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Lärm im Delfinarium: Experte hält Belastung für möglich

Video von ProWal kritisch - Tiergarten könne Stress kontrollieren - 26.03.2014 11:35 Uhr

Delfin-Experte Boris Culik sieht den Tiergarten in der Pflicht, die Stressbelastung der Meeressäuger zu prüfen. © Michael Matejka


Prof. Dr. Boris Culik leitet die Firma F³: Forschung/Fakten/Fantasie in der Nähe von Kiel. Im Moment entwickelt sein Unternehmen ein Gerät, das Meeressäuger vor Netzen warnen soll. Für seine Forschungen war er auch schon beim Tiergarten in Nürnberg zu Gast. Er stellt gleich zu Beginn klar: Bei einer möglichen Belastung der Delfine sei wichtig, wie an der Baustelle gebaut wird.

Die Tiere würden nämlich fast ausschließlich Wasserschall hören, Luftschall nähmen die Delfine so gut wie gar nicht wahr. "Würde ein Hubschrauber starten, würde das die Meeressäuger nicht interessieren", so Culik. Bei Arbeiten mit Presslufthammern und ähnlichem könnte der Schall sich aber vom Boden aufs Becken und von dort aufs Wasser übertragen.

Auffällige Verhaltensänderungen sichtbar

Culik sagt klar: Bei einer solchen Lärmbelastung würden die Delfine eindeutige Verhaltensänderungen zeigen. Das äußere sich durch "eine zunehmende Schwimmgeschwindigkeit oder Fluchtreaktionen". So könnten die Säuger versuchen, häufiger aus dem Wasser zu springen. Auch könne die Kommunikation eingeschränkt werden - wenn der Lärm die gleiche Frequenz hat wie die Echoortung der Delfine.

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Dies ist vor allem bei Ultraschall der Fall. Bei Baulärm, der sich über die Erde überträgt, stellt sich die Frage, inwieweit sich dieser mit der Hörempfindlichkeit der Tiere überschneidet. Ebenso richtig hält er aber die Aussage von Tiergarten-Direktor Dag Encke, wonach die Tiere sich an den Baulärm gewöhnt hätten. Das sei bei Menschen und Tieren gleich. Er "kenne Kühe, die neben einem Flughafen leben und nicht aufschauen, wenn ein Flugzeug startet".

ProWal-Video schwer einzuschätzen

Das Video von ProWal ist für Culik schwer zu beurteilen. Darin sind bodenverdichtende Maschinen zu sehen, die in jedem Fall Schall ins Wasser übertragen können. Das gezeigte Verhalten der Tiere könne auf Stress und Lärmbelastung zurückzuführen sein - ebenso aber normales Benehmen sein. Eine nachträgliche Vertonung hält Culik ebenso für möglich. "Wie authentisch und dauerhaft die Belastung ist, ist somit schwer einschätzbar."

Der Tiergarten könne aber in jedem Falle handeln: Durch regelmäßige Blutproben sei es problemlos möglich, Stresshormone nachzuweisen - und notfalls gegenzusteuern. Ebenso könnte ein zweites Becken geöffnet werden, um eine mögliche Fluchtreaktion zu überprüfen. Mit Blick auf die Meldungen aus dem Zoo in Kopenhagen frage Culik sich aber zunehmend, "ob Zoos sich immer ihrer großen Verantwortung gegenüber den Tieren bewusst sind".

Tiergarten: Es gibt keine Anzeichen von Stress

Dr. Nicola Mögel, die Pressesprecherin vom Tiergarten Nürnberg, versichert aber auf Nachfrage der Online-Redaktion: Bislang gebe es keinerlei Hinweise, dass die Tiere durch die Bauarbeiten zusätzlichem Stress ausgesetzt seien. Es liege deshalb auch keinen Grund vor, die Delfine im Innenbecken einzusperren.

Laut Pressesprecherin bedürfe es "keines von außen kommenden Aufrufs, die Tiere besser zu beobachten." Die Delfine seien von besonderem Forschungsinteresse für den Tiergarten und stünden schon seit den 1990er Jahren" unter ständiger Beobachtung" durch Fachleute. 

Vincent Halang/ajs

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