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Kiyos Schweiß und Schweinis Schuh

Nürnberger versteigert im Internet Fußballtrikots für guten Zweck - 08.03.2014

Eine gute Idee: Jens Möller, Sandra Böck und Thomas Rudolf (von links) präsentieren Trikots von Fußballern — Shirts und Fußballschuhe werden für einen guten Zweck im Netz versteigert. © Roland Fengler


Jens Möllers neueste Errungenschaft ist weiß, hat lange Ärmel. Es ist ein Auswärtstrikot des 1. FC Nürnberg, Größe M, Rückennummer 13. Die trägt beim Club seit vergangener Saison Hiroshi Kiyotake. Und auch dieses Trikot, das bei Jens Möller zu Hause liegt, hat der kleine Japaner schon angehabt — bei einem Bundesligaspiel. „Matchgetragen“ nennt Möller ein solches Trikot. Ob — obwohl gewaschen — winzige Schweißpartikel in den Mikrofasern hängen? Das ist egal, der Wert ist derselbe.

Und genau um den geht es dem 36-jährigen Möller. Er will das Trikot, das der Club-Star auch noch unterschrieben hat, nämlich nicht für sich. Er will es versteigern — für einen guten Zweck.

Lieber Unterstützung als Stoff

„Trikots ohne Grenzen“ heißt die Aktion, die der Nürnberger vergangenes Jahr ins Leben gerufen hat. Das Prinzip ist einfach: Möller und sein Mitstreiter Thomas Rudolf sammeln Fußballtrikots, die sie dann via Auktionsplattform im Netz versteigern; der Reingewinn geht an verschiedene karitative Projekte — aktuell beispielsweise nach Syrien, Äthiopien und die Philippinen. „Dort werden provisorische Lernräume gebaut, weil der Taifun zig Schulen zerstört hat. In Syrien unterstützen wir Flüchtlingsunterkünfte, in Äthiopien Organisationen, die Brunnen bauen“, zählt Möller auf.

Das Engagement allein ist ehrenwert. Nur: Warum Fußballtrikots? Möller lacht und erklärt, dass die ursprüngliche Idee, die seiner Aktion auch den Namen gibt, eine andere war. Bei der Berichterstattung über Entwicklungsländer bleibt bei dem selbstständigen Berater immer dasselbe Bild hängen: Kinder in Fußballtrikots. Also will er helfen, Trikotsätze sammeln und verschicken. Aber die Hilfsorganisationen, die er anspricht, warnen: „Gebühren, Logistik, Zoll — Geld spenden sei besser, wurde mir gesagt.“ Übrig bleiben vom ursprünglichen Ansatz: die Trikots.

Der Club ist mit dabei

Möller schreibt Fußballvereine an — und findet offene Ohren. Auch der 1.FC Nürnberg will helfen und sendet beispielsweise das Kiyotake-Trikot. Im aktuellen Angebot hat "Trikots ohne Grenzen" aber auch ein signiertes — und getragenes — Trikot von Borussia Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl. Oder, brandneu (aber getragen), das Auswärtstrikot, in dem Augsburgs Kapitän Paul Verhaegh vor wenigen Wochen sogar ein Tor geschossen hat. Zwölf Profi-Mannschaften unterstützen die Aktion bereits. Und einige Fan-Clubs, wie das Bündnis aktiver Clubmitglieder. Die sind eine Goldader, sagt Möller, „weil sie gute Kontakte zu den Spielern haben“.

Im Dezember haben Möller und Rudolf die erste kleinere Versteigerungsrunde gestartet — mit einem Trikot von Club-Spieler Mike Frantz und getragenen Schuhen von Bayern-Star Bastian Schweinsteiger. Das Ergebnis: 1500 Euro. Zehn getragene, teils von der ganzen Mannschaft signierte Hemden stellten die beiden ein. Der Gewinn, das versichert Möller, fließt zu 100 Prozent in die gute(n) Sache(n). Aktuell sucht der Nürnberger — neben Fans, die möglicherweise ein besonderes Trikot spenden wollen — nach weiteren Unterstützern, die für Porto und Verpackung einstehen. Das zahlen die „Trikotsammler“ noch aus eigener Tasche. Bei zwei, drei Versteigerungsrunden im Jahr läppere sich das.

Das „ohne Grenzen“ leben Jens Möller und Thomas Rudolf übrigens vor: Möller ist Club-Anhänger, sein Partner Fan des FC Bayern. Und: Es klappt trotzdem!

www.trikots-ohne-grenzen.de
  

VON TIMO SCHICKLER

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