufgrund von akutem Platzmangel. Nur ein Drittel der abgewiesenen Frauen und Kinder konnte erfolgreich an eine andere Einrichtung weiter vermittelt werden.

Dabei waren mindestens 55.000 Frauen ab 16 Jahren im Jahr 2014 in Bayern Opfer von sexualisierter Gewalt. Über 140.000 in einer Partnerschaft lebende Frauen erlebten häusliche Gewalt. Rund 90.000 Frauen haben schwere Misshandlungen erlitten und mehr als 18.000 Frauen haben sich nach akuter körperlicher oder sexualisierter Gewalt im Jahr 2014 an die Polizei oder an psychosoziale Beratungsstellen gewandt. Darüber hinaus waren es zwischen 6000 und 9000 Frauen, die Schutz in einem Frauenhaus gesucht haben.

 Verena Osgyan ist empört: "Das von schwerer körperlicher oder sexueller Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder keinen adäquaten Schutzraum in Bayern finden, ist ein sozialpolitischer Skandal."

Nur elf Plätze zu vergeben

Andrea Hopperdietzel, die seit über 20 Jahren das  Anna-Wolf-Frauenhaus in Schwabach leitet, tut es um jede Frau leid, die sie abweisen muss. Doch sie hat nur elf Plätze zu vergeben.

"Das Schlimme ist doch, dass diese Frauen bei den gewaltbereiten Männern bleiben müssen." Sie hätten oft keine andere Wahl. Denn der soziale Wohnungsbau sei völlig am Boden. Bezahlbarer Wohnraum sei in der gesamten Metropolregion  nur sehr schwer zu finden. "Und meine Frauen sind oft alleinerziehend, arbeitslos und haben vielleicht noch einen Migrationshintergrund. Das erschwert die Wohnungssuche zusätzlich."

Eine Ausweitung der Plätze in den Frauenhäusern hält Hopperdietzel nur bedingt für die richtige Lösung. Wichtiger wäre es ihrer Meinung nach,  das ambulante Beratungssystem für Frauen und Kinder personell so auszustatten, dass den Frauen im Notfall zeitnah geholfen werden kann.

Auch Verena Osgyan und Simone Strohmayr teilen dieses Auffassung, sind aber auch der Meinung, dass es mehr Frauenhausplätze in Ballungsgebieten geben muss. Darüber hinaus dürfen sich Freistaat und Kommunen nicht gegenseitig den schwarzen Peter zu schieben, in Bezug auf die Finanzierung.

Der Freistaat sieht die Kommunen und Landkreise in der Pflicht, diese wiederum verweisen auf ihre klammen Kassen und darauf, dass die Frauenhäuser nicht nur von den im eigenen Gebiet gemeldeten Frauen genützt werden. 

Und was sagt das zuständige Sozialministerium? Emilia Müller hat nach Bekanntgeben der Ergebnisse nicht sofort Handlungsbedarf gesehen. Sie hat einen Arbeitskreis einberufen, der seit Anfang des Jahres tagt und der ein Gesamthilfekonzept für den Freistaat entwerfen soll. Erste Ergebnisse, so eine Sprecherin auf Anfrage, werden erst im Herbst diesen Jahres oder im Frühjahr nächsten Jahres öffentlich.

Bis dahin, so die Sprecherin, sollten die Kommunen ihrer Pflicht nachkommen und die Frauenhäuser und Beratungsstellen finanziell unterstützen. 

Michaela Zimmermann

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