Dienstag, 13.11.2018

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Lebenslanger Kampf gegen Tod und Teufel

Eine umfassende Monografie dokumentiert das gewaltige Werk des 2010 gestorbenen Künstlers Botond - 26.11.2012

Mit seiner letzten Werkgruppe „Das Abendmahl“ schuf Botond eine in den Raum übersetzte Version von Leonardo da Vincis berühmtem Fresko. Die Fotografie von 2009 zeigt den Künstler selbst in seiner Installation. © Aus dem vorgestellten Band


„Sein Leben war gekennzeichnet vom Kampf gegen Tod und Teufel. Beide saßen ihm wohl fester im Genick, als wir es zu erkennen vermochten“, schreibt der Kunsthistoriker Claus Pese im einleitenden Text. Mehr als jede Einzelausstellung offenbart die Werkmonografie, wie Botonds gesamtes Schaffen um existenzielle Fragen des Menschseins kreiste und um die Gewalt, die der Mensch sich und seiner Umwelt antut.

Für den gebürtigen Ungarn, der 1979 nach Nürnberg kam, war die Rolle des Künstlers immer die eines Seismographen der Gesellschaft. Und doch erscheint es in der Zusammenschau seines großen Œuvres fast zwangsläufig, dass ihn sein künstlerischer Weg am Ende zur Spiritualität führte, bis hin zu dem nicht mehr vollendeten Porträtzyklus der 100 Schamanen und der letzten Werkgruppe „Das Abendmahl“.

Am markantesten in Erinnerung sind Botonds mächtiger Werkzyklus „Buch und Bibliothek“, Mahnmal für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes, und die Serie „Schlaf“ mit aus Lkw-Planen geschaffenen Köpfen, deren verletzlicher Ausdruck und nach innen gerichteter Blick in die Tiefe der menschlichen Seele führen.

Der Kopf als Sitz der Seele und des Geistes zieht sich durch Botonds gesamtes Werk. Schon 1984 entstehen erste Köpfe als Graphitzeichnungen, später tauchen sie als Papier-Collagen und Plastiken aus Eisen, Bronze und Chromstahl auf, bis dann die Köpfe aus Lkw-Planen folgen und die „Säcke“ – weit mehr als fratzenhafte Gesichter, die sie zu sein scheinen –, die Serie „Hirn“ und schließlich die 2009 begonnenen Schamanen-Bildnisse. Ganz zum Schluss dann die Selbstporträts, die Botond schon im Wissen um seinen baldigen Tod schuf.

Man kann anhand des chronologisch geordneten Buches sehr schön nachvollziehen, wie sich Botonds Kunst von der Anklage gegen die Zerstörungskraft des Menschen – eindrücklichste Beispiele sind die wuchtig-düsteren Werkzyklen „Echo“, „Zengö“ und „Civitas“ – zunehmend nach innen wendet, hin zum Geistigen und Spirituellen. „Spiritualität ist eine große Gnade, und die Fähigkeit, sie als Teil des Lebens zu begreifen, ein Segen“, bekannte Botond 2009 in einem Interview mit dem ungarischen Autor János Fehér Kurdy.

„Maci – der Bär“

Ein Jahr lang hat Lioba Pilgram an diesem Band gearbeitet, der für sie wichtiger Teil der Nachlasssicherung ist – „damit Botonds Werk lebendig bleibt.“ Pilgram hat dafür auch die selten gezeigten Zeichnungen dokumentiert und treue Wegbegleiter des Künstlers als Autoren gewonnen. Und auch kaum bekannte Facetten von Botond sind hier zu sehen – etwa die ebenso witzige wie melancholische und bitterböse Serie „Maci – der Bär“. Oder die durchaus provokanten fotografischen Selbstinszenierungen. Sie sollen demnächst erstmals in Budapest ausgestellt werden.

„Botond. Das künstlerische Werk“, hrsg. von Lioba Pilgram. 447 Seiten, 50 Euro (plus Porto). Erhältlich unter lioba@botond.net und unter Tel.: 0911/284401

  

REGINA URBAN

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