Montag, 17.12.2018

|

zum Thema

"Magischer Platz": Nürnbergs Pellerhof erstrahlt wieder

Oberbürgermeister Ulrich Maly findet lobende Worte für das ehrgeizige Projekt - 13.07.2018 16:39 Uhr

Bartholomäus Viatis (gespielt von Hannes Seebauer) traf im Pellerhof seinen Nachfahren Wolfgang Merklein. Hausherr Martin Peller (Gunter Hackel) und seine Cousine Anna (Christine Stubenvoll, von rechts) gesellten sich dazu. © Foto: Roland Fengler


Die Überschrift "Halbfinale" bezog sich jedoch nicht auf die Außenfassade des Pellerhauses, die Enderle ebenfalls gerne rekonstruieren würde, sondern auf weitere Arbeiten im Hof. "Vieles fehlt noch: Vorputz, Deckenverkleidung, Türen, Fußböden, Fenster, Installationen, Beleuchtung", zählte Steinmetz Harald Pollmann in seiner Rede auf. Dennoch zeige der Rohbau, dass die Kritiker der Rekonstruktion, die von einem "Disneyland" gesprochen hätten, falsch lagen – mit Hilfe der überlieferten genauen Dokumentation des Vorkriegszustandes sei es möglich gewesen, "die Hoffassaden als Zwilling des verlorenen Originals wiederherzustellen", führte Pollmann aus. So sei mit dem Hof "ein Kleinod" geschaffen worden, eine "bleibende Zierde" für die Stadt.

Auch Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) sprach von einem "magischen Platz". Zwar seien Architekten und Denkmalschützer skeptisch gegenüber Rekonstruktionen – aber es sei in den 1950er Jahren keine politische Entscheidung gewesen, den Hof nicht wiederherzustellen. "Damals hat schlicht das Geld gefehlt." Auch das vor zehn Jahren mit der Grundsteinlegung begonnene Vorhaben der Altstadtfreunde wäre nicht möglich gewesen ohne private Spender. Laut Pollmann kamen lediglich 12.000 Euro vom Freistaat, den Rest der investierten fünf Millionen Euro musste der Verein selbst zusammenbringen.

Enderle führte aus, dass 174 Personen auf der Stiftertafel verzeichnet sein werden, weil sie mehr als 5000 Euro gespendet hätten. Auch die Nürnberger Zeitung trug mit einer Serie, in der sie Steinspender vorstellte, zum Gelingen bei.

Bilderstrecke zum Thema

"Halbfinale": Festakt zum Abschluss des Pellerhof-Rohbaus

Fast zehn Jahre nach der Grundsteinlegung ist der Rohbau des Pellerhofs vollendet. Der prächtige Schaugiebel präsentiert sich wieder völlig komplett und im festlichen Kleid. Damit hat Deutschlands schönster Renaissancehof seinen alten Glanz zurückerhalten.


Zudem würdigten Enderle und Pollmann die Großspende der Familie Diehl als "Initialzündung" für das Projekt. Werner Diehl, Sohn des verstorbenen Ehrenbürgers Karl Diehl, gehörte denn auch beim Festakt ebenso zu den Gästen wie Wolfgang Merklein, ein Nachfahre des Bartholomäus Viatis, der einst das Pellerhaus erbauen ließ – für 40.000 Gulden, wie Viatis (in einer kleinen Einlage verkörpert vom Schauspieler Hannes Seebauer) selbst kundtat.

Was die Rekonstruktion der Vorder- und Rückfassade des Pellerhauses betrifft, so machte Vereinschef Enderle deutlich, dass er sich diese schon deshalb wünscht, weil der gegenwärtige Zustand Gäste abschrecke. Maly zeigte sich in dieser Frage skeptisch, wenngleich er durchaus einräumte, dass der Egidienplatz schöner gestaltet werden könnte. "Er hat mehr verdient."

Karl-Heinz Enderle möchte ein Experiment wagen: Er schlug vor, für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen "eine Plane mit dem Bild des alten Hauses in der Größe eins zu eins" vor das Anwesen zu stellen. So könne man ausloten, wie die Bürger auf eine solche Rekonstruktion reagieren. "Sollten wir dann überwiegende Ablehnung ernten, werden wir alle Träume vom alten Pellerhaus begraben."

Am Samstag gibt es anlässlich des fertiggestellten Rohbaus von 11–17 Uhr eine Feier mit musikalischen Einlagen im Pellerhof (Egidienplatz 23).  

Marco Puschner

5

5 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg