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Liebe mit Hindernissen: Kippt die Stimmung gegen Flüchtlinge?

Experten warnen auch in Nürnberg vor Fremdenfeindlichkeit - 13.12.2014 06:00 Uhr

„Ich liebe dich Deutschland“ steht auf einem Zettel, den ein Mädchen in einer Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge am Heideloffplatz geschrieben hat.

„Ich liebe dich Deutschland“ steht auf einem Zettel, den ein Mädchen in einer Wohngruppe für minderjährige Flüchtlinge am Heideloffplatz geschrieben hat. © Foto: Roland Fengler


Das hat Christian Mätzler erfahren, der Asylbeauftragte beim Sozialamt der Stadt. Nach Ansicht der Innenminister der Bundesländer, die sich zu ihrer Herbsttagung in Köln trafen, haben sich in der Gruppe Hooligans, Rechtsextremisten und kriminelle Schläger zu einer besonders gewaltbereiten Formation zusammengefunden. „Sie missbrauchen ein politisches Thema, um ihren Hass auszuleben“, erklärte dazu Ralf Jäger (SPD), Innenminister von Nordrhein-Westfalen.

Ein Zentrum der „HoGeSa“ liegt zudem in Franken: Der offizielle Propagandashop, in dem „Fans“ mit entsprechenden Logos bedruckte Shirts und Mützen online kaufen können, wird mit einer Schwabacher Postfachadresse betrieben.

Auch Bernd Moser von der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der in Eibach die in einem Hotel untergebrachten Flüchtlinge betreut, befürchtet: „Wir werden in den nächsten Monaten mit Fremdenfeindlichkeit zu tun haben.“ Wie berichtet, hatten sich bei einer Informationsveranstaltung für die Stadtteile Eibach und Maiach im Juli mehrere anwesende Bürger verärgert über die Pläne der Stadt gezeigt, Mitte 2015 am Nürnberger Hafen eine weitere Sammelunterkunft für Asylbewerber einzurichten. Einige hatten es außerdem ganz offen abgelehnt, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und zu unterstützen – das hatte der Leiter des Sozialamts, Dieter Maly, gefordert.

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Entsetzen_nach_Brandanschlag_auf_Flüchtling-Unterkünfte_urn-newsml-dpa-com-20090101-141212-99-04964_large_4_3.jpg Vorra Vorra
Feuer und Hass: Geplante Flüchtlings-Unterkünfte brannten

Drei geplante Flüchtlingsunterkünfte haben Mitte Dezember 2014 in Vorra (Nürnberger Land) gebrannt. An einem Anbau waren rechtsradikale und fremdenfeindliche Schmierereien angebracht worden. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts auf Brandstiftung.


Davon zeigte sich der Vorsitzende des Vorstadtvereins Eibach-Maiach, Michael Kraus, damals tief betroffen. Inzwischen wisse er aber, so Kraus gegenüber der Nürnberger Zeitung, dass diese Besucher der Veranstaltung gar keine besorgten Anwohner waren. Sondern Rechtsradikale, die versucht hatten, die Diskussion mit ihren Ansichten zu sprengen.

Diese scheinen auf keinen fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Jedenfalls berichtet Bernd Moser: „Wir werden in Eibach überrollt von der Hilfsbereitschaft der Ehrenamtlichen.“ Teilweise müssten die Helfer auf ihren Einsatz warten, bis in der Flüchtlingsunterkunft wieder Bedarf besteht. Trotzdem glaubt Moser: „Die Stimmung kippt!“

Sowohl Mätzler als auch Moser haben am Freitag in Nürnberg an einem runden Tisch zum Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik teilgenommen. Dazu hatte die Landtagsfraktion der Grünen eingeladen. Bei einer Tour durch bayerische Kommunen wollen sie die Ehrenamtlichen kennenlernen und die Situation vor Ort sehen. Das bisherige Fazit von Christine Kamm, der Sprecherin für Asylpolitik und Integration der Grünen im Landtag: „Der Freistaat Bayern improvisiert in der Asylpolitik – und er kann’s einfach nicht.“ 

Ngoc Nguyen (Nürnberger Zeitung)

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