Donnerstag, 15.11.2018

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Hochgeschwindigkeitssport Crossminton gefällt

Die Knight Speeder treten auf Turnieren auch mal gegen den Weltranglistenersten an - 13.04.2017 17:56 Uhr

Oliver Weiß (links) und Stefan Seidner (rechts) muss man nicht mehr davon überzeugen, dass ihr Sport der beste der Welt ist. © Foto: Eduard Weigert


Knallgelbe, grell leuchtende Linien ersetzen verblasste, schnöde alte Turnhallenlinien in der kleinen Grundschulsporthalle am Thoner Espan. Es läuft "Chill-out-Musik". Ein dumpfer Schlag, ein stechender Pfeifton, ein dumpfer Schlag. Wieder dieses Pfeifen - nein, Badminton ist es nicht. Es fehlt das Netz. Hier im Nürnberger Norden wird Crossminton gespielt. Cross was? Ja, Crossminton.

Jeden Mittwochabend treffen sich die Knight Speeder Nürnberg zum Training. Dynamisch, modern, irgendwie anders ist dieser Sport, "und", sagt Oliver Weiß, einer der Knight Speeder, "es gibt hier keine Etikette. Es geht mehr ums Spiel. Du wirst hier nicht viele Leute in weißen Socken sehen, wie beim Tennis." Knallgelbe Linien und "Chill-out-Musik" statt Wimbledon-Dresscode also.

Dem Ersten der Weltrangliste ganz nah

Apropos Wimbledon: Den Vergleich zum Tennis bemühen die Sportler der Knight Speeder Nürnberg oft und gerne. Sebastian Christoph war kürzlich auf einem Turnier in Oberhausen, dem größten in ganz Deutschland, und hat dort gegen den Weltmeister gespielt. In Bautzen ist er im Viertelfinale am Weltranglistenersten gescheitert. "Eine geile Erfahrung", sagt Christoph. Aber das meinen die Knight Speeder nicht: "In welcher Schlagsportart kannst du als Starter gegen den Weltmeister antreten, weil er zufällig in der gleichen Liga spielt. Ich finde, das macht es super attraktiv", sagt Oliver Weiß und ergänzt: "Es ist, als wenn du bei einem Turnier gegen Roger Federer antrittst."

Mit einem blutigen Anfänger oder Qualifikanten würde "FedEx" auf einem Turnier wohl kurzen Prozess machen. "Brille" nennen sie das im Tennis. 6:0, 6:0. Nicht so beim Crossminton. Dort gibt es einen Ehrenkodex. "Auch der Weltranglistenerste lässt dich mitspielen. Der würde dich nicht "zu null" nach Hause schicken. Jeder ist per du, jeder spielt sich mit jedem warm. Diese Offenheit ist super spannend", findet Christopher Spall.

Nein, die Knight Speeder muss man kaum mehr überzeugen, dass Crossminton der beste Sport der Welt ist.

Dass man aber überhaupt gegen die Grandseigneurs des Crossminton antreten kann, liegt natürlich auch an der vergleichsweise geringeren Dichte an Spielern und Vereinen.

Roger Federer lässt grüßen

Die Nürnberger sind beispielsweise der einzige Verein in ganz Nordbayern. Der nächste Crossminton-Verein ist in der Münchner, beziehungsweise Stuttgarter Region. Es wird in Nürnberg deshalb natürlich auch Bundesliga gespielt. Was anderes gibt es halt noch nicht. Die Bundesliga Süd besteht derzeit aus fünf Vereinen. Eine zweite Liga existiert nur in der West-Staffel. "Das Ligasystem ist noch sehr starr und im Aufbau befindlich. Das macht es natürlich nicht einfach. Für ein Testspiel mal nach München zu fahren ist halt ein riesiger Aufwand", sagt Weiß. Trotz fehlender Etikette und chilliger Musik beim Training: Crossminton ist halt doch ein Sport, den man nicht unbedingt auf dem Zettel hat. Der Sport kombiniert Elemente aus Squash, Tennis und Badminton. Das pfeifende Geräusch in der Sporthalle kommt vom Spielgerät - dem sogenannten Speeder. Er ist schwerer als ein herkömmlicher Federball mit einem verkürzten Flugkleid und dadurch auch windstabiler.

"Man ist vollkommen flexibel und nicht so vom Wind abhängig. Beim Badminton müsstest du trotz schönem Wetter in die Halle. Wir schnappen uns dann den Schläger und gehen auf die Wöhrder Wiese", sagt Stefanie Emmerich. Dazu kommt: Die Speeder haben einen geringeren Luftwiderstand, fliegen deshalb schneller und weiter als Badmintonbälle. Der Crossminton-Verband kommuniziert die Sportart deshalb auch als "schnellste Racket Sportart der Welt". Schnell, dynamisch, ohne Etikette und Spiele gegen die Federers des Crossminton. Da fehlt doch eigentlich nur noch ausreichend Konkurrenz in der Region. 

Micha Schneider

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