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Gauland in Nürnberg: 500 Menschen protestieren gegen AfD

"Anatolien"-Entgleisung: AfD-Spitzenkandidat distanziert sich nicht - 09.09.2017 18:41 Uhr

Etwa 500 Teilnehmer demonstrierten vor der Meistersingerhalle gegen die AfD. Aufgerufen zu den Protesten hatte das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg (AAB). Die DGB Jugend Mittelfranken und die Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg schlossen sich dem Aufruf an. © Horst Linke


"Fremdenfeindlichkeit ist keine Alternative", steht auf einem Schild. "Make Love, not Hass" auf einem anderen. Pünktlich um 10.30 Uhr haben sich Gegner der Alternative für Deutschland (AfD) am Samstag am Nelson-Mandela-Platz versammelt, um gegen die Wahlkampfveranstaltung der AfD und den Auftritt ihres Spitzenkandidaten Alexander Gauland in der Meistersingerhalle zu protestieren.

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AfD-Auftritt in Nürnberg: 500 Menschen demonstrieren gegen Rechts

Das Antifaschistische Aktionsbündnis Nürnberg (AAB) und einige andere Gruppierungen demonstrierten am Samstag gegen den umstrittenen Auftritt des AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland in der Nürnberger Meistersingerhalle.


Thorsten Brehm, Vorsitzender der SPD Nürnberg, hat sich mit einigen Parteikollegen unter die Demonstranten gemischt. Auch wenn das Verwaltungsgericht Ansbach dem Eilantrag der AfD gegen die Kündigung des Mietvertrags für die Meistersingerhalle durch die Stadt am Donnerstag stattgegeben hat, sei es in Brehms Augen die richtige Entscheidung der Stadt gewesen, ein deutliches Zeichen gegen die AfD zu setzen.

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Flüchtlinge und Euro-Ärger: Gauland spricht in der Meistersingerhalle

Bei der umstrittenen Wahlkampfveranstaltung der AfD in Nürnberg hat Spitzenkandidat Alexander Gauland sich vor allem kritisch über Flüchtlinge, den Euro und die Russland-Sanktionen geäußert. Die Meistersingerhalle war bis auf den letzten Platz mit Anhängern gefüllt.


Yuri Hofer, Sprecher des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Nürnberg (AAB), das zu der Demonstration aufgerufen hat, hält den gescheiterten Versuch der Stadt, den Mietvertrag mit der AfD kurzfristig zu kündigen, für einen Versuch der SPD, ihr antifaschistisches Profil im Wahlkampf zu schärfen. Besser wäre es seiner Meinung nach gewesen, die Räumlichkeiten von vornherein nicht an die AfD zu vermieten.

Auch in Nürnberg distanzierte sich Gauland nicht von seinem Angriff auf Aydan Özoguz, der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. "Ich habe einfach nur der Dame empfohlen - ganz höflich - dass sie doch vielleicht einen längeren Aufenthalt in einem Land nehmen könnte, in dem sie vielleicht die kulturellen Regeln besser versteht", sagte der AfD-Spitzenkandidat.


Kommentar zur AfD: Erst provozieren, dann harmlos tun


Lediglich "das Wort" wolle er nicht mehr in den Mund nehmen. Erst kürzlich sagte Gauland, man solle Özoguz "in Anatolien entsorgen". Deshalb kündigte die Stadt den Mietvertrag für die Meistersingerhalle.

Straßenbahnverkehr teilweise gelähmt

Die Kundgebung an der Meistersingerhalle verlief völlig friedlich, sagt die Polizei. Sie spricht von etwa 500 Demonstranten, die völlig störungsfrei gegen die AfD protestiert hätten. Es habe keinerlei Festnahmen gegeben. Zwischenzeitlich kam es dort zu Problemen, die Linien 6 und 9 konnten wegen Personen im Gleis zeitweise nicht fahren. Auch die Linie 36 war betroffen, die VAG hatte entsprechende Umleitungen eingerichtet.

Wegen der Menschenmengen vor der Meistersingerhalle begann die Veranstaltung der AfD mit etwas Verzögerung. Die Partei wirft der Polizei vor, den Platz nicht geräumt zu haben. Wahlkampfkoordinator Matthias Vogler bezeichnete die Polizei als "tendenziös und links", warf ihr vor, gegen "Absprachen verstoßen zu haben".

Neben dem umstrittenen Spitzenkandidat Alexander Gauland ergriff unter anderem auch der Nürnberger AfD-Funktionär Martin Sichert das Wort. Er sprach - nach Veranstalterangaben vor 1500 Zuhörern - mit Blick auf die Querelen um die Anmietung der Meistersingerhalle von "Erpressung der Stadt" und kritisierte im gewohnten AfD-Duktus die "Altparteien".

Unter den Gegen-Demonstranten war auch Landtagspolitikerin Verena Osgyan von den Grünen. Für sie sind die umstrittenen Äußerungen Gaulands gegenüber der Bundesintegrationsbeauftragten Aydan Özoguz (SPD) ein Versuch der AfD, Nazi-Sprech wieder salonfähig zu machen. Der Satz, Özoguz "in Anatolien entsorgen" zu können, sprenge die Meinungsfreiheit und sei ein zivilisatorischer Dammbruch. "Das kann man so einfach nicht stehen lassen", sagt Osgyan.

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert. 

Johannes Handl, tl

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