Montag, 10.12.2018

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Fußball im Geschichtsunterricht

Das Schicksal von Julius Hirsch im Nationalsozialismus - 09.03.2013 10:00 Uhr

Werner Skrentny hat sich 20 Jahre mit der Biografie des jüdischen Nationalspielers Julius Hirsch auseinandergesetzt und darüber geschrieben. © Roland Fengler


„Wir wollen Infos aus der Vergangenheit lebendig werden lassen“, sagt Andrea Rauch, Leiterin der Schulbibliothek. Das Gespräch mit Skrentny soll die Schüler aus sportlicher Sicht an den komplexen Sachverhalt des Nationalsozialismus heranführen. Dafür schilderte der Buchautor die Lebensgeschichte von Hirsch — und die ist mit Nürnberg eng verknüpft.

Der jüdische Fußballer lebte von 1913 bis 1920 in Nürnberg und war Kapitän bei der SpVgg Fürth — vier Jahre davon diente er jedoch im Ersten Weltkrieg. Mit der Spielvereinigung holte er 1914 den Titel als Deutscher Meister und spielte zwei Jahre in der deutschen Nationalmannschaft. Hirsch galt nicht umsonst als der „beste Stürmer seiner Zeit“: Gleich zwei Mal holte er den Meistertitel — das andere Mal 1910 mit seinem Heimatverein Karlsruher FV.

Aber deshalb gleich ein Buch darüber schreiben? Skrentny wurde auf eine Ungenauigkeit in Hirschs Biografie aufmerksam: „Der mögliche Todeszeitraum umfasste fünf Jahre. Gegen das ungenaue Todesdatum wollte ich etwas tun.“ Seitdem hat es sich der Hamburger Autor zur Aufgabe gemacht, dem Mysterium Julius Hirsch auf den Grund zu gehen. 20 Jahre recherchierte er die Biografie und stand auch in Kontakt mit Hirschs Familie.

Dadurch enthüllte Skrentny erschütternde Details aus dem Leben des Juden im Dritten Reich. So wurde Hirsch 1933 von seinem Heimatverein ausgeschlossen, weil Juden in einen jüdischen Sportklub wechseln sollten. Ebenso wurde in Fußball-Sammelbänden mit Auflistung aller Nationalspieler sein Name herausgestrichen. Letztendlich endet sein Schicksal tragisch: Im März 1934 wird er nach Auschwitz deportiert. Die Lesung Skrentnys zeigt bei den Schülern Wirkung: Die anschließenden Fragen signalisieren das große Interesse der Jugendlichen.

Die 9. Klasse hat mit ihrer Lehrerin Heike Düll dazu ein Projekt erarbeitet, das sich dem Thema mit aktuellen Bezügen nähert. Das soll den Jugendlichen verdeutlichen, was Ausgrenzung heißt und wie weit es gehen kann, „wenn man out ist“. Die Schüler suchten sich dazu in der Bibliothek Bücher aus, die heutige Probleme wie Gewalt widerspiegeln. Ein Schüler beschäftige sich mit dem Buch „Falsche Freunde“, das von Gruppenzwang unter Freunden handelt. Diesen hat er selbst schon erlebt: „Ich wurde in der Schule oft gemobbt, das war schon wie Gruppenzwang.“

Auch im privaten Leben hat es der 16-Jährige nicht leicht gehabt: „Ich war kurz davor, auf die schiefe Bahn zu geraten; auch weil sich ein Freund von mir vor einem Jahr das Leben genommen hat. Das Projekt hat schon ein bisschen mein Leben verändert, ich möchte jetzt einen Neuanfang starten.“ Mit seinen Erfahrungen kann er sich in die Situation der Juden im Dritten Reich hineinversetzen, weshalb er auch bei der Konzepterstellung des Projektes mitgeholfen hat.
  

Meike Ledermann

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