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Verletzter Club-Fan: Zeugen sprechen von Unfall

Aussagen führen Ermittlungen in neue Richtung - Ultras: "Unübersichtliche Auseinandersetzung" - 22.11.2011 09:35 Uhr

Ein 19-jähriger Club-Fan aus Schwabach war am Samstagabend nach der 0:4-Pleite des Club bei Schalke 04 in eine Auseinandersetzung mit Fans des Bundesligisten FSV Mainz 05 im Kölner Hauptbahnhof verwickelt und vor einen Zug gestoßen worden. So lautete der bisher vermutete Ablauf der Geschehnisse vom letzten Spieltag, bei denen der junge Mann schwer verletzt wurde und einen Arm verlor.

Zeugen, die keiner Fangruppe angehören, gaben mittlerweile Hinweise darauf, dass es sich auch um einen Unfall gehandelt haben könnte. „Sie haben ausgesagt, dass der 19-Jährige über die Bahngleise gelaufen war und dabei vor den Zug gefallen sei“, sagte der ermittelnde Kölner Oberstaatsanwalt Alf Willwacher der Nürnberger Zeitung. Die Ermittlungen laufen nun in beide Richtungen. Der junge Fan kann derweil nicht vernommen werden - dafür ist er zu schwer verletzt.

Auch ob es sich bei dem jungen Mann um einen gewaltbereiten Hooligan handelt oder nicht, bleibt unklar. "Dazu sagen wir nichts", sagte der Oberstaatsanwalt Köln, Alfred Willmacher, der die Ermittlungen leitet.

Vor Ort nahm die Kölner Polizei am Samstag zunächst einen Mainzer Anhänger fest, der jedoch mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist, weil sich der Verdacht gegen ihn nicht erhärtete. Inzwischen ermittelt eine Kölner Mordkommission in dem Fall.

In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa, die auch auf unseren Seiten erschien, hatte es geheißen, sowohl der noch flüchtige Täter als auch das Opfer seien der Polizei als Hooligans bekannt und in der Datei „Gewalttäter Sport“ verzeichnet. Auf Nachfrage wollte der zuständige Oberstaatsanwalt Alf Willwacher jedoch nicht bestätigen, dass es sich bei dem Opfer um einen Hooligan handele.

Unterdessen hat die "Rot-Schwarze Hilfe", eine Rechtsschutzgemeinschaft der Club-Fans, mitgeteilt, dass sie über einen Anwalt die Deutsche Presse Agentur aufgefordert habe, ihre "Meldung zu widerrufen und eine strafbewehrte Unterlassungserklärung noch am heutigen Tage abzugeben."

FCN-Sprecherin Katharina Wildermuth sprach am Montag von einem äußerst tragischen und schweren Vorfall, wollte sich aber ohne genaue Kenntnis der Zusammenhänge nicht weiter äußern. Dem Verletzten sprach sie "stellvertretend für die ganze Club-Familie" ihr Mitgefühl aus. Fan-Betreuer Jürgen Bergmann werde den Fan im Krankenhaus besuchen.

„Nach unseren Informationen gehört Andre nicht der Hooligan-Szene an“, sagte Nürnbergs Sportvorstand Martin Bader in einem  auf der Vereinswebseite veröffentlichten Interview. In Medienberichten war der Fan bislang als „Hooligan“ bezeichnet worden.

„Ich glaube, allen ist damit gedient, in der aktuellen Debatte zum Thema "Gewalt im Fußball" zu mehr Sachlichkeit zurück zu kehren. Pauschale Vorverurteilungen helfen niemandem weiter“, sagte Bader weiter und fügte hinzu, der Verein habe die Nachricht „mit Fassungslosigkeit und tiefer Betroffenheit aufgenommen“. Unterdessen meldete sich am Montag auch die Nürnberger Ultra-Gruppierung „Banda di Amici“ zu Wort, der der Verletzte angehört. Die Gruppe sprach in einer Stellungnahme auf ihrer Internetseite von einer „unübersichtlichen Auseinandersetzung“ am Kölner Bahnhof und davon, dass das Opfer weder „körperliche Gewalt gesucht“ habe noch vorbestraft sei. Der Eintrag in der „Gewalttäter Sport“-Datei resultiere aus Vorfällen beim Spiel gegen Bayern München aus dem Frühjahr 2010, in deren Folge das Opfer allerdings von allen Vorwürfen freigesprochen worden sei.

Auch auf den Seiten der Online-Redaktion wird das Thema weiterhin heiß diskutiert. Während einige der Kommentatoren über den möglichen Grad der Mitschuld des Opfers spekulieren, bringen andere ihr Mitgefühl zum Ausdruck und beklagen die „reißerische“ Berichterstattung der Medien. 

cun/bb

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