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Vogel im Interview: "Tiergarten hat eine hohe Akzeptanz"

Nürnbergs Bürgermeister über die Lagune und Gegner der Tierhaltung - 31.05.2017 15:36 Uhr

Der Tiergarten ist nicht nur eine Freizeiteinrichtung. Er dient auch zur Arterhaltung, zu Forschungszwecken und er ist eine Bildungseinrichtung. Manchmal ist er aber nur schön. Ganz besonders, wenn die Delfine springen. © Foto: Eduard Weigert


Warum ist der Tiergarten für Sie von Bedeutung? Grob vereinfacht: Gefangene Tiere hinter Gittern anzuschauen, stößt immer mehr auf Kritik.

Vogel: Der Tiergarten Nürnberg ist eine Forschungseinrichtung. Er kümmert sich um den Artenschutz und um die Fortpflanzung. Er ist nicht nur eine Freizeiteinrichtung, wo man hingeht, wenn das Wetter schön ist. Mit über einer Million Besuchern ist er ein Publikumsmagnet. Wir haben zwar nicht die meisten Tiere im Vergleich zu anderen Zoos, aber eine sehr große Artenvielfalt. Wir sind außerdem ein Landschaftszoo mit sehr schönen Fußwegen.

Die Tiergartengegner machen immer mehr mobil und es ist ja nicht mehr so selbstverständlich, dass man einen Tiergarten hat. Müssen die Verantwortlichen des Tiergartens nicht mehr auf ethische Fragen in der Öffentlichkeit eingehen, um die Akzeptanz der Einrichtung wieder zu erhöhen?

Vogel: Der Tiergarten hat eine ganz hohe Akzeptanz bei der Mehrheit der Bevölkerung. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ist aus verschiedenen Gründen grundsätzlich gegen den Tiergarten. Sie sagen, die Tiere gehören in die freie Wildbahn und haben eingesperrt im Zoo nichts verloren. Deshalb betreiben wir viel Aufklärungs- und Bildungsarbeit. Wir versuchen Schülern zu vermitteln, was im Tiergarten passiert. Warum sind Tiere eingesperrt? Was hat das für Folgen?

Wir bringen den Kindern bei, dass eine Vielzahl der Tieren nachweislich eine längere Lebenserwartung hat als in der freien Wildbahn. Wir stellen die Fortpflanzung von seltenen Arten sicher. Wir wollen künftig unseren klassischen Bildungsauftrag erweitern und in Schulen oder Kindergärten gehen und aufklären. Der Tiergarten ist kein Streichelzoo.

Wie ist denn der Sachstand bei der Sanierung der Lagune? Gibt es neue Probleme, weil die Bauleitung gewechselt hat?

Bürgermeister Christian Vogel.


Vogel: Mit der jetzt abgeschlossenen Sanierung des Delfinariums 2 ist das Ausweichquartier für Seelöwen und Delfine fertiggestellt. Aber nur im Notfall, wenn es bei den eigentlichen Sanierungsmaßnahmen zu Hörschädigungen kommen kann. Wir haben auch sichergestellt, dass es zu keinen weiteren Waldverunreinigungen durch Salzwasseraustritt kommt. Damit nichts herausschwappt, wurde der Wasserspiegel gesenkt. Das klappt, denn in der Auffangwanne ist so gut wie kein Salz. Das wird auch von den Umweltbehörden überwacht.

Es gibt seit der vergangenen Woche auch die fertigen Planungen für einen Notüberlauf, wenn ein Rohr platzt, was man nie ganz ausschließen kann, oder wenn wir den Wasserspiegel wieder anheben. Mit dem Bau des Notüberlaufs beginnen wir im Herbst. Danach kommt die Sanierung der Lagune. Umweltverschmutzungen mit Salzwasser im Wald können ausgeschlossen werden.

Salzwasseraustritt durch Baumangel

Wie hoch sind insgesamt die Kosten für die Sanierung der Lagune?

Vogel: Es gibt bislang nur Kostenschätzungen, keine Berechnungen. Wir gehen von sechs bis acht Millionen Euro aus. Wir glauben, dass wir einen Großteil der Summe über die Versicherung der Verursacher der Schäden wieder bekommen. Aber nicht alles. Die Kosten für die Sanierung des Delfinariums 2 sicher nicht, denn das haben wir als Vorsichtsmaßnahme gemacht.

Existieren denn noch die Baufirmen, die die Lagune gebaut haben?

Vogel: Eine Firma ist insolvent. Aber es gibt noch eine Insolvenzmasse, und da haben wir unsere Forderungen angemeldet.

