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Illustrator Manuel Kilger mit eigenem Stil erfolgreich

Süße Bilder, die es in sich haben - 12.03.2014 09:27 Uhr

Eine Zeichnung Kilgers für die Comic-Serie "Game of Thrones". © privat


Ein riesenhafter, freundlich dreinblickender Wolf, vor dessen weißen Fell sich zwei Personen selig lächelnd in den Armen liegen, das Schwert siegesgewiss zum Himmel emporgereckt. Sehr niedlich und harmonisch, alles. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten entdeckt man die eigentliche Story: Blut und Feuer, aufgespießte Frösche und abgetrennte Köpfe und böse Bären. Da ist sie, die eigentliche Geschichte, die Manuel Kilger erzählt, "martialischer Stoff in niedlichen Bildern". Denn so, sagt der Künstler, arbeite er am liebsten: erzählen ohne Text und denjenigen Betrachter belohnen, der sich die Zeit nimmt, richtig hinzuschauen.

Manuel Kilger bezeichnet seine Arbeiten als "martialischen Stoff in niedlichen Bildern". Der 32-jährige Illustrator setzt ernste Themen kindlich und verspielt um.


Und so hat er's dann auch gehalten mit seinem Beitrag zur Ausstellung im Pariser Le Dernier Bar Avant la Fin du Monde zum Start der dritten Staffel der populären Serie "Game of Thrones". Die Bilder des 32-jährigen Illustratoren sind wie der Künstler selbst. Zurückhaltend und freundlich, unaufgeregt und still und hintergründig. Zeit muss man sich nehmen statt oberflächlich drüberzuwischen.

2005 kam Kilger aus dem oberfränkischen Teisnach nach Nürnberg, um Design an der TH Nürnberg zu studieren und war "zu der Zeit einer der ersten, die digital statt analog gearbeitet haben." Die PC-Kunst hat für ihn primär rein pragmatische Gründe: "Man kann sich einfach Fehler besser leisten, das lässt mich viel freier arbeiten, und genau das möchte ich tun." Außerdem müsse man heutzutage ohnehin alles digitalisieren, da sei es doch zeitgemäß, das von vornherein zu tun.

Zeitgemäß auch das täglich Brot: Manuel Kilger arbeitet als "Game Artist" Grafiken, Figuren oder Hintergründe für Spiele wie "Elfcraft" aus, eine App, die in Kürze auf den Markt kommt. Aber da liegt auch schon die Crux der Kundenzufriedenheit: "Wenn man als Illustrator Geld verdienen möchte, ist man quasi gezwungen, den eigenen Stil abzulegen." In Deutschland, sagt er, sei das besonders schwierig, gerade auf dem Segment, auf dem er am liebsten arbeiten würde: Kinderbücher zu illustrieren. Er sagt: "Ich habe den Eindruck, die großen Verlage richten sich nach dem, was die Mütter wollen und nicht nach dem, was die Kinder gerne sehen würden" und fahren deshalb "seit 30 Jahren die gleiche Schiene."

Also geht Kilger zum Spaß an der Freude - und wenn die knappe Zeit reicht - seinem Steckenpferd nach: eigentlich ernste Themen kindlich und ironisch umzusetzen und sie dabei "kindgerecht und familienfreundlich, nett und süß aussehen zu lassen - wie ein Cartoon." Er lässt in der Brüsseler "Made in Asia"-Ausstellung eine überdimensionale Assel Alpen-Heidis Hütte zertrampeln, den Sensenmann für die "Tarot, Mystics and Occult Artshow" der Galerie Light Art Lab (Minneapolis, USA) auf einem Regenbogeneinhorn traben, weil ihm das alles "zu ernst und zu brutal" war.  Er nahm am Deutschen Karikaturenpreis teil oder bei "Jazam!", einer jährlich erscheinenden Independent-Comic-Anthologie, für die er auch schon mal das Cover gestalten durfte - was ihn prompt zur Signierstunde auf der Erlanger Comic-Messe führte.

Das, sagt er, war freilich sehr schön, andererseits "sieht man dann erst mal, wie riesig und gut die Konkurrenz ist, und das kann schon manchmal deprimieren." Weniger deprimierend: Die Anfrage eines Produktionsstudios, für die ZDF-Reihe "Löwenzahn" einen der heiter-bunten Beiträge zum Thema "Auftrieb" umzusetzen. Niedlich und harmonisch.

Mehr Eindrücke von Manuel Kilgers Arbeiten bieten dessen Website sowie sein Blog.
  

VON KATHARINA WASMEIER

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