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Quelle-Areal in Nürnberg kommt unter den Hammer

Versteigerung ist für 9. Juni angesetzt - Verkaufswert: 31,7 Millionen Euro - 11.03.2015 17:30 Uhr

Das Quelle-Areal soll im Juni unter den Hammer kommen.

Das Quelle-Areal soll im Juni unter den Hammer kommen. © Stefan Hippel


Eigentümerin der Grundstücke ist die Valbonne Real Estate B.V., ein niederländisches Unternehmen. Weil die Grundstücke bereits zuvor zugunsten der Bank Credit Suisse beschlagnahmt wurden, kann die Versteigerung außerhalb des Insolvenzverfahrens erfolgen, das gegen die Grundstückseigentümerin in den Niederlanden geführt wird.

Ein im Jahr 2013 mit der Investmentfirma Sonae Sierra geschlossener Kaufvertrag über die Grundstücke wurde nicht vollzogen und hat daher an der Eigentumslage nichts geändert. Die portugiesische Firma, die vor allem Einkaufszentren baut und betreibt, verfügt zwar über eine Kaufoption, wollte sich aber bisher nicht festlegen. Ursprünglich wollten sich die Portugiesen im vergangenen März entscheiden, ob sie die 260.000 Quadratmeter große Immobilie kaufen oder nicht. Doch bei der Zwangsversteigerung haben sie bereits einen Fuß in der Tür. Mit einem Vorabgebot sichert sich Sonae Sierra den Zuschlag und kann gleichzeitig die 174 Mieter binnen drei Monaten aus den Räumen schmeißen. "Das ist unser Hauptmotiv, sonst hätten wir Quelle schon längst kaufen können", sagt Binder gegenüber den Nürnberger Nachrichten.

Theoretisch konnten die aktuellen Mieter jederzeit die Kündigung für ihre Ateliers und Werkstätten erhalten. Das wollen diese zwar verhindern und haben die Initiative "Wir kaufen die Quelle" ins Leben gerufen. 25 Millionen Euro wollten sie zusammenbekommen, um eine Stadt in der Stadt aufzubauen. Doch die Investmentfirma plant die Zukunft des ehemaligen Versandzentrums ohne die bisherigen Mieter.

Nürnbergs Oberbürgermeister schließt Kaufoption nicht aus

Sehr entspannt gibt man sich in der Stadtspitze, wenn es um die Zwangsversteigerung geht. An den Rahmenbedingungen verändere sich schließlich nichts, sagt Oberbürgermeister  Ulrich Maly auf Anfrage. Sowohl der  Denkmalschutz, als auch die Planungshoheit der Stadt und die festgezurrten Einzelhandelsflächen blieben auch nach einer Versteigerung  bestehen.

Maly bestätigte, dass die Stadt sich durchaus als künftige Mieterin respektive Käuferin eines Teils des umgebauten Quelle-Gebäudes sieht.  Das Jugend- und Sozialamt Dietzstraße, an dessen Stelle eines fernen Tages die neue Einfahrt zum Frankenschnellweg liegen wird, könnte an die Fürther Straße umziehen.  Aber auch ein Ausweichquartier für die vielen Nürnberger Schulen, die in den nächsten Jahrzehnten saniert werden müssen, kann sich der OB durchaus auf Quelle vorstellen.

"Wir sind extrem unaufgeregt", kommentiert auch Baureferent Daniel Ulrich die Lage.  Eine Versteigerung "wäre gar nicht so schlecht", findet er.  Es habe schon einmal einen Versteigerungstermin gegeben, der wieder abgesagt worden sei.  Wenn es am 9. Juni klappt und ein neuer Eigentümer gefunden würde, wäre das für Ulrich nur erfreulich.  "Wir wären sehr froh, wenn wir endlich mit jemandem sprechen könnten, dem Quelle wirklich gehört." Im Übrigen nimmt der parteilose Baureferent an, dass die Gläubiger der insolventen Versandhauses "endlich Geld sehen wollen". Zudem gebe es  eine Reihe hochprofessioneller anderer Interessenten, die sich um das Quelle-Zentrum reißen würden. Sollten die Künstler Ende 2016 ihre Ateliers auf AEG aufgeben müssen, weil der Freistaat hier Lehrstühle errichtet, sieht Ulrich in Quelle ein pasendes Alternativ-Quartier.

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Ganz anders wertet CSU-Fraktionschef Sebastian Brehm den Versteigerungstermin. "Jetzt tritt ein, was wir immer prophezeit haben", sagt der Kommunalpolitiker. Die Flächen rund ums Versandhaus seien weitgehend gewinnbringend verkauft ("Die Rosinen sind weg") und die Eigentümer blieben auf der denkmalgeschützten Immobilie sitzen. "Ein Desaster", sagt Brehm, doch der Stadt habe leider der Mut zum Kauf gefehlt. 

Auf einem Teil des früheren Quelle-Geländes in Nürnberg werden in den nächsten Jahren 314 Wohnungen samt eines Parks entstehen. Im Frühjahr 2015 will das Fürther Unternehmen GS Schenk mit dem Bau beginnen. Dieses Bauprojekt ist von der Versteigerung nicht betroffen, da die Wohnungen auf einem angrenzenden Areal errichtet werden sollen.

Bekanntlich hatten die Christsozialen gefordert, die Kommune solle das Areal erwerben und einen Teil davon abreißen. Dann hätte sich der Freistaat  mit  seinen neuen Lehrstühlen nicht gegenüber auf AEG einkaufen müssen, sondern hätte auf der anderen Straßenseite bauen können, wo Quelle steht.

Versteigerungstermin steht nur vorläufig fest

Das Vollstreckungsverfahren kann auf Antrag der Gläubigerin jederzeit eingestellt werden. Einem freien Verkauf an einen Privatinvestor stünde dann nichts mehr im Weg.

Bis zur Versteigerung steht das Gelände unter Zwangsverwaltung. Das Gericht hat im ersten Versteigerungstermin von Amts wegen den Zuschlag zu verweigern, wenn nicht mindestens die Hälfte des Verkehrswerts geboten wird. Angesetzt ist dieser auf 31,7 Millionen Euro. Werden weniger als 7/10 des Verkehrswertes geboten, kann der Zuschlag unter bestimmten Voraussetzungen auf Antrag der Gläubigerin versagt werden.

Das Quelle-Areal besteht aus mehreren Einzelgrundstücken und ist insgesamt 72.189 Quadratmeter groß. Es umfasst sowohl das aus den 50er und 60er Jahren stammende und unter Denkmalschutz stehende Versandzentrum, aber auch den Quelleturm, der als eines der Wahrzeichen Nürnbergs gilt.

Als Versteigerungstermin ist der 9. Juni 2015 angesetzt.

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Derzeit arbeiten um die 250 Mieter in dem riesigen Quelle-Gebäude. Ein Rundgang.


Der Artikel wurde zuletzt am 11. März 2015 um 17.30 Uhr mit den Reaktionen von Sonae Sierra, Ulrich Maly, Daniel Ulrich und Sebastian Brehm ergänzt, die Redaktion.
  

nb/Claudine Stauber (Nürnberger Nachrichten)

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