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Messe Nürnberg: Neue Halle 3A setzt Maßstäbe

Architektur fürs Auge und für die Zukunft - 15.01.2014 14:13 Uhr

Eine in die 3A integrierte Treppe führt auf die nächste Ebene. © Fengler


„Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“ ist eine der vielen, ewig gültigen Weisheiten, die der legendäre Fußballbundes­trainer Sepp Herberger der Welt hinterlassen hat. Übertragen auf die Nürnberg Messe bedeutet die ebenso schlichte wie tiefsinnige Erkenntnis: nach der neuen Halle ist vor der nächsten. Seit Jahren wird auf dem Ausstel­lungsareal in Langwasser, das 1973 seine Premiere erlebte, gebaggert und gebaut, Bestehendes optisch wie technisch geliftet.

Das jüngste Projekt ist die neue Halle 3A, die am Dienstag kirchlich gesegnet wurde. Allein seit 1997 hat die Nürnberg-Messe, deren Haupteigentümer die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern sind, fast 600 Millionen Eu­ro in den Ausbau des Geländes und des Veranstaltungsprogramms in­vestiert. Wer nun glaubt - wie viel­leicht manches Mitglied aus dem Gesellschafterkreis, zu dem auch die hiesige Industrie- und Handels­kammer und die Handwerkskam­mer zählen -, dass die Messe mit der Fertigstellung der 3A die Bau­schaufel aus der Hand legen will, der irrt.

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Mit Gottes Segen: Die Nürnberger Messe hat eine neue Halle

Das Nürnberger Messegelände ist um eine neue Halle erweitert worden. Im Rahmen der offiziellen Einweihung wagte sich unser Fotograf auf einen Streifzug durch das weitläufige Gebäude und hielt seine Eindrücke mit der Kamera fest.


Und zwar gewaltig. „Ein Schmuckstück“ Das machte Roland Fleck, der ge­meinsam mit Peter Ottmann das Unternehmen führt, bei der Feier deutlich. „Mit der 3A haben wir auf der Ostseite den Schlussstein ge­setzt - und auf der Südseite des Ge­ländes einen Scharnierstein.“ 37 Millionen Euro hat das - Original­ton Fleck - „Schmuckstück“ gekos­tet.

Mit dem Gebäude, das ein Ent­wurf des international tätigen Ar­chitekturbüros Zaha Hadid Archi­tects mit Sitz in London und Hamburg ist, wächst die Zahl der Hallen auf 15. Die Ausstellungsflä­che erhöht sich um rund 9000 auf nun 170.000 Quadratmeter. Vor 40 Jahren waren die Nürnberger mit gerade einmal 60.000 Quadratmeter an den Start gegangen.

Die Krux mit den sechs Ecken

In der Bauhistorie der Nürnberg-Messe ist die 3A in jedem Fall ein Meilenstein - technisch wie op­tisch. Das Gebäude wartet an zwei Seiten mit bodentiefen Glasfassa­den auf, was für reichlich Tages­licht im Innern sorgt - jeder Makler würde hier ekstatisch von „lichtdurchflutet“ schwärmen und hätte in diesem Fall Recht.

Natürliche Helligkeit galt lange Zeit als Feind des Ausstellers, so auch bei der Inbetriebnahme des Messegeländes 1973. Architekto­nisch waren die zehn sechseckigen, fensterlosen Hallen mit ihren bun­ten Fassaden seinerzeit der letzte Schrei. Dem damaligen Nürnber­ger Baureferenten Otto Peter Görl gefiel der gewöhnungsbedürftige Grundriss sehr: „Trotz des Fehlens rechter Winkel ist das Messezen­trum keine krumme Sache“, be­schied er Journalisten.

Die einst als innovativ gefeierten Grundrisse bringen die Messema­cher allerdings bis heute immer wie­der schwer ins Schwitzen: Denn die Sechseck-Konstruktion erschwert nicht nur die Aufplanung der Schauen, sondern vor allem auch die Orientierung für die Besucher. Kein Wunder, dass die Nürnberg-Messe längst rechteckig baut, wie sich zum Beispiel an den Hallen 4A und 7A an der Ostseite zeigt.

Auf der Südseite der Halle prägen lamellenartige Elemente die Fassade. © Fengler


Nach Süden erweiterbar

Womit wir wieder bei der 3A und ihrer Scharnierfunktion wären. Mo­mentan misst die Halle, deren schrä­ge Decke zwischen 13 und 20 Meter hoch und von wellenförmigen La­mellen geprägt ist, gut 100 Meter in der Länge. Der Clou: Das Gebäude ist so konstruiert, dass es sich gen Süden relativ einfach erweitern lässt - was perspektivisch auch das Sinnen und Trachten der Messe­chefs ist.

Denn die Südseite ist sozu­sagen die noch offene Flanke des Geländes, die nach einer Neugestal­tung ruft. Doch noch ist das Zukunfts­musik. Jetzt müssen erst einmal die hohen, kreditfinanzierten Investi­tionen verdaut und „es muss kräf­tig Geschäft gemacht werden mit der neuen Halle“, betont Ottmann.

Elefanten zum Vergleich

Apropos Geld: Der Zeit- und Kostenplan für die 3A wurde einge­halten, „was heutzutage ja keine Selbstverständlichkeit ist“, wie sich Fleck nicht verkneifen konnte anzumerken. Die Halle wurde in 18 Monaten realisiert. In dieser Zeit wurden allein knapp 3300 Tonnen Stahl verbaut - „dies entspricht dem Gewicht von 660 indischen Ele­fanten“, rechnete die Messegesell­schaft vor, die auf dem Subkonti­nent eine Tochterfirma hat.

Ihre erste Belastungsprobe hat die 3A bestanden, wie Regional­bischöfin Elisabeth Hann von Wey­hern, die mit Regional- und Stadt­dekan Hubertus Förster die Seg­nung vornahm, mit Blick auf die musikalische Untermalung durch einen Posaunenchor verschmitzt an­merkte. Diese Instrumente haben ja, wie es in der Bibel heißt, schon einmal Mauern einstürzen lassen. 

VERENA LITZ

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