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Wenn das Wunschkind nicht kommt

Ratgeber hilft Paaren, die vergeblich auf Nachwuchs hoffen — Mitautorin aus Nürnberg - 07.01.2015 18:19 Uhr

Doris Wallraff begleitet betroffene Paare.

Doris Wallraff begleitet betroffene Paare. © Foto: privat


Jeden Monat hoffen sie erneut, werden immer wieder enttäuscht — und müssen gleichzeitig damit leben, dass Bekannte oder Kollegen womöglich meinen, die eigene Kinderlosigkeit wäre gewollt. Für die betroffenen Paare sei das eine äußerst schwierige Lebenssituation, weiß Doris Wallraff.

Die Psychologin hat sich auf die Beratung ungewollt Kinderloser spezialisiert, sie erlebt immer wieder, wie sehr Frauen und Männer in dieser besonderen Lebenslage leiden. „Es sind ja so viele Lebensbereiche betroffen.“ Gerade die Frauen sehen im eigene Umfeld plötzlich nur noch Schwangere, sie ziehen sich zurück, weil sie das Glück der anderen nicht ertragen können. Dadurch geraten sie oft in eine soziale Isolation.

Entscheiden sich Paare für eine Kinderwunschbehandlung, kommen zahlreiche Arzttermine auf sie zu, für die es vor Chef und Kollegen immer wieder neue Erklärungen zu finden gilt, wenn man nicht offen über das sensible Thema sprechen mag. Hinzu komme die Belastung für die Partnerschaft, wenn sich alles nur um das eine Thema drehe, sagt Wallraff. „Permanenter Frust und immer wiederkehrende Enttäuschung wirken sich da natürlich aus.“

Zudem leiden die Frauen zum Teil auch körperlich unter der oft anstrengenden Therapie, die längst nicht immer zum Erfolg führt. Nach drei Behandlungszyklen bekommt laut Wallraff jede zweite Frau ein gesundes Kind, nach vier Zyklen steigt die Quote auf 60 Prozent. „Das bedeutet umgekehrt, dass 40 Prozent weiter mit der Enttäuschung leben müssen.“

Sie möchte Paare deshalb möglichst schon vor Beginn der Behandlung erreichen und sie bei Bedarf durch diese Zeit begleiten. Es sei schwer, in diesem Schwebezustand zu leben, sagt Wallraff. „Viele treffen keine wichtigen Entscheidungen mehr, weil sich ihr Leben jederzeit von Grund auf ändern könnte.“

Auch der neue Ratgeber will den Betroffenen durch diese schwierige Lebensphase helfen. Herausgeber ist das Beratungsnetzwerk Kinderwunsch Deutschland, in dem sich Berater aus ganz Deutschland zusammengeschlossen haben.

Mit ihrem Buch wollen sie eine Lücke schließen, denn bisher finden Betroffene laut Wallraff eher medizinisch orientierte Literatur oder subjektive Erfahrungsberichte. Der neue Ratgeber dagegen knüpft an den Ängsten und Sorgen der Paare an und begleitet sie durch die verschiedenen Phasen.

Wie können wir uns auf die Kinderwunschbehandlung vorbereiten? Welche alternativen Behandlungsmethoden gibt es? Solche Fragen sind ebenso Thema wie der Umgang mit dem eigenen Umfeld. Weitere Beiträge befassen sich mit der Frage, wie man sich von dem Wunsch nach einem eigenen Kind verabschieden kann und welche Alternativen zur leiblichen Elternschaft es gibt. Dabei haben die Autoren immer die jeweilige Lebenssituation im Blick, sie geben Anregungen, wie sich diese Zeit sinnvoll gestalten lässt.

Männer im Blick

Wallraff möchte mit dem Buch all jene ansprechen, die sich eine persönliche Beratung nicht leisten können oder wollen. Und sie hofft, mit dem Ratgeber auch Männer zu erreichen, denn diese leiden ihrer Erfahrung nach oft im Verborgenen. „Und sie leiden doppelt: weil sie selbst nicht Vater werden können und weil sie ihre Frauen leiden sehen.“

Wallraff, Thorn, Wischmann (Hrsg.): Kinderwunsch. Der Ratgeber des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland, Kohlhammer, ISBN 978-3-17023941-8. www.kinderwunsch-beratung.info 

SILKE ROENNEFAHRT (Nürnberger Nachrichten)

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