Mittwoch, 17.10.2018

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Thomas May schenkt Nürnberg "Wiesen des Wahnsinns"

Kunstaktion: Acht eigentümliche Tröge werden in der Stadt verteilt - 28.04.2013 21:49 Uhr

Lässt sich von Wagner über die Schulter schauen: Thomas May auf Graströgen, die permanent mit den „Meistersingern“ beschallt werden. © Roland Fengler


Gleich acht Mal werden Spaziergänger in der Stadt bis zum 25. Juli auf eigentümliche Tröge treffen, etwa an der Hallerwiese, am Hauptmarkt, an der Katharinenruine und am Richard-Wagner-Platz. Gerade letzterer Standort macht Sinn: Befand sich doch zu Richard Wagners Lebzeiten hier die Landesirrenanstalt...

Bei näherer Betrachtung entdeckt man einen Sonnenkollektor im Etagendeck der Käfige. Die Energiespeicher sind nicht ganz unwichtig, denn wer sein Ohr an die Kästen hält, hört nicht nur das Gras wachsen (in diesem Fall das Deutsche Weidelgras, auch Lolium perenne genannt), sondern kann auch Herrn Herbert von Karajan bei der Arbeit zuhören. In einer Endlosschleife laufen hier die „Meistersinger von Nürnberg“ in einer gar nicht so unüblen Besetzung mit René Kollo als Stolzing, Theo Adam als Hans Sachs, Peter Schreier als David und Helen Donath als Eva.



Das Ganze ist natürlich mit Ironie zu betrachten, so wie Nürnberg das Wagner-Jahr ja auch eher von der leichten und humoristischen Seite nehmen will. Denn Thomas May, der 2004 sein „GrashalmInstitut“ gründete, nennt die ganze Aktion augenzwinkernd „ein künstlerisches Forschungsprojekt“, hinter dem die wichtige Frage steckt: Kann Wagner-Musik das Wachstum befördern helfen? Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Blumen und Kühe durchaus auf Mozart ansprechen, während sie bei AC/DC eher die Köpfe hängen lassen beziehungsweise die Euter eintrocknen.

Für jeden der Tröge wurde ein Betreuungspate gesucht und gefunden, der die Aussaat nicht vertrocknen lässt. Thomas May wird das Wachstum natürlich dokumentieren. Schließlich stellt sich die spannende Frage: Wächst das Weidelgras nach rechts (und spielt somit auf die teilweise unrühmliche Rezeptionsgeschichte der Wagner-Musik an) oder recken sich die Pflanzen aus der Familie der Süßgräser etwa nach links und erinnern somit an die zeitlebens andauernde sozialistische Überzeugung des „Meistersinger“-Schöpfers?

www.nuernberg-spielt-wagner.de

www.grashalminstitut.de

  

jv

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