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Hummelstein: Wbg hält an Abrissplan fest

Anwohner: Häuser in der Schillingstraße sind erhaltenswert - 05.04.2014 08:59 Uhr

Die Häuserzeile entlang der Schillingstraße sollte nach Ansicht von Anwohner Johannes Kahlen erhalten bleiben. Doch die wbg lehnt ab. © Eduard Weigert


Johannes Kahlen wohnt in der Schillingstraße 11 und hat von seinem Schlafzimmerfenster einen schönen Blick auf die Häuserfassade auf der anderen Straßenseite. Der Sozialarbeiter kann nicht verstehen, warum man die 14 Gebäude des Südstadt-Quartiers mit den schönen Innenhof-Gärten einfach abreißen will, um hier Neubauten hinzustellen. Wenigstens die Häuserzeile in der Schillingstraße könnte man doch stehen lassen und sanieren, schreibt Kahlen in einem Brief an die wbg.

Kahlen: „Es wäre so wichtig, den Charme dieser Straße zu halten. Hier handelt es sich um ein architektonisch einmaliges Baudenkmal aus dem Jahr 1919.“ Die gelungene Sanierung in der Gartenstadt sei doch ein schönes Beispiel, dass man solche Häuser nicht dem Erdboden gleichmachen muss.

Was Kahlen umtreibt ist die soziale Struktur des ganzen Viertels, die durch die vorgesehene Neubebauung (der Stadtanzeiger berichtete) zerstört wird. „Hier wohnen viele arme Menschen und Familien mit Kindern, die sich die neuen Wohnungen sicher nicht mehr leisten können“, befürchtet er.

Alternative Wohnformen

Die Bauformen der Häuser seien durchaus geeignet, alternative Wohnformen unterzubringen. Auch betreute Wohngemeinschaften wären in den eineinhalb geschossigen Häusern gut aufgehoben. Und die alten Kohleöfen, mit denen die Wohnungen jetzt noch beheizt werden, könnte man durch Fernwärmeanschlüsse ersetzen.

So könnte das neue Wohnquartier zwischen Pillenreuther Straße und Schillingstraße künftig aussehen. Der prämierte Plan stammt von einem Berliner Architektenbüro.Grafik: NN


Doch bei der wbg beißt der Sozialarbeiter bislang auf Granit. Die „Gegebenheiten“ seien nicht so, dass man den Vorschlägen Kahlens folgen könnte, teilt das städtische Wohnungsunternehmen schriftlich mit. Das Quartier sei eben kein Baudenkmal, die Gebäude wurden mit Nachkriegsmaterial errichtet und bedürften einer dringenden Sanierung. Aufgrund des verwendeten Baumaterials, der Baustruktur, des Flächenmangels und des Wohnungsbedarfs in der Stadt habe man sich für einen Komplett-Abriss entschieden. Ein Vergleich mit der Gartenstadt könne nicht gezogen werden.

„Behutsam umgesetzt“

Die jetzigen Bewohner, so die wbg in ihrer Stellungnahme, würden zu gegebener Zeit „behutsam umgesetzt“. Dafür habe man im Gesamtbestand des Unternehmens genügend Möglichkeiten.

Der SPD-Ortsverein Hummelstein ist ebenfalls der Ansicht, dass die Häuser nicht sanierungsfähig sind. Ortsvorsitzender Gerhard Groh: „Wir haben nichts gegen den geplanten Abriss, die vorgesehene Neubebauung sieht ja weiterhin große Grünbereiche im Innenhof vor.“

Wie berichtet, haben Stadt und wbg für die Neuplanung des Grundstücks einen europäischen Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich zahlreiche Büros beteiligt haben. Die Konzepte der Preisträger sind übrigens bis zum 29. April im „Offenen Büro“ der Stadt Nürnberg, Lorenzer Straße 30, zu sehen. Vom 12. bis 18. Mai werden die Arbeiten dann auch noch im Südpunkt gegenüber dem Areal präsentiert. Am 17. Mai ist laut wbg ein Workshop geplant, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen wird. Erst danach werde man sich entscheiden, welcher der drei preisgekrönten Entwürfe realisiert wird.
  

REINHARD SCHMOLZI E-Mail

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