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Initiative fordert: Hallen an Brunecker Straße sollen bleiben

Einstiger Umladebahnhof könnte neuen Stadtteil Lichtenreuth beleben - 05.08.2015 15:35 Uhr

Ein Identifikationsort statt Abriss? Diese Hallen will die Nürnberger Stadtbild-Initiative schützen.

Ein Identifikationsort statt Abriss? Diese Hallen will die Nürnberger Stadtbild-Initiative schützen. © Michael Matejka


Mitten im sandigen Ödland der ehemaligen Bahnflächen, wo in einigen Jahren ein ganz neuer Stadtteil mit Park und Gewerbegebiet entstehen soll, ist die Initiative auf Erstaunliches gestoßen. Auf 250 Meter lange Hallen, in denen sich Spannbetonstreben elegant wölben und Licht durch Fensterflächen am Dach einfällt.

Wer sich hier umschauen will, muss durch Lücken im Zaun und an Verbotsschildern vorbei. Doch der Weg lohnt sich, Sprayer und andere Szene-Gestalten haben ihn längst gefunden und knallbunte Bilder an den Wänden hinterlassen. "Das wäre ein idealer Identifikationsort für das neue Viertel", sagt Stadthistoriker Sebastian Gulden, der wie die Altstadtfreunde, Geschichte für Alle oder die Stiftung Stadtökologie Mitglied der Stadtbild-Initiative ist. Die Stadt dürfe alte Fehler nicht immer wiederholen.

"Open your eyes", lautet das Motto

Gulden spielt damit auf Architekturzeugnisse wie die Milchhofhallen von Otto Ernst Schweizer, die Hallen des alten Schlachthofs am Pferdemarkt an, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. Aktuell ist die ehemalige Hauptpost am Hauptbahnhof in der Diskussion, die ebenfalls fallen soll. "Open your eyes", mach deine Augen auf, fordert ein riesiges Graffito an der Wand. Die Initiative hält das für ein gutes Motto. Man wolle den Nürnbergern die Chancen zeigen, die in solchen hervorragend erhaltenen Bauwerken stecken, heißt es.

Dass die Denkmalbehörden die Umladehallen nicht unter Schutz gestellt hat, sei bedauerlich. Angebliche Kriegsschäden haben das verhindert. Beim Rundgang jedoch wirken die Gebäude sehr gut erhalten, lediglich einige Fenster sind eingeschlagen, ein Teil der einst elf Bahngleise im Inneren ist entfernt. Die Messe, die ständig erweitern will und muss, würde hier atmosphärisch reizvolle Räume vor finden, sagt Wolf Hergert von Geschichte für Alle.

Hallen wurden als Lager vermietet

Man habe mit diesem Vorschlag bereits Kontakt aufgenommen, jedoch noch keine Antwort bekommen. Schon seit 1998 steht die einst florierende Umladestelle Nürnberg-Süd leer. Die Bahn wurde damals privatisiert und änderte ihr gesamtes Logistik-Konzept.

Eine Weile wurden die Hallen dann noch als Lager vermietet. Im Ideenwettbewerb für den neuen Stadtteil an der Brunecker Straße wird das Grundstück, auf denen sie stehen, dem Bereich Gewerbe zugeschlagen.

Die Industriearchitektur spiele in den Plänen Entwurf keinerlei Rolle, beklagt Brigitte Sesselmann von BauLust. Der Verein hat sich bei diesem Thema auf die Seite der Stadtbild-Initiative geschlagen und will mit Dampf machen bei der Rettung der 85 Jahre alten Bauwerke. BauLust lädt am 21. August um 16 Uhr zu einer Expedition in das Areal Brunecker Straße ein. Die Umladehallen sollen dabei auch eine Rolle spielen.

Bilderstrecke zum Thema

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Neuer Nürnberger Stadtteil: Noch ein sandiges Niemandsland

Hier war einst der Schrottplatz der Stadt. Jetzt liegt das Areal an der Brunecker Straße, so groß wie die Altstadt, im Tiefschlaf. Irgendwann sollen hier Menschen leben und arbeiten.


 

Claudine Stauber

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