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Seltene Füller aus der Vorkriegszeit

Erste Börse für Schreibgeräte-Sammler war ein Erfolg - 09.06.2008

Zur ersten Börse für Schreibgeräte-Sammler im Ofenwerk kamen die Füller-Fans nicht nur aus Deutschland, sondern wie Eizo Fujii, ein Händler aus Tokio, bis aus Asien. © Uwe Niklas


Das «Ofenwerk« ist bekannt als Ausstellungsort für beeindruckende Oldtimer. Flankiert von Dodge, Jaguar und Isetta war die große Halle am vergangenen Samstag das Dorado für alle Schreibgerätesammler. Hier ein massiv goldener Füllhalter der Marke Kaweco, dort ein Faber-Castell «New York« von 1900 - da versucht man, die Aufmerksamkeit nicht auf den eigenen giftgrünen Werbekugelschreiber der AOK zu lenken.

Organisiert wird die Börse von Michael Gutberlet, der sich in der glücklichen Lage befindet, den ganzen Tag seinem Hobby nachgehen zu können. Bereits in den 50ern war sein Vater in der hiesigen Bleistiftindustrie tätig. 1995 konnte Gutberlets in Langwasser ansässige Firma für Schreibgeräte und Kosmetikstifte die Namensrechte für Kaweco erwerben. Kaweco entstand aus der 1883 gegründeten «Heidelberger Federhalterfabrik" und sollte Heidelberg in kurzer Zeit zum Nabel der Deutschen Füllhalterindustrie machen.

Seit zwei Jahrzehnten ist Gutberlet mittlerweile selbst ein passionierter Sammler. Für den 51-Jährigen ist der materielle Wert eines Stückes eher zweitrangig, wichtig ist die Jagd nach dem Besonderen: «Mich bewegt die Machart, die Mechanik, die Funktion. Viele alte Schreibgeräte sind fast schon kleine Kunstwerke.« So hat die Firma «Pelikan« in den 20er Jahren das Kolbensystem erfunden. Bei einer besonderen Spielart dieses Systems wird mit einem Hebel oder Druckknopf ein Gummisack zusammengedrückt und die Tinte kann in die Feder fließen. Auf anderen Exponaten verewigten Goldschmiede Ornamente, Engel oder Blumen auf den Hülsen. Gutberlet nennt solch filigrane Innovationen als Initialzündung für die eigene Sammelleidenschaft.

Das Echo auf die Börsenpremiere sei durchaus zufriedenstellend. 35 Händler sind anwesend, die Palette reicht von Geräten im Wert von einem Euro bis zu 9000 Euro. Die Gäste rekrutieren sich aus dem gesamten Bundesgebiet und auch Koryphäen aus dem europäischen Ausland, der USA oder Südamerika fanden den Weg nach Nürnberg. Die Zeiten, in denen man seltene Stücke auf Flohmärkten oder in Antikläden erwerben konnte, seien vorbei. «In Deutschland gibt es mittlerweile Hunderte von Füllfederhalter-Enthusiasten. Da muss man sein Jagdrevier entweder ins Ausland erweitern oder die Messen in Hamburg, Köln oder eben Nürnberg besuchen«, erläutert Gutberlet.

Heute sind noch Städtler, Schwan-Stabilo oder Faber-Castell gängige Namen, vor dem 2. Weltkrieg war die Zahl der Schreibwaren produzierenden Firmen in Nürnberg und Umgebung um ein vieles höher. So gab es in Fürth die Firma Aristokrat, deren Füllhalter heute sehr selten sind. Kein Wunder, wurden die Stifte doch in den Kriegswintern aus Mangel an anderen Brennstoffen verheizt, so Gutberlet. Auf dem Verkaufstisch von Jürgen Kuhse liegen nebeneinander 13 schwarze Füllfederhalter. Für einen Laien sind diese auch auf den zweiten Blick identisch, nicht so in den Augen des Kölners. «Die Füllfederhalter unterscheiden sich in Größe oder Modellnummer. Es gibt auch eine Zwischengröße, die nur ein Jahr produziert wurde.«

Für den 40-Jährigen geht es ebenfalls primär um die Jagd nach dem Exoten: So stellte Pelikan einst 200 Füller in der Farbe «sea green« her. Damals ein absoluter Ladenhüter, der heute für manche Schreibgerätesammler quasi mit der Blauen Mauritius gleichzusetzen ist. Zum Glück seien Stifte für Diebe und Hehler uninteressant. Das verhältnismäßig wenige Gold lohne sich nicht zum Einschmelzen und außerhalb des engen Sammlerzirkels könne man nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes erzielen.

Die heutigen Schreibgeräte charakterisiert Kuhse folgendermaßen: «Schreibt auch, hat aber nicht richtig Kultur«. 

Thomas Susemihl

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