Dienstag, 25.09.2018

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Trickreicher Eigenbedarf

Verein Mieter helfen Mietern: Ein Mittel zur Vertreibung - 06.07.2018 18:01 Uhr

Cornelia Kuhlmann von Mieter helfen Mietern. Foto: Privat


Frau Kuhlmann, die Mieten sind um 9,2 Prozent gestiegen. Überrascht?

Cornelia Kuhlmann: Gar nicht. In Nürnberg gibt es eine krasse Wohnungsnot, von der Vermieter entsprechend profitieren. Wie hart das die Menschen trifft, erleben wir täglich in den Beratungen.

Welche Probleme treiben diejenigen der 2800 Vereinsmitglieder um, die Ihren Rat brauchen?

Kuhlmann: Nach wie vor sind fragwürdige Betriebskostenabrechnungen ein großes Thema. Aber auch, dass Eigentümer zunehmend mit Eigenbedarf hantieren, setzt Mieter stark unter Druck. Der Klassiker: Ein Haus wird in Eigentumswohnungen umgewandelt, jemand kauft eine Wohnung und will sie mit beträchtlicher Rendite weiterverkaufen. Also meldet er Eigenbedarf an. Wir stellen fest, dass es sehr leicht ist, mit diesem Trick alte Mieter loszuwerden und die leere Wohnung danach viel teurer weiterzuverkaufen.

Aber Eigenbedarf muss doch nachgewiesen werden?

Kuhlmann: Offiziell schon. Unserer Erfahrung nach gibt es leider kaum rechtliche Barrieren, die solche Tricks verhindern. Da zieht zum Schein die Tochter ein, aber nach drei Monaten ist die Wohnung plötzlich wieder auf dem Markt, und zwar unvermietet. Vor Gericht können die vertriebenen Bewohner allenfalls Schadensersatz einklagen, zum Beispiel für Umzugskosten oder eine höhere Miete. In St. Johannis haben wir gerade einen üblen Fall erlebt.

Was ist da passiert?

Kuhlmann: Eine Familie, die dort schon seit den 1970er Jahren gewohnt hat, ist wegen Eigenbedarf vertrieben worden. Sie lebt heute in Oberasbach, in Nürnberg gab es nichts Bezahlbares. Ihre alte Wohnung steht immer noch leer. Am schlimmsten trifft diese Menschen übrigens der Verlust ihres sozialen Umfeldes.

Der Verein Mieter helfen Mietern wirkt — wie der Grund- und Hausbesitzerverein auch — am Mietspiegel mit. Wie hat man sich das vorzustellen?

Kuhlmann: Wir können alle vier Jahre an den Kriterien mitwirken, nach denen Zu- oder Abschläge auf die Miete errechnet werden. Zuletzt kam die sogenannte "Wohnanlage mit Vorteilen" mit U-Bahn, Park oder Einzelhandel in der Nähe dazu, oder das Wohnen mit Nachteilen, etwa an einer lauten Hauptverkehrsstraße.  

Interview: CLAUDINE STAUBER

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