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Literaturpreis der Kulturläden verliehen

Gutes Gespür für Textqualitäten - Denis Leifeld ausgezeichnet für "Spektronisch" - 17.06.2013 21:08 Uhr

Die Gewinner des Literaturpreises der Kulturläden: Meera Theunert (2. Preis), Denis Leifeld (1. Preis) und Saskia Hinze (3. Preis, von links). © Siegfried Straßner


...and the winner is: Denis Leifeld, seines Zeichens Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FAU Erlangen-Nürnberg, erhält den 25. Literaturpreis der Nürnberger Kulturläden für seinen lyrischen Crossover-Text „Spektronisch“. Der Publikumspreis ging an Immanuel Reinschlüssel für seine witzig-boshafte Erzählung „Das Klappern“.

Die Auszeichnung, 1988 vom Journalisten Klaus Schlesiger aus der Taufe gehoben, sei ein Geschenk für die Literaturschaffenden in der Region, sagte Christiane Neudecker, Preisträgerin 2004, in ihrer Eingangsrede im Südpunkt. Sie, die inzwischen beim angesehenen Luchterhand-Literaturverlag untergekommen ist (zuletzt erschien der Roman „Boxenstopp“), erinnerte sich, wie sie anhand von fünf Zeichnungen von Jules Stauber zur Autorin geworden ist, peu à peu und nicht ohne Umwege, „denn auch Musen können sich irren“.

Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht irren im Fall der aktuellen Preisträger, die sich eine Preissumme von insgesamt 1500 Euro sowie ein Zeitschriftenabo teilen dürfen. Neben Denis Leifeld wurden noch Meera Theunert („Drei Seiten“) und Saskia Hinze („Mein Stück Sommer“) mit dem 2. und 3. Preis ausgezeichnet.

Die NN-Rockbühnen-Siegerband von 2010, A Tale of Golden Keys, rollte für die Preisträger den musikalischen Teppich aus, Agnes Bidmon moderierte Lesung und Preisvergabe ohne überflüssige Längen. Nicht nur ihr fiel auf, dass die Uni Erlangen-Nürnberg praktisch alle Preise für sich einheimste. Die FAU als literarischer Talentschuppen, das wär’s doch mal, der neue poetische Farbton für die Corporate Identity.

In der Spiegelglas-Disco „Machine“ in Istanbul sei sein Text entstanden, erzählt Denis Leifeld nach seinem Auftritt. Gedicht, szenischer Monolog, Selbstbespiegelungssuada, Wortspiel, musikalisches Experiment: „Spektronisch“ sei von allem etwas. Eine spartenübergreifende Fingerübung, Sprachspiel und synästhetische Collage „in Zeitlupe“. Gut möglich, dass daraus noch was für die Bühne wird, wie es Theaterwissenschaftler Leifeld, Jahrgang 1982, vorschwebt. Dann wäre er endgültig auf den Spuren seines Vorbilds Elfriede Jelinek.

Witziges Sprachfragment

In jedem Fall ist „Spektronisch“ ein witzig-subtiles Sprachfragment, schwebend leicht, atmosphärisch dicht, was man beim Thema Disco erst mal schaffen muss, und voll selbstironischer Volten. Die Jury um Günter Körner und Madeleine Weishaupt hat eine gute Wahl getroffen.

Ein gutes Gespür für Textqualität bewies auch das Publikum mit seiner Auszeichnung für Immanuel Reinschlüssel und seinen Beitrag „Das Klappern“. Darin geht es um eine nervige Oma, die ihre Umgebung mit ihren Wahnvorstellungen auf Trab hält. „Irgendwas klappert in der Wand“, krächzt sie und „dabei kugeln ihre Augen von einer Seite zur anderen“, während sie ein Aroma von „Alter und 4711 und 50 Jahre alten Häkeldeckchen“ verbreitet.

Immanuel Reinschlüssel, auch mit dem internetnotierten „Duo Schaffenskrise“ aktiv, scheut nicht den bösen Blick, was seinen Texten gut tut und für spontanen Witz sorgt.

Schlussbemerkung zu diesem verdienstvollen, von KuF und Kulturzentrum Nord vergebenen Preis: Mehr als mit Geld wäre den Ausgezeichneten wohl mit Verlagskontakten gedient. Wenn angehende Autoren scheitern, dann in aller Regel daran. Mit städtischer Amtshilfe ließe sich da vielleicht ja was bewegen. Zumal im talentierten Einzelfall.

www.kultur-nord.org 

Dietmar Bruckner

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