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Fruchtschalen – ein in Ton gegossenes Gefühl

Das Atelier „Klangton“ schafft eine einzigartige Erinnerung an die Schwangerschaft - 14.03.2016 21:19 Uhr

Einmalig in der Welt der Schwangerschaftsandenken: Fruchtschalen, geschaffen von Veronika Riedelbauch und Ignazio Tola vom Atelier "Klangton". Jede dieser Schalen ist eine Eins-zu-Eins-Abbildung eines Schwangerschaftsbauches.


Sie sind spitz, kugelrund, manche neigen sich ein wenig Richtung Boden, andere recken sich in die Höhe – auf langen Regalbrettern aufgereiht stehen im Atelier „Klangton“ von Ignazio Tola und Veronika Riedelbauch Dutzende Gipsabdrücke von Schwangerschaftsbäuchen. Jeder Abdruck ist die Basis für eine Fruchtschale. Jede dieser Schalen ist so schön wie sie einzigartig ist. Weich geschwungen steht sie auf dem Tisch, auf den ersten Blick ist kaum wahrzunehmen, dass sie exakt die Form eines Schwangerenbauches hat. Und das macht das Kunstwerk so besonders: Es offenbart etwas zutiefst Privates, Anrührendes – und gleichzeitig auch wieder nicht. Denn erst wenn man die Schale genauer betrachtet oder sie herumdreht, erkennt man deutlich die Bauchform.

Glatt, völlig ebenmäßig, so vollkommen wie ein echter weiblicher Bauch fühlt sich die äußere Seite aus geschliffenem Ton an. Das Innere der Schale ist weiß glasiert, auf Wunsch gibt es sie auch andersfarbig, zum Beispiel golden.

Groß ist der Aufwand, eine solche Fruchtschale zu schaffen, denn sie ist eben nicht ein Gipsabdruck, wie ihn jeder zu Hause mit ein paar Gipsbinden herstellen kann. Das, was Tola und Riedelbauch erschaffen, entspricht in Größe und Form – inklusive Bauchnabel – exakt dem Schwangerenbauch.

Zuerst nimmt Veronika Riedelbauch einen Gipsabdruck vom Bauch der werdenden Mutter, am besten im achten Monat, bevor sich der Bauch senkt, auf Wunsch auch zu Hause. Das ganze dauert eine Viertelstunde. Danach beginnt die Arbeit für Ignazio Tola. Er erarbeitet aus dem Gipsabdruck die Gussform, in die später der Ton gegossen wird. Rund 40 Stunden dauert es, bis die Schale fertig ist. Die Arbeit erfordert höchste Konzentration, zum Beispiel, wenn die gegossene Form in den Brennofen gegeben wird. Bricht ein Stück heraus oder verformt sich der Bauch, ist das Werkstück zerstört. Tola sagt nie, wann er eine Schale fertig haben wird, denn ein solches Kunstwerk kann unter Zeitdruck nur schwer gelingen.

„Für mich sind die Fruchtschalen ein vollkommenes Familiensymbol“, sagt der Künstler. „Sie sind geschaffen von Mutter, Vater und dem Kind.“ Für viele Kunden ist die Schale ein in Ton gegossenes Gefühl, eine dauerhafte Erinnerung an das Großartige, Einzigartige, Aufregende, Berührende, das eine Schwangerschaft bedeutet.

Tolas Biografie gleicht einem Märchen

Berührt man die fertigen Schalen, ist es vor allem die Ebenmäßigkeit der Oberfläche, die geradezu dazu einlädt, immer und immer wieder darüber zu streichen. „Sie wird eben ganz fein geschliffen“, so Tola. Doch ganz so leicht ist das nicht, Tola ist nicht nur ein Meister seines Faches, er ist auch ein Meister der Bescheidenheit. Veronika Riedelbauch kann das so nicht stehen lassen: „Ignazio ist gelernter Silber- und Goldschmied, deshalb kann er so fein polieren. Das kann nicht mal ich, und ich bin selbst Keramik-Meisterin.“ Tola sucht nicht den Applaus, dabei fiel er schon als junger Mann als Ausnahmetalent auf. Und seine Vita klingt nach einem Märchen: 1971 wurde er in Oristano, Sardinien, in eine kinderreiche, sehr arme Familie geboren. Als Tola 13 Jahre alt ist, nimmt sich ein deutsches Goldschmiede-Ehepaar, das auf Sardinien lebt, des Jungen an. Drei Jahre geht Tola bei ihnen in die Lehre, mit 16 schicken sie ihn nach Hildesheim in die Goldschmiede von Thore Blume. Tola fällt durch herausragendes Talent auf, nach einem Stipendium in Barcelona wechselt er nach Nürnberg, studiert an der Akademie der Bildenden Künste in der Gold- und Silberschmied-Klasse. 2002 wird er Meisterschüler. Inzwischen wurde er für seine Schmuckarbeiten mehrfach ausgezeichnet, aber auch für seine Lampen aus Verpackungsmüll.

Die Fruchtschalen entwickelte Tola während seines Studiums. Aufgabe war damals, ein Trinkgefäß zu kreieren, und Tola entschied sich, dafür den Abdruck einer weiblichen Brust zu nehmen – als Symbol für die Ur-Nahrungsquelle des Menschen. Aus dem Abdruck entwickelt er die Gussform für das Trinkgefäß – und den Vorläufer zu den Fruchtschalen. Neunmal scheiterte Tola bei seinem ersten Versuch für die Fruchtschale eines Schwangerenbauchs. So lange, wie eine Mutter auf ihr Kind wartet, so lange brauchte Tola vor 16 Jahren dafür, bis die erste fertige Schale vor ihm stand. Bis heute hat er rund 55 Schalen an Familien überreichen können.

Die Kunst hat ihren Preis, rund 1000 Euro kostet eine Schale. Wer sich noch unsicher ist, kann aber zunächst, für knapp 70 Euro, den ersten Abdruck vom Bauch nehmen lassen und sich später entscheiden. Es ist oft auch möglich – wenn auch viel schwieriger –, von vorhanden Abdrücken eine Schale fertigen zu lassen.

Wer sich die Schalen selbst ansehen möchte, ist im Atelier „Klangton“ in der Adam-Klein-Straße 112 willkommen. Das gilt auch für Hebammen oder Gynäkologen, die ihren Schwangeren davon erzählen möchten. Kontakt: * 09 11/3 21 78 59, E-Mail: info@ignazio-tola.de  

Claudia Urbasek (Text) und Michael Matejka (Fotos)

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