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Vorzeigeeinrichtung der Nürnberger Drogenhilfe schließt

Nürnberg ist Spitzenreiter bei Drogentoten - Auch andere Einrichtungen betroffen - 22.08.2015 06:00 Uhr

Helmut Heither entschloss sich, mit Beginn seines Ruhestands als Ehrenamtlicher für die Mudra zu arbeiten. Er unterrichtet Drogenabhängige aus dem türkisch-arabischen Kulturkreis.

Helmut Heither entschloss sich, mit Beginn seines Ruhestands als Ehrenamtlicher für die Mudra zu arbeiten. Er unterrichtet Drogenabhängige aus dem türkisch-arabischen Kulturkreis. © Matejka


Der Mudra-Geschäftsführer Bertram Wehner muss nach 20 Jahren das Aus der Einrichtung verkünden, Ende des Jahres schließt das Haus. "Aus rein wirtschaftlichen Gründen", sagt er. Schon lange bleiben zu viele Betten frei, aktuell sind nur 16 der 22 Plätze belegt. 70 Prozent Auslastung erreicht "Dönüs" im Schnitt, nötig wären 90 Prozent. So hat der Verein 200.000 Euro Schulden angehäuft.

"Wir müssen schließen, sonst ist die gesamte Mudra in Gefahr", sagt Wehner. Die Patienten fehlen aber nicht, weil es zu wenig Suchtkranke gibt. Im vergangenen Jahr war Nürnberg mit 27 Drogentoten bei einer halben Million Einwohnern leider erneut Spitzenreiter unter den größeren Städten in Deutschland.

Die fehlende Auslastung von "Dönüs" rührt vielmehr daher, dass sich die Hilfslandschaft verändert hat. Heute nutzen Abhängige lieber Substitutionsangebote. Sie nehmen einen Ersatzstoff wie Methadon, der ihnen ein geordnetes Leben ermöglichen soll. Viele haben dadurch außer regelmäßigen Arztbesuchen keine Einschränkungen.

Bei "Dönüs" müssen die Klienten dagegen zunächst in der Einrichtung bleiben, erst nach einer Weile können sie raus. Ein Team von Psychologen und Sozialtherapeuten kümmert sich um die Patienten. Dazu gibt es Angebote in anderen Sprachen sowie Deutschunterricht oder Sozialkundestunden.

Außerdem bevorzugen Richter bei Prozessen mit drogensüchtigen Straftätern seit einiger Zeit lieber Einweisungen in Kliniken statt in freie Einrichtungen wie "Dönüs", so Wehner. Auch Kranken- und Rentenversicherungen bewilligten Anträge seltener.

Fünf Häuser in Bayern mussten unter diesem Druck schließen, sagt Wehner. "Und drei weitere kämpfen." 

jpz

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