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Stadtbild-Initiative Nürnberg will Altbaufassaden retten

Lifting kann auch Häuser hässlich machen - 25.10.2013 10:51 Uhr

Abschreckendes Beispiel: die Mathildenstraße 13. Die Außendämmung hat die Fassade wie bei einem Lifting glatt und langweilig gemacht. © Giulia Iannicelli


Gegründet hat sich diese Initiative vor einem Jahr, als es der Fassade des Anwesens Adamstraße 41 an den Kragen gehen sollte. „Die Diskussion um diese konkrete Maßnahme hat uns bewusst gemacht, dass eine generelle Auseinandersetzung mit der Entwicklung des Stadtbildes Nürnbergs notwendig ist“, meint Elmar Hönekopp als Sprecher der Initiative. Ihr gehören die Vereine Altstadtfreunde, Baulust, Geschichte für Alle, die Stiftung Stadtökologie und engagierte Einzelpersonen wie etwa Stadtheimatpflegerin Claudia Maué an.

Bei der Adamstraße 41 konnte das Schlimmste verhindert werden, findet Hönekopp – die Sanierung stellt für ihn und seine Mitstreiter einen „Dreiviertel-Erfolg“ dar. Im Großen und Ganzen sei die Modernisierung gelungen, nur die Fenster sind der Gruppe ein Dorn im Auge.

Doch die energetische Sanierung schreitet – gerade im Gründerzeitviertel um den Fenitzerplatz – weiter voran. Wo heute noch Sandsteinfassaden im Stil der Neorenaissance, des Nürnberger Stils oder des Jugendstils den Straßenzügen ein unverwechselbares Flair verleihen, können langweilige Einheitsfassaden schnell dafür sorgen, dass die besondere Atmosphäre verlorengeht.

Denn nur bestimmte Häuser stehen als Einzeldenkmal unter Schutz; der Ensembleschutz greift bei Dämmungen nicht. Auch diesen Mangel kritisieren die Mitglieder der Initiative, etwa Altstadtfreunde-Chef Karl-Heinz Enderle: „Es ist doch absurd, dass man immer wieder ein Einzeldenkmal schaffen muss, weil es über den Ensembleschutz nicht funktioniert.“

Die Stadtbild-Initiative Nürnberg will nicht einzelnen Hauseigentümern die Schuld für missglückte energetische Dämmung in die Schuhe schieben. Sie will aber zeigen, dass energetische Anpassung von Altbauten und Denkmalschutz sich nicht gegenseitig ausschließen.

Dazu bietet etwa die Stiftung Stadtökologie eine Beratung an, bei der gezeigt wird, wie man energieeffizient sanieren und zugleich schützenswerte Fassaden erhalten kann. Das muss nicht unbedingt mehr kosten. Außerdem gibt es Fördermittel, die Hauseigentümer beantragen können, beispielsweise bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau. Einen Leitfaden zum Thema Wärmedämmung kann man sich beim Dienstleistungszentrum Bau oder bei der Bürgerinformation abholen.

Die Initiative hofft, bei Hausbesitzern und Wohnungseigentümern ein Bewusstsein für den Wert ihrer historischen Häuser zu schaffen, um weitere Bausünden durch Fassadendämmung zu vermeiden. Einer, der dieses Bewusstsein schon entwickelt hat, ist Boris Leuthold, der selbst im Stadtquartier Fenitzerplatz wohnt. Er möchte, das sein Viertel „schön und ansprechend“ bleibt. Er sorgt sich jedoch um Häuser, die demnächst saniert werden sollen: Bei der Mathildenstraße 40 etwa drohe die geplante Außendämmung die Fassadengliederung zu zerstören; Gesimse, die Konsole am Dacherker und Fensterbänke würden wohl abgeschlagen.

Ein Beispiel, bei dem alles schon zu spät ist, zeigt die Initiative ein Stück weiter in der Mathildenstraße, in Richtung Sulzbacher Straße: die Hausnummer 13. Das Gründerzeithaus wirkt nach der Dämmung mit seiner weißen, glatten Oberfläche wie ein langweiliger Neubau, die einst auch in den oberen Stockwerken geteilten Fenster wie leere Augen.

Die Stadtbild-Initiative trifft sich einmal im Monat. „Nürnberg ist unsere Stadt, wir mischen uns ein“, betont Elmar Hönekopp.

Kontakt: www.stadtbild-initiative-nuernberg.de
  

Ute Wolf (Nürnberger Zeitung)

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