Dienstag, 23.10.2018

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Wikis kleine Schwestern: Franken-Wiki und Co.

Das größte Nachschlagewerk im Internet hat zahlreiche Ableger, auch in der Region - 08.09.2011 11:45 Uhr

Das Franken-Wiki erfreut sich immer größerer Beliebtheit, auch außerhalb der Region.


Stadt-Wikis, Newswiki, Wiktionary, Travelwiki oder firmeninterne Enzykolpädien - längst hat sich das Wiki-Konzept ausgeweitet. Das Prinzip ist immer das gleiche: Viele Autoren sammeln ihr Wissen auf einer Website, damit alle etwas davon haben. Doch auch die kleinen Wiki-Webseiten haben mit Streitereien unter den Mitarbeitern zu kämpfen.

55 Städte-Wikis gibt es zwischenzeitlich in Deutschland, von Bremen bis Altötting. Die Software für die Webseiten wird von Wikimedia kostenlos zur Verfügung gestellt, die Wartung und Betreuung liegt in der Regie der regionalen Gründer. Die Idee für das Franken-Wiki wurde 2007 eher aus der Not geboren. "Damals war es uns technisch noch nicht möglich, Artikel der Nürnberger Zeitung in einem Online-Archiv für die Nutzer aufzubewahren", erzählt Peter Viebig, Redakteur der Nürnberger Zeitung und geistiger Vater der fränkischen Wiki. Eine externe Website sollte Abhilfe schaffen, dort konnten die Leser nun nach alten Artikeln stöbern. Eine Auflistung nach Stichpunkten in der Art eines Lexikons lag da nahe: "Eine Städte-Wiki gab es damals schon in Karlsruhe und Kassel. So etwas wollten wir für die Region auch." Heute hat das Franken-Wiki mehr als 4.000 Beiträge und einen festen Autorenstamm von 50 Leuten, die regelmäßig Beiträge verfassen. Die Website verzeichnete im August 111.000 Klicks.

Zwist zwischen den regionalen Wikis

Daneben haben die Macher des Franken-Wiki noch andere Projekte auf die Beine gestellt, wie zum Beispiel eine fränkische App. Der Nutzer kann sich nicht nur Begriffe von hochdeutsch auf fränkisch übersetzten lassen, er bekommt diese auch noch in fränkischer Mundart vorgelesen und kann sein neu gewonnenenes Wissen bei einem Quiz testen. "Als Sahnehäubchen gibt es fränkische Witze", erzählt Viebig. Trotz guter Klickzahlen und einer App, gibt es auch beim Franken-Wiki Probleme. Zum einen bedauert Viebig, dass viele Heimatpfleger aus kleinen Ortschaften technisch nicht versiert genug seien, um Inhalte ins Netz zu stellen. "Ihr Wissen geht wohl auf lange Sicht verloren", bedauert er.

Eine größere Herausforderung ist das Arbeitsklima. Das Problem von Autorenfehden zieht sich durch die Wiki-Landschaft. Und wie bei der großen Wiki-Website gibt es auch bei der kleinen Schwester Rangeleien unter den Schreibern. Diskussionen werden zum Teil nicht sachlich geführt, Seiten des anderen absichtlich falsch verändert.

Dieses Problem kennt auch das Fürth-Wiki. Gegründet wurde es 2008 von zwei Freunden, Felix Geismann und Marc Muzenhardt. Bereits in der Anfangszeit hatten sie ein Problem mit einem Wüstling, der sich an den Seiten zu schaffen machte und Beleidigungen schrieb.

Doch nicht nur innerhalb des Wikis gibt es Autoren-Fehden. Auch zwischen den WIkis. Manfred Riebe fühlte sich bei Wikipedia als Autor nicht respektvoll behandelt, glaubt an persönliche Rachefeldzüge. "Meine Benutzerseite mit meinem realen Namen wurde 2005 innerhalb von zwei Monaten mehrfach gesperrt und es wurden Löschanträge für meine Artikel gestellt", sagt Riebe. Er distanzierte sich von Wikipedia und seinen regionalen Ablegern und machte kurzerhand seine eigene Seite auf. Seit einem Jahr betreibt er das NürnbergWiki. Autoren müssten ihren vollständig Namen angeben, müssen also aus der Anonymität eines Nicknames heraustreten. Ihre Artikel können sie nur unter ihrem richtigen Namen selbst einstellen. Viele erstellen ihre Beiträge zusammen mit Riebe in einer separaten MediaWiki-Werkstatt. Riebe pflegt sie anschließend ein.  

Das beschneidet den demokratischen Gedanken der Wikipedianer, eine Anmeldung mit Klarnamen ist nötig. "Aber anders kann ich aus meiner Sicht die Seite nicht leiten. Ich hatte zu sehr unter Angriffen zu leiden", erzählt Riebe, außerdem fallen lange Löschdiskussionen weg. Nach einem Jahr NürnbergWiki fällt sein Fazit positiv aus: "Ich freue mich über die ruhige Arbeitsatmosphäre und darüber, dass meine Seite gegen Vandalismus geschützt ist." 

Kai Kappes

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