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Pariser Vorbild: So könnten Nürnbergs Umladehallen aussehen

Für die geplante Universität Nürnberg dient ein Start-Up-Campus als Vorlage - 25.04.2018 10:44 Uhr

Die "Station F" in der französischen Hauptstadt Paris ist ein echter Hingucker. © Patrick Tourneboeuf/Tendance floue


Wenn es nach dem Freistaat geht, sollen sie schon in den kommenden Monaten verschwinden. Doch die Stadtbild-Initiative Nürnberg kämpft vehement für den Erhalt der alten Umladehallen am ehemaligen Südbahnhof. An Ideen zur Umnutzung der Bauten mangelt es nicht, ein passendes Vorbild steht in Paris. Nun kommt auch Unterstützung aus der Landtags-Opposition.

Derzeit liegt das Areal an der Brunecker und Ingolstädter Straße, auf dem in den kommenden Jahren ein kompletter Stadtteil samt neuer Universität entstehen soll, im Dornröschenschlaf. Die Natur hat sich das Gelände zurückerobert. 

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Paris als Vorbild: So könnten die Umladehallen in Nürnberg aussehen

Paris zum Vorbild: Ein Bahnhof, in dem Büroräume, Hörsäle, Restaurants und Schienen miteinander vereint sind. Der Startup-Campus "Station F", der vergangenes Jahr in Paris eröffnet worden ist, bietet seinen Studenten genau das.


Betreten darf man aktuell keine der vier Hallen, der Eigentümer Aurelis lässt das aus Sicherheitsgründen nicht zu. Doch die Dimensionen der Anlage, auf deren Fläche wahrscheinlich die neue Universität Nürnberg entstehen soll, lassen sich auch beim Blick von außen erahnen. Rund 300 Meter lang und 120 Meter breit sind die Gebäude, insgesamt geht es um eine Fläche von 37.000 Quadratmetern, die gleich mehrere Epochen der Ingenieurskunst dokumentiert. 

Hier hängen die Büros direkt über den ehemaligen Gleisen: Im Pariser Start-up-Campus "Station F" wurde ein stillgelegter Bahnhof in eine moderne und funktionale Universität verwandelt. © Patrick Tourneboeuf/Tendance floue


 Elf Gleise überdacht 

Ursprünglich zu Beginn der 1930er Jahre mit einer Holzfachkonstruktion gebaut, wurden die im Krieg beschädigten Hallen in den 1950er Jahren mit Spannbetonbögen wiederhergestellt. Zwei neuere Gebäude kamen in den 60er Jahren dazu. Noch 1985 wurde die Umladestelle, die mittlerweile elf Gleise überdachte, zum 150-jährigen Eisenbahnjubiläum als leistungsfähiger Betrieb präsentiert. Doch da sich der Stückguttransport mehr und mehr auf die Straße verlagerte, war 1998 Schluss.

Seitdem stehen die Hallen leer, doch von der Konstruktion her seien sie noch in Ordnung, versichert Architektin Brigitte Sesselmann. Das habe ein Statiker des Vereins bereits untersucht. Auch Ideen zur Nutzung der Anlage hat Bau Lust gemeinsam mit der Stadtbild-Initiative und "Geschichte für Alle" bereits zusammengetragen. Zu sehen waren sie bis vor wenigen Tagen im Museum Industriekultur im Rahmen der Ausstellung "Vergessen im Süden?".

Paris als Vorbild

Besonders aufschlussreich ist in den Augen der Macher der Blick nach Paris. Dort ist in einer vergleichbaren Halle erst im vergangenen Jahr der nach eigenen Angaben weltgrößte Campus von Start-up-Unternehmen, "Station F", entstanden. Mehr als 3000 Arbeitsplätze, Restaurants, Cafés, Tagungsräume — und das alles unter einem Dach. Wie Waben kleben die Büros der Existenzgründer an den Wänden, moderne und historische Architektur verbinden sich.

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Industriekultur: So sieht es im Inneren der Umladehallen aus

Das Museum Industriekultur widmet dem einst größten Warenumschlagsort Europas die Sonderausstellung "Vergessen im Süden". Die Schau soll auch eine Debatte anstoßen, wie man sie künftig nutzen könnte. Im Moment sind es vor allem Künstler und die Natur, die dem Gebäude Leben einhauchen. Die Ausstellung ist zu den regulären Öffnungszeiten (Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr) zu sehen.


Eine Idee auch für Nürnberg, finden Sesselmann und ihre Mitstreiter Wolf Hergert von "Geschichte für Alle", Elmar Hönekopp von der Stadtbild- Initiative und die Stadtheimatpflegerin Claudia Maué. 

Auch Sesselmann hält ein Konzept nach dem Pariser Vorbild für finanzierbar. Schließlich könne man bei der Nutzung als offene Hülle zum Beispiel auf eine teure Dämmung verzichten. "Wenn man sieht, wie attraktiv das ist, würde das ja auch zu der geplanten Uni passen", ergänzt Hönekopp. Doch fürchtet er, dass schon vor Beginn einer öffentlichen Diskussion um das Objekt Fakten geschaffen werden. Für die Staatsregierung seien die Bauten offenbar ein Störfaktor, den sie möglichst schnell beseitigen wolle.  

Silke Roennefahrt Lokalredaktion E-Mail

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