Mittwoch, 12.12.2018

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Puppentheater Salz und Pfeffer feiert 30. Geburtstag

Die Schmidts und ihre Kinder - 04.07.2013

Das Salz und Pfeffer-Team (Wally Schmidt, Ralph Zitzelsberger, Paul Schmidt, von links) haucht den Puppen Leben ein. © Roland Fengler


Demnächst packen die Schmidts die Koffer. Es geht nach Japan und Korea, im Gepäck reist die Familie Stockmann mit, vier Musiker sind auch dabei. In Indien haben sie das Stück über einen Stecken mit standhaftem Charakter nach dem Bilderbuch von Axel Scheffler und Julia Donaldson schon gezeigt, jetzt folgen weitere Festivals in Asien.

Dass sie sich so weit von ihrem eigenen schmucken Haus am Plärrer weg wagen und in fernen Ländern ihren „Stickman“ mit Live-Musik zeigen, liegt vor allem daran, dass der Stockmann Englisch spricht. „Die Szene für internationales Kindertheater ist überschaubar“, sagt Wally Schmidt. Ihr Theater Salz und Pfeffer gehört dazu.

Programm auch für Erwachsene

Zu Hause in dem vor einem Jahr umgebauten Theater, das zuvor ein Kino und davor ein Kaffeehaus war, warten unterdessen Zapperdockel, Wok, gestiefelter Kater und ein eingebildeter Kranker. Wenn die Schmidts nicht auf Tour sind, erwecken sie die Figuren vormittags oder am Nachmittag für Kinder und am Abend für Erwachsene zum Leben.

„Ich habe es nie bereut“ — so ein Satz kommt ganz spontan, wenn man Paul Schmidt nach seiner Puppenspieler-Karriere befragt. Nach dem Studium lehnte er einen attraktiven Job als Sozialpädagoge ab — und hat seither genauso sein Metier gefunden wie seine Frau. Sie schufen ihr kleines Theater — anfangs in Gibitzenhof, wo heute noch die Werkstatt ist — in einer Zeit, als Aufbruchstimmung herrschte in der Nürnberger Kulturszene. Auch die Kollegen von Mummpitz, Pfütze und Rootslöffel fingen damals einfach an, gutes, entstaubtes Theater für Kinder zu machen. Mit der Erfahrung kam die Professionalität.

Heute läuft es andersrum, der Nachwuchs, der vor allem an der Berliner Ernst-Busch-Schauspielschule ausgebildet wird, sucht einen Job mit einigermaßen sicherer Bezahlung. „Wir müssten uns dringend verjüngen“, sagt Wally Schmidt. Da zeigt sich aber, dass Nürnberg kein gutes Pflaster ist für junge Puppenspieler, die ihre Leidenschaft als Beruf sehen.“

Über das leidige Thema Geld müssen die Schmidts und ihr Mitarbeiter Ralph Zitzelsberger immer wieder diskutieren. „Wir leben vom Theater, aber das geht nur mit Idealismus.“ Der ist ihnen in drei Jahrzehnten noch nicht abhandengekommen, der Umbau mit lichtem, endlich ausreichend großem Foyer hat auch einen Besucherschub gebracht. Weitere Ideen warten — egal ob fürs Kindertheater oder für das Erwachsenenprogramm. Das zieht zunehmend auch Touristen an, stellen die Theatermacher fest.



Der Zahn der Zeit nagt aber an den Kollegen aus Schaumstoff, Holz oder Pappe: Bei der Geburtstagsfeier mit Livemusik und Häppchen aus den zahlreichen eigenen Stücken wird deshalb zur PuppenPatenPartnerBörse geladen: „Einige unserer Mitspieler brauchen dringend einen Friseurbesuch oder eine Teint-Auffrischung“, sagt Wally Schmidt. Oberbürgermeister Ulrich Maly hat sich als Schirmherr gleich ein nützliches Patenkind ausgesucht: Toinette, das Dienstmädchen von Molières „Eingebildetem Kranken“.

Feier am 6. Juli, 20 Uhr, im Theater Salz und Pfeffer am Plärrer. www.theater-salz-und-pfeffer.de

Bilderstrecke zum Thema

Nürnberger Puppentheater Salz und Pfeffer wird 30 Jahre

Seit 30 Jahren hauchen Wally und Paul Schmidt ihren Puppen Leben ein. Begonnen hatte alles an einem Straßenfest in Nürnberg. Mittlerweile ist das Theater Salz und Pfeffer überregional bekannt und erfolgreich.



  

Katharina Erlenwein, Nürnberger Nachrichten

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