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Montag, 15.10.2018

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Workshop mit Film- und Fernsehdarsteller Ercan Karacay

Für den Spannungsbogen braucht es Köpfchen - 26.03.2018 15:59 Uhr

Der Schauspieler Ercan Karacay (2. v. li.) hat den Workshop betreut, bei dem auch Jürgen Freund (3. v. li.) sich Tipps geholt hat. © Edgar Pfrogner


Wer schauspielern will, muss rechnen können. "Kannst du Kopfrechnen?", fragt Ercan Karacay. Brüderlich klopft er Jürgen Freund auf die Schulter. Der 40 Jahre alte Mann aus Roth mit Drei-Tage-Bart und in grauer Zipperjacke will sich in dem Nürnberger Schauspiel-Workshop fortbilden. Als Komparse stand er bereits mehrere Male vor der Kamera – bei den ARD-Serien "Hubert und Staller" und "Um Himmels Willen". Auf seinem Smartphone hat er ein Foto von sich mit der Schauspielerin Veronika Ferres. Es ist beim Dreh für die Komödie "Das erste und das beste Mal" entstanden. Der gelernte Konditor ist stolz auf sein Hobby, aus dem er gerne mehr machen würde.


Dabei helfen soll ihm Karacay. Der deutsch-türkische Schauspieler, der mittlerweile in München lebt, ist in Nürnberg aufgewachsen. Zugute kam ihm das bei seiner Rolle in dem Film "Dreiviertelmond", in der er fränkisch gesprochen hat. Bekannt ist Karacay vor allem aus dem Kinofilm "Almanya – Willkommen in Deutschland" und jüngst aus der BR-Serie "Hindafing". In dem Schauspiel-Workshop am Samstag, der von der Filmakademie Nürnberg organisiert wurde, zeigt er Teilnehmern wie Freund, worauf es bei dieser Kunstform ankommt.


So beginnt Freund während seiner Szene auf den Ratschlag Karacays hin im Kopf Rechenaufgaben zu lösen. Die Pause lässt beim Publikum die Spannung steigen. Es ist eine Szene, in der einer der anderen Teilnehmer dem Schauspiel-Schüler gerade eine Affäre mit seiner Freundin gestanden hat. Während Freund beim ersten Versuch aufgesprungen ist und den Kollegen wütend vom Stuhl gezogen hat, sitzt er nun ruhig da.

"Schauspielen ist ein extrem erhebendes Gefühl", sagt Karacay. Er hat eine Ausbildung zum Buchbinder bei der Nürnberger Druckerei Hofmann gemacht. Ein Beruf, der ihm nie gefallen hat. "Das Aufstehen um sechs Uhr morgens war schlimm für mich", sagt der heute 50-Jährige. Weil er schon als Schüler im Kinderhort theatralisch die Treppe herunterstürzen konnte, stand seine Berufung eigentlich schon lange fest. An der Otto-Falckenberg-Schule in München ließ er sich schließlich zum Schauspieler ausbilden. "Es ist kein Zuckerschlecken", sagt er – und fordert auch von seinen Nürnberger Schauspiel-Schülern einiges.

"Man lernt sein Hirn mal anders zu nutzen", sagt Freund über den Workshop. Deutlich wird das bei einer Übung, bei der zwei der Teilnehmer in einem mit Wasserflasche, Tennisball oder Toilettenpapierrolle am Boden markierten Raster stehen. Ihre Aufgabe: Die imaginären Linien so lange ablaufen, bis beide aufeinandertreffen. Was banal klingt, wird an diesem Nachmittag für so manchen der acht Teilnehmer zum Seelenstriptease. "Sein Blickkontakt hat mich sicher gemacht", sagt eine Frau. "Ich habe die Spannung gefühlt", eine andere. "Wir haben eine Geschichte gesehen", ergänzt Karacay. Freund ist zum zweiten Mal bei dem Workshop dabei. Weil es ihm Spaß mache, in andere Rollen zu schlüpfen – und er auch für sein echtes Leben lernt. 

Marie Zahout E-Mail

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