Donnerstag, 13.12.2018

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Software für Einsatz in Antarktis und Industrie

Die Paessler AG hat Produkte für die Überwachung von digitalen Netzwerken entwickelt und beliefert Kunden in aller Welt - 31.10.2014 08:00 Uhr

Kommunikation per Tablet-PC: Ein Mitarbeiter eines Industriebetriebes fotografiert ein Werkzeugteil ab. Auch in Bezug auf die vernetzte Fabrik der Zukunft werden digitale Netzwerke zusehends wichtiger. © dpa


Das Stichwort „Überwachung“ von Computernetzwerken mag im ersten Moment beim ein oder anderen Privatnutzer die Alarmglocken läuten lassen und Gedanken an die US-Datensammler von der NSA wecken. Doch die Kontrolle von Netzwerken hat auch eine andere Dimension, die in einer digitalisierten Welt immer wichtiger wird: nämlich die, sicherzustellen, dass Netzwerke in Handel, Verwaltung und Produktion richtig funktionieren.
In diesem Feld ist auch die Nürnberger Softwareschmiede Paessler AG mit von der Partie. Das Unternehmen hat Produkte entwickelt, die Systemadministratoren mit Kurven und Grafiken einen schnellen Überblick über das hauseigene System ermöglichen. Das Hauptprodukt ist der sogenannte PRTG Network Monitor. Damit wird etwa die ordnungsgemäße Breitbandleistung überwacht oder der reibungslose Betrieb von Rechnern, Anwendungen oder Geräten kontrolliert.
Fallen Server, Webseiten, lokale Netzwerke aus oder werden Abweichungen von bestimmten Grenzwerten festgestellt, versendet eine spezielle Monitoring-Software eine Warnung per E-Mail oder SMS an den IT-Chef. „Damit haben wir Probleme gelöst, die auf der ganzen Welt bestehen“, konstatiert Gründer und Vorstand Dirk Paessler selbstbewusst.

Dirk Paessler, Vorstand und Gründer der Paessler AG. © PR


Grenzen der Anwendung kann er selbst kaum entdecken. Mit der Überwachungssoftware lasse sich „von der industriellen Walzstraße bis zur Kaffeemaschine mit Internetanschluss“ alles kontrollieren.
So werde in einigen australischen Krankenhäusern PTRG nicht nur zur Kontrolle der Krankenhaussoftware eingesetzt. Auch die Temperatur in den Kühlräumen für Blutkonserven wird automatisiert überwacht und hat Kontrollgänge im zweistündigen Turnus überflüssig gemacht. In Neukaledonien, einer Inselgruppe im südlichen Pazifik, nutzt ein Garnelenzüchter die Nürnberger Software, um Temperatur des Wassers, Salzgehalt und pH-Wert via Smartphone ständig im Blick zu haben.

Großkunde USA

In 200 Staaten setzten rund 150 000 Nutzer die Paessler-Software ein, obwohl die offizielle UNO-Liste nur 193 Länder ausweist. Dahinter würden sich eben auch pazifische Inseln oder Anwender einer Forscherstation in der Antarktis verbergen. „Headquarter ist und bleibt aber Nürnberg“, ergänzt Vorstandskollege Christian Twardawa, auch wenn der deutsche Umsatzanteil nur bei 15 Prozent liege. Die USA sind „der größte Einzelmarkt“.
Im vergangenen Jahr sprang der Umsatz um 43 Prozent auf 14,5 Mio. •. Die Zahl der Mitarbeiter kletterte zum Jahresende auf 74 Beschäftigte. Im laufenden Jahr wolle man „das Wachstumstempo auf 30 Prozent drosseln“, damit Prozesse, Service und Personalsuche Schritt halten können. Im September lag die Mitarbeiterzahl bereits bei 101, bis Jahresende könnten noch einige hinzukommen.
Die Wurzeln seines Geschäfts hatte Langzeitstudent Paessler – „es waren ungefähr 15 Semester“ — während seines Elektronikstudiums gelegt. Neben den Vorlesungen programmierte er, unter anderem eine Websuchmaschine für einen Verlag. Als der wissen wollte, wie viel User eigentlich gleichzeitig die Suchmaschine nutzen könnten, schrieb er kurzerhand ein Testprogramm. Das bot er gleichzeitig als Shareware für 35 Dollar an, nach „drei Tagen gab es den ersten Käufer aus den USA“. Das war 1997.
2001, am deutschen Markt fand gerade der „Dot-Com-Crash“ statt, wandelte er sein Einzelunternehmen in eine GmbH um, vier Jahre später firmierte er als AG. Auf diese Weise könne er Mitarbeiter direkter am Erfolg beteiligen.
Die zweistellige Umsatzrendite bezeichnet Twardawa als „branchenüblich“, 55 Mitarbeiter sind zugleich Aktionäre. Paessler will auf diese Weise Identifikation des Personals mit dem Unternehmen und die Strategie tiefer verankern. „Die beteiligten Mitarbeiter verstehen so besser, wohin wir wollen.“
Das Unternehmen setzt aber auch auf eine Fehlerkultur im eigenen Haus. Mal etwas falsch zu machen, gehöre zum innovativen Arbeiten dazu. Vorstand Paessler hat intern eine klare Parole zum Umgang damit ausgegeben: „Hinfallen, wieder aufstehen, Krone zurechtrücken und weitermachen!“ 

THOMAS TJIANG

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