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Sanierung der Zeppelintribüne kostet 73 Millionen Euro

Auch das Zeppelinfeld soll mit dieser Summe grundlegend saniert werden - 07.10.2016 21:07 Uhr

Die Zeppelintribüne ist Nürnbergs Sorgenkind. Lange Zeit wussten Verantwortliche nicht, wie sie mit dem NS-Bau umgehen sollen. © Horst Linke


Eines ist Nürnbergs Baureferenten Daniel Ulrich wichtig: Die Zeppelintribüne wird nicht restauriert, sondern lediglich saniert. Was klingt wie eine sprachliche Spitzfindigkeit, hat auch symbolischen Charakter. Denn glorifizieren, überhöhen, es zur Pilgerstätte machen - das will Ulrich beim ehemaligen Reichsparteitagsgelände der Nationalsozialisten auf keinen Fall.

Der Ist-Zustand der Zeppelintribüne und des angrenzenden Zeppelinfelds war lange unklar. Auch deshalb ließ die Stadt zu Testzwecken probesanieren. Drei Millionen kostete das - drei Millionen, die offenbar gut investiert waren, denn: Jetzt liegt eine konkrete Kostenschätzung für die Arbeiten an dem Prestigeprojekt der NS-Zeit vor.

Am Freitagmittag teilte die Stadt nun die Ergebnisse der Kostenschätzung mit: Insgesamt etwa 73 Millionen Euro müssen investiert werden, um die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld wieder "trittsicher" zu machen, wie die Stadt es formuliert. Dabei entfallen 60 Prozent der Kosten auf die Tribüne, 40 Prozent auf das Areal drumherum.

200.000 Menschen suchen Tribüne jährlich auf

Als Bauzeit haben die Verantwortlichen erst einmal zwölf Jahre veranschlagt. Eine seriöse Schätzung, denn: Eine derart lange Zeitspanne sei wegen der ungeheuren Dimensionen der Baumassen nötig. Schließlich könne man nicht sämtliche Steinmetze der Region mit der Aufgabe betreuen, um schneller fertig zu werden. Dies würde die Kosten weiter in die Höhe treiben.

Ulrich unterstrich gleichzeitig, dass es nur um eine Sicherung der gesamten Anlage geht: Schließlich würden rund 200.000 Menschen diesen Ort pro Jahr aufsuchen. Das Kulturreferat betonte die Notwendigkeit der direkten Erfahrbarkeit: "Nur der sichere Aufenthalt auf und in den Bauten garantiert die unmittelbare Auseinandersetzung und Aufklärung über die Propaganda-Architektur, die Bücher, Fotos und Filme alleine nicht bieten können."

Auch der "Goldene Saal" soll geöffnet und museal genutzt werden. "Ziel ist es, bisher verschlossene Türen zu öffnen, um keine Mystifizierung der Bauten entstehen zu lassen", sagt Kulturreferentin Julia Lehner, die bereits ein inhaltliches Konzept ausarbeiten ließ.

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tl, hv

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