Wie weit ist das Gerichtsverfahren gegen die am Bau der Lagune beteiligten Baufirmen?

Vogel: Der Gutachter hat jetzt seine Untersuchungsergebnisse abgegeben. Wir wissen noch nicht, wann das Gericht entscheidet. Danach gibt es Revisionsmöglichkeiten.

Die Sanierung soll in den nächsten drei Jahren abgeschlossen sein. Oder dauert sie doch länger?

Vogel: Unser Wunsch ist es, in den nächsten drei Jahren die Sanierung der Lagune abzuschließen. Es hängt davon ab, ob das Verfahren, das wir für die Sanierung wählen, tatsächlich so angewandt werden kann, wie wir es uns vorstellen. Ob die Sanierung ein halbes Jahr länger dauert oder ein halbes Jahr kürzer, ist eigentlich völlig egal. Wichtig ist, dass wir mit Notüberlauf sicherstellen, dass es keinen Salzaustritt mehr im Wald gibt.

Die Delfine schwimmen während der Sanierung weiter in der Lagune, und die Aufführungen können stattfinden. Was wird denn eigentlich saniert?

Vogel: Das ist ein klassischer Baumangel. Der Stahl, der im Beton ist, darf nicht mit Salzwasser in Berührung kommen. Das wusste jeder der Beteiligten. Das juristische Thema ist, wer hat den Beton ausgewählt? Das Salzwasser geht durch den Beton. Das Salz lagert sich am Stahl an und führt zu Korrosion. Die Stadt Nürnberg hat keine Planungsfehler gemacht und auch den Beton nicht ausgewählt.

Für die Sanierung gibt es mehrere Möglichkeiten: Wir können versuchen, die Korrosion mit Strom zu stoppen. Die Mauern neu zu bauen oder einen Teil des Betons abzulösen. Wir können auch eine neue Beschichtung auftragen. Diese Möglichkeiten werden von Gutachtern geprüft. Wir haben aber noch keine Lösung. Die Statiker sehen keine Gefahr, dass die Lagune zusammenbricht. Sie wird wie eine Brücke überwacht.

Preiserhöhung notwendig

Frankreich verzichtet auf die Nachzucht von Delfinen. Wird das auch Auswirkungen auf die Delfinhaltung in Deutschland haben? Hat die Lagune eine Zukunft?

Vogel: Unsere Fachleute glauben, dass das Gesetz in Frankreich juristisch nicht haltbar ist, weil es in sich widersprüchlich ist. Einerseits darf die Nachzucht nicht weiter forciert werden, andererseits; Was macht man dann mit den Weibchen? Quält man sie damit, dass sie keinen Nachwuchs mehr bekommen dürfen? Wir glauben, dass das Gesetz nicht den europäischen Normen entspricht. Sollten sich die Franzosen durchsetzen, dann hätte es aber Auswirkungen auf ganz Europa. In der Delfinzucht sind wir vorbildlich, auch wenn das viele nicht sehen wollen. Wir sorgen dafür, dass es Delfine in 20, 30 Jahren noch geben wird. Auch in der freien Natur. Dafür legen wir mit unseren Forschungen die Grundlagen.

Es gibt demnach keine Planungen, die Lagune anderweitig zu nutzen, wenn es mit der Sanierung nicht klappt?

Vogel: Unser Ziel ist in jedem Fall, dass die Lagune erhalten bleibt. Wie die rechtliche Situation in zehn oder zwanzig Jahren aussieht, weiß ich nicht.

Das Budget für den Tiergarten reicht nicht aus. Es fehlen Elefanten, der Baumwipfelpfad wird nicht realisiert und wissenschaftlich könnte auch noch mehr gearbeitet werden, wenn mehr Geld zur Verfügung stehen würde. Sind die Eintrittspreise für die erfolgreichste Freizeiteinrichtung in der Region nicht zu niedrig angesetzt?

Vogel: Wenn man nach dem geht, was angeboten wird, dann muss man eindeutig "Ja" sagen. Wir werden über moderate Preiserhöhungen nicht herumkommen. Wir müssen demnächst erhöhen. Klar ist aber auch, dass viele Nutzer letztendlich nicht sehen, welchen Aufwand der Tiergarten betreibt. Viele sagen einfach nur, ich will meine Freizeit im Tiergarten genießen. Eigentlich müsste man mehr verlangen, aber eine deutliche Erhöhung der Eintrittspreise in unserer Gesellschaft ist nicht realisierbar. Der Baumwipfelpfad ist ein Zukunftsprojekt, aber vorerst nicht realisierbar. 

André Fischer

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