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Wegen Judenhass: Nürnberger griff SEK-Beamte an

Herablassende Äußerungen - 69-Jähriger muss in Psychiatrie - 21.11.2017 15:26 Uhr

Am Ende war der 69-Jährige dann doch ein wenig überrascht: So schnell hatte er nicht damit gerechnet, am Ende der Beweisaufnahme das letzte Wort erteilt zu bekommen. Vorbereitet war er aber trotzdem perfekt. Denn es wurde ein langes letztes Wort. Handschriftlich auf mehreren DIN-A4-Blättern verfasst, vorgelesen in zwei Etappen – die Richterin verordnete zwischendurch eine Pause. Was zum einen an der Länge gelegen haben könnte, zum anderen aber auch am Inhalt. Denn in jenem letzten Wort stritt der Beschuldigte noch einmal in kaum zitierfähiger Art und Weise unter anderem den Juden das Menschsein ab, empfahl, diese zu jagen und trug dem Gericht "mathematische Unsinnsgleichungen" des Juden Albert Einstein vor, dessen Theorien er durch seine eigenen Berechnungen scheinbar entlarven konnte.

Beim Angriff auf zwei SEK-Beamte habe er zudem aus reiner Notwehr gehandelt, weil er – so las er es von seinem Blatt vor – damit rechnen musste, dass es sich bei den "Eindringlingen" nicht um Polizisten, sondern um Juden gehandelt habe. Die hätten schließlich allen Grund gehabt, ihm etwas anzutun, nachdem er seine Thesen in einem Internetforum auch einer breiten Masse zugänglich gemacht hatte.

Vorhangstange angespitzt

Und genau deswegen stand er unter anderem auch vor Gericht: Wegen Volksverhetzung und versuchten Mordes – der 69-Jährige hatte eine Vorhangmetallstange angespitzt und war, als das SEK seine Wohnung durchsuchte, auf einen Beamten losgegangen — dessen Schmerzen hielten sich in Grenzen. Das SEK sollte antisemitische Schriften beschlagnahmen.

Schuldfähig ist der 69-Jährige allerdings nicht. Die Schwurgerichtskammer schloss sich in ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft an: die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Der Täter habe das Unrecht seiner Taten aufgrund einer wahnhaften Störung nicht erkennen können, heißt es in der Urteilsbegründung. Sämtliche Vorstellungen, die er gegenüber dem Judentum habe, seien wahnhaft. Seine Handlungen erfolgten alle aus der Grundhaltung, er müsse sich gegen die Juden wehren.

Seit dem Jahr 2005 ging es für den Beschuldigten psychisch bergab: Zuvor leitete er unter anderem ein Ingenieurbüro. Doch dann verließ ihn seine Frau, die Mutter erlitt einen Schlaganfall, der Beschuldigte zog sich zurück und verlor komplett den Kontakt zur Außenwelt – er war in politischen Foren unterwegs, setzte sich mit dem Holocaust auseinander und steigerte sich in seine Thesen hinein. Aus diesem Wahn kam er nicht heraus – und wird nun zum Schutz der Allgemeinheit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. 

Micha Schneider E-Mail

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